Lieber Börsianer,

die Investoren harren der Dinge und haben in dieser Woche offensichtlich auf größere Neuanschaffungen verzichtet. So kamen die US-Märkte überhaupt nicht vom Fleck. Der DAX schaffte immerhin ein kleines Plus von knapp 1 %. Unter dem Strich geht damit ein eher schwacher Börsenmonat zu Ende. Die wichtigen Aktienmärkte verloren nahezu weltweit zwischen 3 und 5 %.

In dieser Woche stabilisierten sich die Aktien allerdings wieder. Im Markt sind Hoffnungen, dass die EZB im September wieder aktiv werden wird und den Einlagensatz (volkstümlich: Strafzins), der derzeit bei minus 0,4 % liegt, erneut senken wird. Offenbar wird auch über eine Wiederaufnahme des Ende 2018 beendeten Anleihenkaufprogramms nachgedacht. Der Effekt dieser geldpolitischen Maßnahme dürfte sich allerdings bei dem derzeitigen Zinsniveau in engen Grenzen halten. Schließlich rentieren die Anleihen bonitätsstarker EU-Staaten selbst in den längeren Laufzeiten im negativen Zinsterrain. Solche Anleihen darf die EZB am Markt ohnehin nicht erwerben.

Am kommenden Sonntag treten im amerikanisch-chinesischen Handelskrieg neue Sonderzölle in Kraft. Gleichwohl setzen immer noch viele Investoren darauf, dass die Verhandlungen zwischen den beiden Supermächten nächstens wieder aufgenommen werden. Donald Trump selbst hatte in dieser Woche von einem ominösen Telefonat berichtet. Danach hätten sich chinesische Unterhändler in Washington nach einer Wiederaufnahme der Verhandlungen erkundigt. China freilich weiß von einem solchen Telefonat nichts, wie man umgehend erklärte. Die Informationslage bleibt für uns als Börsianer also unbefriedigend.

Fazit: Ich rate weiterhin zur Vorsicht. Noch hat sich der Nebel nicht verzogen. Im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt ist derzeit viel möglich: von einer raschen Entspannung bis hin zu einer weiteren Eskalation. Auch der Brexit zieht sich wieder einmal wie ein Kaugummi. So planen Teile des britischen Unterhauses offenbar die Entmachtung ihres Premiers Boris Johnson. Eine solche Maßnahme würde im Erfolgsfall zu einer erneuten Verschiebung des Brexit-Termins (31. Oktober) führen.

Encavis startet fulminant in das Trenddepot

Am vergangenen Freitag (23. August) habe ich die Aktie der Encavis exakt zum empfohlenen Limit in Höhe von 7,65 Euro in das Trenddepot eingebucht. Dieses Limit wurde nach Versendung der Hauptausgabe im Verlauf des Tages mehrfach erreicht.

In dieser Woche legte die Klima-Aktie gleich fulminant zu und verteuerte sich unter dem Strich um rund 10 %. Zuvor hatte die Encavis-Führung die Prognose für das laufende Jahr spürbar angehoben. Starker Sonnenschein und ein hohes Windaufkommen sorgten zuletzt für eine bessere Stromausbeute. So erwartet man nun einen Jahresumsatz in Höhe von 270 Millionen statt wie zuvor von 249 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) soll rund 218 Millionen Euro betragen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Gewinnsprung von 17 %.

Die Aktie treibt bereits seit Jahresanfang mächtig auf und gehört mit einem Kursplus von 44 % in diesem Zeitraum mit zu den besten Aktien des deutschen Kurszettels. Dabei profitiert der Titel in besonderem Maße von der anhaltenden Diskussion um das Weltklima. Aber auch die harten Zahlen stimmen. So hat man die Geschäftsprognose nun binnen von nur 4 Monaten bereits zweimal angehoben.

Ich empfehle die starke Klima-Aktie unverändert zum Kauf und hebe das Kauflimit von 7,65 Euro auf 8,15 Euro an. Die kommende Woche dürfte für die Encavis-Aktie eine Zwischenkorrektur bringen. Hier wird sich also für Sie, sofern Sie bisher noch nicht investiert sind, nochmals ein Kauffenster öffnen.

Isra Vision überzeugt – Short-Attacke erfolgreich abgewiesen

Heute Morgen meldete der Spezialmaschinenbauer Isra Vision starke 9-Monatszahlen. Das Unternehmen mit Sitz in Darmstadt steigerte den Umsatz um 8 % auf 111 Millionen Euro. Das Vorsteuerergebnis kletterte um 19 % auf knapp 25 Millionen Euro. Die Zahlen zeigen, dass das Unternehmen im laufenden Jahr nicht unbedingt mehr Anlagen als im Vorjahreszeitraum verkauft hat. Allerdings konnte man offensichtlich die Preise pro verkaufter Einheit spürbar erhöhen. Deshalb legte der Gewinn signifikant stärker als der Umsatz zu.

Unterdessen wurde bekannt, dass Isra Vision den Schweizer Konkurrenten Photonfocus übernommen hat. Die Schweizer sind spezialisiert auf intelligente sensor-gestützte Produktionsprozesse (Industrie 4.0) und dürften im vergangenen Jahr einen Umsatz zwischen 8 Millionen und 9 Millionen Euro erzielt haben. Der Kaufpreis soll auch ungefähr in dieser Größenordnung liegen. Damit hätte Isra sehr geschickt verhandelt. Denn üblicherweise wird in der Branche der drei- oder vierfache Jahresumsatz als Kaufpreis aufgerufen.

Heute startet die Aktie eine mächtige Erholungsrally und legt momentan fast 7 % zu. Im August war der Titel teils unter massiven Verkaufsdruck geraten, nachdem ein Hedgefonds namens Otus Capital Ende Juli einige Short-Positionen in der Aktie aufgebaut hatte. Die Männer und Frauen von Otus dürften auf ihre Kosten gekommen sein und werden nun – nach den starken Zahlen – das Feld wieder räumen.

Chartanalyse: Nach Bekanntgabe der starken Geschäftszahlen drehte die Aktie bei rund 30 Euro wieder nach oben. In diesem Bereich befindet sich eine vergleichsweise starke untere Haltelinie, die ich im Chart grün eingezeichnet habe. Ich erwarte, dass diese Unterstützung auch in einem ungünstigen Marktumfeld halten wird.

Nach der übertriebenen August-Korrektur bietet sich der deutsche Nebenwert nun wieder zum Kauf an, sofern Sie hier noch nicht engagiert sind. Gehen Sie dabei allerdings vorsichtig vor und geben Sie ein tiefes Abstauberlimit bei 31,00 Euro in den Markt. Sie handeln die Aktie jederzeit auf Xetra oder Tradegate.

Facebook freut sich auf konfrontativen US-Wahlkampf

Anfang November 2020 werden die US-Amerikaner zu den Wahlurnen gerufen, um einen neuen Präsidenten zu wählen bzw. den aktuellen im Amt zu bestätigen. US-Wahlkämpfe lassen üblicherweise die Kassen bei Facebook klingeln. Die Ausgaben der Kandidaten bzw. ihrer Parteien für den Wahlkampf sind immens.

Hierzu einige Zahlen: Donald Trump und Hillary Clinton ließen sich ihre Kampagnen 2016 fast 7 Milliarden US-Dollar kosten. Davon flossen allein 4,3 Milliarden US-Dollar ausschließlich in konventionelle und digitale Wahlwerbung. Zum Vergleich: In Deutschland kostete der Bundestagswahlkampf 2013 für die beteiligten Parteien rund 150 Millionen Euro.

Wie Sie sicherlich den Medien regelmäßig entnehmen, ist das politische Klima derzeit in den USA hochgradig aufgeheizt. In einem solchen Umfeld neigen die Parteien, die diversen Lobbyverbände, die Gewerkschaften, Kirchen etc. dazu, als Großspender besonders tief in die Tasche zu greifen, um Ihre Kandidaten optimal zu unterstützen. Gemessen an der Höhe der Wahlkampfkosten wird den USA zweifellos ein neuer Rekordwahlkampf bevorstehen. Ich wäre am Ende nicht überrascht, wenn die reinen Wahlkampfkosten diesmal sogar über die Marke von 5 Milliarden US-Dollar steigen werden.

Es bedarf keiner besonderen Erläuterung, dass Facebook als der führende Werbeverteiler sich ein ganz großes Stück dieses Kuchens sichern wird. Schon jetzt profitiert das Unternehmen vom anlaufenden Vorwahlkampf der Demokraten, die in den kommenden Monaten in einem aufwändigen Verfahren ihren Spitzenkandidaten küren werden.

Wir bleiben zunächst unverändert in der Aktie der Facebook investiert (Halten).

Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval