Lieber Börsianer,

eigentlich hat die US-Notenbank Fed wie am Markt erwartet geliefert. Sie senkte nämlich den Leitzins um einen Viertelpunkt. Trotzdem waren die Investoren unzufrieden. Denn die US-Währungshüter ließen verklausuliert durchblicken, dass man langfristig eher eine weitere Straffung der Geldpolitik plant. Mit anderen Worten: Die erste Zinssenkung seit rund 10 Jahren bedeutet keine geldpolitische Wende.

Zwei Tage später kündigte der US-Präsident weitere Sonderzölle auf chinesische Importe in die USA an. Wenn diese Zölle dann ab September greifen, sind praktisch alle Importe aus China – vom Plastikspielzeug bis zum Laptop – durch die Sonderzölle künstlich verteuert. Solche Nachrichten schätzen Börsianer natürlich nicht.

Folglich gingen die Aktienmärkte auf Tauchstation. Der DAX sackte wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten ab. Der für uns im RENDITE TELEGRAMM maßgebliche Technologie-Index NASDAQ100 verlor auf Wochensicht fast 2 %.

Tabellenübersicht "NASDAQ 100"

Das Trenddepot konnte sich leider dem schwachen Gesamttrend nur begrenzt entziehen. Besonders die AMD-Aktie geriet unter Verkaufsdruck und verlor bis dato über 7 %. Daneben enttäuschte Baidu mit einem Abschlag von über 4 %. Lediglich Fresenius stemmte sich erfolgreich gegen den Trend, nachdem das Unternehmen überraschend gute Quartalszahlen vorgelegt hatte. Dazu gleich mehr.

Ich muss Ihnen reinen Wein einschenken: In dieser Woche sind wir in eine Zwischenkorrektur eingestiegen. Ich erwarte, dass diese Korrektur bis Ende September anhalten wird. Deshalb stufe ich kurzfristig alle Positionen des Trenddepots auf Halten herab. Zu Deutsch: Verzichten Sie in den nächsten Tagen auf Neuanschaffungen. Diese werden sich für Sie zumindest kurzfristig nicht auszahlen. Die laufende Korrekturbewegung trifft mich nicht völlig unvorbereitet. Auch aus diesem Grund hatten wir zuletzt die Alibaba-Aktie veräußert und halten gegenwärtig nur 7 Positionen im Trenddepot. Ende des Jahres werden wir dann zu verringerten Kursen unser Depot auf 10 bis 12 Titel ausbauen.

Fresenius kündigt nach starken Qurtalszahlen neue Expansion an

Der Gesundheitsdienstleister hat im abgelaufenen Quartal die Erwartungen des Marktes und auch die eigenen Prognosen übertroffen. So steigerte man den Umsatz währungsbereinigt um 6 % auf 8,8 Milliarden Euro. Die Unternehmensführung erwartet, dass man diese Wachstumsrate auch auf das Gesamtjahr gerechnet beibehalten wird oder sogar leicht ausbauen wird. Hier verdichten sich also die Anzeichen, dass das schwache Geschäftsjahr 2018 nur ein einmaliger Ausrutscher war und keineswegs auf eine grundsätzliche Schwäche des Geschäftsmodells verweist.

Der operative Gewinn hingegen war spürbar rückläufig und verringerte sich um 7 % auf 1,1 Milliarden Euro. Hier wirkten im Wesentlichen Einmalbelastungen aus dem US-Geschäft der Tochter FMC (Dialyse). Insgesamt ist die Unternehmensführung zurecht mit dem aktuellen Zahlenwerk zufrieden. Fresenius wird auf absehbare Zeit überdurchschnittlich wachsen. Vor diesem Hintergrund plant die Unternehmensführung weitere Expansion im Betreibergeschäft. Danach wird man vor allem in Lateinamerika und in zweiter Linie auch in Spanien neue stationäre Reha- und Senioren-Einrichtungen eröffnen.

Was ist der Hintergrund dieses Expansionskurses? In den vergangenen Jahrzehnten ist die Lebenserwartung der Menschen in den westlichen Gesellschaften bekanntlich gestiegen. In den Schwellenländern – also etwa in Lateinamerika – ist in diesem Zeitraum die Lebenserwartung allerdings deutlich stärker gestiegen. Folglich fehlen in diesen Ländern mittlerweile entsprechende Einrichtungen. Fresenius will nun genau in diese Versorgungslücke stoßen.

Meine Empfehlung: Bleiben Sie investiert! Wahrscheinlich kann ich die Aktie für Neueinkäufe spätestens im Oktober wieder freigeben.

Fresenius kündigt nach starken Qurtalszahlen neue Expansion an

In der Tech-Szene werden die neuen Chips der AMD seit Monaten gefeiert. Leider hat sich die Begeisterung der Tech-Szene im vergangenen Quartal nicht in klingender Münze für das US-Unternehmen ausgezahlt. Negativ wirkte hier vor allem die Krise bzw. der Preisverfall der Kryptowährungen.

Zur Information: Bitcoin und Co werden von teuer aufgerüsteten Computern „geschürft“ bzw. produziert (zu Englisch: Crypto Mining). Zuletzt war dieses Geschäft aufgrund der Preisrückgänge allerdings nicht mehr wirklich lukrativ. Folglich nahm die Nachfrage nach entsprechenden Grafik-Chips ab. Deshalb musste AMD einen Umsatzrückgang von rund 10 % auf 1,5 Milliarden US-Dollar hinnehmen. Der Quartalsgewinn sank im Vergleich zum Vorjahr von 135 Millionen auf 36 Millionen US-Dollar.

Wir bleiben hier unverändert investiert. Ich gebe zu, dass ich den negativen Effekt aus dem Crypto-Mining-Geschäft nicht auf dem Schirm hatte. Dieser Effekt ist nach dem jüngsten Kursrücksetzer allerdings eingepreist. Jetzt im 3.und 4. Quartal sollte die diversen Neuentwicklungen auch ergebnisseitig für Auftrieb sorgen.

Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval

PS: Sie haben Anmerkungen für mich oder Fragen? Dann wenden Sie sich direkt per E-Mail an mich: redaktion@rendite-telegramm.de. Ich möchte immer wissen, was Sie als Börsianer gegenwärtig umtreibt. Das macht das RENDITE TELEGRAMM nur besser und noch wertvoller für Sie.