Lieber Börsianer,

das war ein Paukenschlag. Der chinesische Telekom-Ausrüster und Handy-Hersteller Huawei wird möglicherweise seine Android-Lizenz verlieren. Die Konsequenzen dieser Maßnahme sind noch nicht ganz klar. Im Extremfall allerdings stünde für die Huawei-Smartphones künftig kein Betriebssystem mehr zur Verfügung. Damit wären die Geräte für den Nutzer wertlos. Angeblich haben die britischen Mobilfunk-Anbieter Vodafone und British Telecom Bestellungen für die neueste Generation der Huawei-Smartphones bereits storniert.  

Zur Info: Die US-Regierung hat das halbstaatliche chinesische Unternehmen auf seine Schwarze Liste gesetzt. Unternehmen, die mit Huawei weiterhin zusammenarbeiten, wird also künftig der Zutritt zum US-Markt verwehrt. Folglich war Google gezwungen, den Chinesen die Android-Lizenz zu entziehen. Momentan gilt allerdings für die Chinesen noch eine Gnadenfrist von 90 Tagen, bis der Lizenzentzug greift.  

In diesem Fall verliert Google bzw. Alphabet einen seiner wichtigsten internationalen Kunden. Ebenfalls spürbar betroffen ist der Huawei-Zulieferer Qualcomm. Die Aktie des US-Chipherstellers sackte in dieser Woche um fast 18 % ab. Generell tendierten US-Titel der verschiedenen Tech-Branchen in dieser Woche eher schwach. Per saldo verlor der maßgebliche Leitindex, also der NASDAQ 100 auf Wochensicht etwas über 1,5 %.

Eine Vorsichtsmaßnahme: Ich stufe AMD kurzfristig auf Halten herab 

Im Trenddepot des RENDITE TELEGRAMM (RT) ist von der Huawei-Affäre die Aktie der AMD betroffen. Der Chip-Entwickler hat im vergangenen Jahr 2 % seines Umsatzes mit dem chinesischen Unternehmen erzielt. Das ist nicht besonders viel. Gleichwohl ist die aktuelle Nachrichtenlage natürlich nicht geeignet, den AMD-Kurs weiter zu treiben. Ganz im Gegenteil: Die AMD-Aktie geriet im Gefolge der Kursverluste der Qualcomm-Aktie ebenfalls unter Verkaufsdruck und verbilligte sich um rund 5 %.  

Chartkommentar: Ich erwarte, dass die Aktie in den kommenden Tagen noch auf rund 25 US-Dollar oder umgerechnet 22,30 Euro absinken wird. Hier wartet dann eine recht belastbare untere Unterstützung, die ich in der Graphik grün eingezeichnet habe. Um diese Kursmarke herum sollte die Chip-Aktie schließlich wieder nach oben drehen.  

Sicherheitshalber empfehle ich daher AMD erst einmal nicht mehr zum Kauf und stufe den US-Titel stattdessen auf Halten herab. Die weitere Entwicklung werde ich für Sie sehr genau beobachten.  

Jetzt ist es amtlich: Die neue Facebook-Währung heißt GlobalCoin

In der vergangenen Mai-Ausgabe des RENDITE TELEGRAMM hat sich bereits berichtet, dass Facebook in den Online-Zahlungsverkehr einsteigen wird. Derzeit entwickelt man unter dem Projektnamen Libra zu diesem Zweck ein eigenes Bezahlsystem, dass sich auf eine eigene Kryptowährung namens GlobalCoin stützen wird. Ganz offensichtlich sind die Vorbereitungen schon weiter gediehen als bisher gedacht. So wird das Libra-System noch in diesem Jahr in eine umfassende Beta-Testphase starten. Offizieller Markteintritt wird dann 2020 sein. 

Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sich für dieses wichtige Projekt reichlich externe Expertise besorgt. So werden die Zahlungsdienstleister Mastercard, Visa und Western Union an dem neuen Bezahlsystem mitwirken. Ferner hat sich Zuckerberg mit verschiedenen hochrangigen Notenbankern aus den USA und aus Großbritannien ausgetauscht. Seine Hauptsorge gilt natürlich der Wertstabilität der neuen Kryptowährung.

Der Zusammenhang ist offensichtlich: Der GlobalCoin kann den US-Dollar oder etwa den Euro als digitale Handelswährung nur dann verdrängen, wenn er stabil und für den Kunden wie auch die Händler kaufkräftig sein wird. Deshalb wird der GlobalCoin an einen Währungskorb bestehend unter anderem aus dem US-Dollar, dem Euro und dem japanischen Yen angebunden.

Das Konzept überzeugt. Zuckerberg nimmt dem Markt und damit auch den Nutzern gleich die Sorge, dass der GlobalCoin in seiner Wertentwicklung ähnlich anfällig sein wird wie etwa der Bitcoin. Abschließend will ich freilich nicht unerwähnt lassen, das die Zuckerberg-Idee des eigenen Bezahlsystems nicht mehr gänzlich neu ist. Konkurrenten wie PayPal oder AliPay agieren schon länger in diesem Feld. Im Februar startete zudem mit der US-Bank JPMorgan ein weiteres Marktschwergewicht ein eigenes kryptowährungs-basiertes Bezahlsystem (JPM Coin).

Trotzdem bleiben wir zunächst voll investiert. Ich bin sehr gespannt, wie diese neue Facebook-Dienstleistung im Zusammenspiel mit der Facebook- und Whatsapp-Plattform funktionieren wird. Das kann durchaus für das US-Unternehmen ein (neuer) großer Erfolg werden.

Alibaba: Große Rotation der Investoren  

Die Managementgesellschaft Altaba wird in den kommenden Wochen ihren 11-%-igen Anteil am chinesischen Online-Händler Alibaba über die Börse komplett abstoßen. Anschließend wird die Altaba-Gesellschaft, die ursprünglich aus dem Internet-Unternehmen Yahoo! entstanden ist, zum Jahresende aufgelöst und ihre Börsennotierung einstellen. Der Verkaufsprozess läuft nun bereits seit 4 Tagen und wird den Kurs der Alibaba-Aktie naturgemäß vorübergehend belasten. 

Im Prinzip ist der kursdämpfende Effekt dieser Maßnahme bereits weitgehend eingepreist. Deshalb haben sich zuletzt auch verschiedene US-Investoren in der China-Aktie neu positioniert. Im März hat etwa das Lehrer-Versorgungswerk The Teachers Retirement System eine Tranche im Volumen von umgerechnet rund 20 Millionen Euro erworben. Ich erwarte, dass die Lehrer weitere Stücke am Markt erwerben werden. Die Pensionskasse verwaltet gegenwärtig rund 150 Milliarden US-Dollar und ist als treuer Langzeit-Investor bekannt, der bei Kursschwäche gerne nachkauft.  

Auch ich bin bei Alibaba gerne ein treuer Investor. Ich bestätige meine langfristige Kaufempfehlung für die Alibaba-Aktie. 

Neues Kauflimit für Kratos – SpaceX setzt 60 Satelliten im All ab 

Gestern startete von Cape Canaveral die SpaceX-Trägerrakete Falcon 9 und setzte 60 Internet-Satelliten im All aus. Sie sind der erste Teil einer weltumspannenden sogenannten Satellitenkonstellation, die in naher Zukunft unseren Planeten mit Internet aus dem All versorgen soll. Vergleichen Sie hierzu bitte auch nochmals die letzte RT-Hauptausgabe (Mai)! 

Unterdessen meldete der Spezialist für unbemannte Raumfahrt, Kratos Defense erneut zwei mittelschwere Aufträge des US-Verteidigungsministerium. Die Stimmung in der Branche ist derzeit also wirklich gut. Folglich startete die „Kratos-Kursrakete“ zunächst ohne uns. Zuletzt notierte die US-Aktie bereits knapp über 20 US-Dollar. Das von mir empfohlene Kauflimit von 17,50 US-Dollar ist also nicht mehr realistisch.

Deshalb hebe ich das Kauflimit nun von 17,50 auf 18,75 US-Dollar an. Ich hoffe unverändert, dass wir bei dieser spannenden Aktie zu dem erhöhten Kauflimit in den kommenden Wochen noch zum Zug kommen werden. Wenn nicht, werden wir uns anderweitig engagieren. Das ist ein wichtiges Prinzip des RENDITE TELEGRAMM: Wir bezahlen keine Mondpreise, auch nicht für Weltraum-Aktien.

Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende 

Alexander von Parseval