Lieber Börsianer,

in den vergangenen Tagen hat sich doch die Stimmung am Aktienmarkt etwas eingetrübt. So verlor der DAX auf Wochensicht über 3 %, auf Monatssicht steht sogar ein Minus von über 5 % zu Buche. Die US-Technologiemärkte (NASDAQ 100) hielten sich etwas besser und schafften immerhin eine rote Null.

Ganz unvorbereitet trifft uns dieser Rückgang nicht. Bereits in der letzten Wochenausgabe hatte ich deshalb vorsichtshalber alle Positionen des Trenddepots auf Halten gestellt. Ich gebe zu, für die Neubörsianer unter Ihnen ist diese Maßnahme etwas undankbar. Sie haben kürzlich ein Depot eröffnet und sind jetzt voller Tatendrang. Und dann dürfen Sie nicht ran an den Speck.

Trotzdem meine Bitte: Bringen Sie noch etwas Geduld auf lassen Sie die Kurse noch etwas auf sich zukommen, bevor Sie umfassend einsteigen. Denn nichts ist segensreicher als der Kauf einer guten Aktie zum richtigen Zeitpunkt. Und das kann ich versprechen: Dieser Zeitpunkt wird für Sie und für uns alle in sehr absehbarer Zeit kommen.

Kurzfristig sehe ich zwei größere Störfaktoren: Es ist weiterhin offen, ob sich Peking und Washington im schwelenden Handelskonflikt wieder annähern werden oder ob die wechselseitig verhängten Sonderzölle und anderen Handelshemmnisse zunächst zu einer Art Dauereinrichtung im Handel der beiden Länder werden. Im September treffen sich die Unterhändler beider Seiten zu neuen Gesprächen. Das kann dem Markt dann wieder neue Impulse verleihen.

Der zweite Unsicherheitsfaktor: In London gibt sich der neue britische Premier in der Brexit-Frage weiter hartleibig und kokettiert ganz offen mit einem harten Brexit. Noch bleiben London und Brüssel rund 80 Tage Zeit, doch noch eine vernünftige Verhandlungslösung zu finden.

Die ungeklärte Brexit-Frage lastet natürlich besonders auf den europäischen Aktienmarkt. Viele Medien erwecken gegenwärtig den Eindruck, dass ein harter Brexit, so er denn am 31. Oktober stattfindet, quasi auf Dauer in Stein gemeißelt sein wird. Überspitzt formuliert: Wir dürfen nie mehr mit den Briten Handel treiben.

Die politische Realität ist natürlich etwas differenzierter. Selbstverständlich werden London und Brüssel im Falle eines harten Brexit hernach rasch Verhandlungen aufnehmen, um einen stabilen vertraglichen Rahmen für die neue wirtschaftliche Zusammenarbeit zu finden. Anders formuliert: Was die Verhandlungspartner nicht vor dem 31. Oktober schaffen, werden sie eben danach erledigen.

Für den Aktienmarkt ist diese Variante kurzfristig sicherlich nicht optimal. Trotzdem: Die EU-Länder werden auch künftig mit den britischen Inseln einen schwunghaften Handel treiben, wie sie es auch mit der Schweiz oder Norwegen tun, und das obwohl diese Länder keine EU-Mitglieder sind.

Fazit: Kurzfristig rate ich Ihnen weiterhin zur Vorsicht und belasse alle Positionen des Trenddepots auf Halten. Beachten Sie ferner bitte, dass ich aufgrund der schwachen Marktverfassung einige Stop-Loss-Limits nach oben gezogen habe. So schützen Sie Ihr Depot vor gravierenden Verlusten bzw. sichern die aktuellen Buchgewinne – etwa in den Positionen AMD und Facebook – wirkungsvoll ab.

Noch eine Anmerkung zu den von mir empfohlenen Stop-Loss-Limits: Verschiedene Börsenbriefe setzen SL-Limits eher als eine Art Gedächtnisstütze und führen daher die Limits nicht automatisch aus. Ich habe mich im RENDITE TELEGRAMM bewusst für eine andere Vorgehensweise entschieden. Die von mir empfohlenen SL-Limits setze ich sofort und automatisch um, sobald diese berührt oder unterschritten worden sind. Ich empfehle generell jedem Börsianer, immer mit klaren Regeln und einer klaren Systematik zu arbeiten. Das wird sich für Sie langfristig auszahlen.

AMD peilt frische Rekordkurse an – Neuer Server-Chip schiebt Aktie an

Die AMD-Aktie hat unsere Nerven im August schon etwas strapaziert. Zunächst sackte die Chip-Aktie im Rahmen der allgemeinen Korrektur spürbar ab. Gestern jagte die US-Aktie allerdings wieder mächtig durch die Decke und verbesserte sich innerhalb eines Tages um über 16 %. Eine veritable Achterbahnfahrt! Aber wir haben keinen Grund zur Klage, denn per saldo kam die AMD-Aktie in dieser Woche über 12 % voran. Vergleichen Sie hierzu auch den Chart!

Was hat die gestrige Kursrally ausgelöst? Das US-Unternehmen hat in dieser Woche einen neuen Chip für Großanwender (Cloud-Computing) vorgestellt. Und wieder einmal ist die Technik-Szene von den Eigenschaften des neuen Hochleistungs-Chips ziemlich begeistert. Die Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley prognostizieren, dass allein dieses Bauteil dem Chip-Designer im kommenden Jahr einen zusätzlichen Umsatzschub im Volumen von bis zu 300 Millionen US-Dollar verleihen wird.

Einige Hintergrund-Infos: Gegenwärtig beherrscht Intel mit einem Anteil von rund 90 % den Markt für großvolumige Server-Chips. Und genau in diesem Segment wird nun AMD räubern. Von dieser Konstellation kann der Chip-Designer nur profitieren.

Meine Empfehlung: Bleiben Sie weiter investiert! Sicherheitshalber rate ich Ihnen daneben, dass bisher empfohlene SL-Limit von 18 auf 23,50 Euro nachzuziehen.

Deutsche Post meldet starke Zahlen und hebt eigene Prognose an

Die Deutsche Post meldete in dieser Woche überzeugende Quartalszahlen. So wuchs der Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 3 % auf 15,5 Milliarden Euro. Der operative Gewinn verbesserte sich entsprechend und stieg auf knapp 770 Millionen Euro. Vor diesem Hintergrund hob die Unternehmensführung die Prognose für das laufende Geschäftsjahr am unteren Ende an. Zu Deutsch: Selbst in einem ungünstigen Marktumfeld wird der Logistiker im laufenden Jahr weiter wachsen.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Post schon jetzt den hälftigen Gewinn des vergangenen Jahres in den Kassen hat, obwohl das saisonal bedingt stärkste Quartal (Weihnachtsgeschäft) noch bevorsteht. Im dritten Quartal wirken zudem die jüngst beschlossenen Erhöhungen des Briefportos.

Fazit: Es sieht derzeit gut aus für den gelben Riesen. Wir bleiben also investiert. Ein SL-Limit ist unverändert nicht erforderlich.

SL-Limit greift bei Fresenius – Aktie mit geringem Verlust verkauft

Am vergangenen Mittwoch (7. August) griff die Absicherung (SL-Limit) für die Aktie der Fresenius. Aus dem Unternehmen wurden keine Nachrichten bekannt, die den Kursrückgang in dieser Woche erklären konnten. Damit folgte die Aktie den schwachen Vorgaben des DAX. Ich habe die Aktie nun zu exakt 42 Euro ausgebucht.

Ich bin von der Aktie schon etwas enttäuscht. Hier hatte ich schon etwas stärkere defensive Qualitäten erwartet. Gleichwohl werde ich den Gesundheitsdienstleister nicht von meiner Beobachtungsliste streichen. Ich erwäge einen Rückkauf der Aktie unter 40 Euro, denn langfristig bin ich von diesem Unternehmen sehr überzeugt.

Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval