Lieber Börsianer,

unter dem Strich kamen die wichtigen Aktienmärkte im September erfreulich voran. Der DAX rückte über 5 % vor, während der NASDAQ 100 immerhin noch über 2 % zulegte. Was waren die zentralen Schubfaktoren für den Aktienmarkt?

Zunächst reagierte der Markt auf einen sehr schwachen Vormonat. So hatte der DAX im August zeitweise fast 1.000 Punkte gelassen. Offensichtlich nutzten viele Investoren diesen Rücksetzer, um sich neu am Markt einzudecken. Günstig wirkten zudem die geldpolitischen Maßnahmen der EZB sowie der US-Notenbank. Die EZB startet nun wieder ein neues Anleihenkaufprogramm und sorgt somit dafür, dass die Euro-Zinsen ultra-niedrig bleiben. Die US-Währungshüter senkten gleich den Leitzins um einen Viertelpunkt (Spanne: 1,75 – 2 %).

Damit gilt: Der Rentenmarkt ist derzeit „töter“ als tot. Wer Geld anlegen möchte, muss ergo in den Aktienmarkt gehen.

Mitte des Monats wackelten die Aktienmärkte kurz, als mehrere Drohnen und Marschflugkörper saudische Ölanlagen nahe des Persischen Golfes trafen. Per saldo gingen die Investoren mit dem Ereignis recht sachlich um. So verlor der DAX am ersten Handelstag nach den Anschlägen lediglich knapp 1 %. Eine völlig normale Tagesschwankung!

Unterdessen hat sich die Große Koalition in Berlin auf das sogenannte Klimaschutzprogramm geeinigt. Zentraler Bestandteil der Maßnahme: Neben den europäischen CO2-Emissionshandel wird ein rein nationales System gestellt, das ab 2021 die Tonne CO2 – gestreckt über mehrere Jahre – um bis zu 60 Euro verteuern wird. Zur Information: Derzeit kostet ein Tonne im europäischen Rechtehandel knapp 30 Euro.


Klima-Aktien gehen steil nach oben – Encavis legt über 8 % zu

In der Folge gingen die Klima-Aktien steil nach oben. Encavis verteuerte sich auf Monatssicht um 8,4 %, während die Post-Aktie um 4 % vorrückte. Daneben waren etwa die Aktien von Nordex oder SMA Solar gefragt. Hier bildet sich also zunehmend ein klarer Trend aus, von dem die gesamte Branche von den Erzeugern bis zu den Dienstleistern profitiert.

Derzeit produziert Encavis den Öko-Strom ohnehin schon zu weitgehend markt-fähigen Preisen. Die politischen Maßnahmen – also der europäische und zusätzlich demnächst der deutsche Co2-Rechtehandel – verschafft dem kleinen Stromproduzenten nun einen ganz erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber der konventionellen Konkurrenz wie etwa RWE.

Das Klimapaket begünstigt indirekt auch die Deutsche Post und wertet die Tochter Streetscooter erheblich auf. Das Unternehmen wird sich bekanntlich mittelfristig zum führenden grünen Logistiker entwickeln. Damit ist die Deutsche Post gut vorbereitet auf die Maßnahmen, die die deutsche Regierung ab 2021 schrittweise ins Werk setzen wird.

Wir haben gut gearbeitet und uns durch den Kauf der Post- und Encavis-Aktien, rechtzeitig auf die anlaufende Klimawende vorbereitet. Sind Sie bisher im Segment der Klima-Aktien noch nicht aktiv geworden? Meine Empfehlung: Die Deutsche Post bleibt unverändert ein Kauf. Bei Encavis lauern Sie auf eine Kursdelle und steigen dann ab 8,15 Euro oder billiger ein.


Isra Vision meldet neuen Großauftrag aus China

Isra Vision wird die Produktionsstraße eines chinesischen Herstellers von Solarzellen mit einem komplexen Steuerungs- und Inspektionssystem für Oberflächen ausstatten. Dabei wird das Multi-System die absolute Dichtigkeit der Zellen-Oberflächen kontrollieren. Das ist ein unabdingbares Produktmerkmal jeder Solarzelle. Dringt hier nämlich im Alltagsbetrieb durch einen Haarriss Wasser ein, kollabiert die Solarzelle rasch.

Das Isra-System wird am Ende aus über 100 einzelnen Inspektionssystemen – also z.B. 3D-Kameras und ultra-genauen Sensoren – bestehen. Neben der Qualitätsssicherung wird das Isra-System auch die Sortierung und Zuführung der Solarzellen leisten. Das kleine Technologie-Unternehmen agiert in der Regel als Vollanbieter. Das heißt, man liefert sowohl die Hardware wie auch die entsprechend angepasste Software. Nach Unternehmensangaben liegt das Auftragsvolumen bei rund 3 Millionen Euro.

Das Unternehmen ist auf Kurs. Wir bleiben gerne investiert.


Leserservice: Eine Alternative zum Vontobel-KI-Zertifikat

Zuletzt haben mir einige Leser des RENDITE TELEGRAMM geschrieben, dass ihre Depotbank das von mir ausgewählte Vontobel-Zertifikat auf Künstliche Intelligenz nicht zum Kauf anbietet. So verweist etwa die Onvista Bank auf ein US-Steuergesetz, das die Software der Bank offenbar nicht verarbeiten kann. Sind Sie von diesem Problem ebenfalls betroffen?

Dann setzen Sie ersatzweise auf den Amundi Stoxx Global Artificial Intelligence ETF (WKN: A2JSC9). Zu den wichtigsten Mitgliedern des Stoxx-Global-Index zählen derzeit etwa Facebook, Nvidia, Alphabet oder Intel. Betreuer dieses ETFs ist der Vermögensverwalter Amundi, der gemeinsam von den französischen Großbanken Crédit Agricole und Société Générale kontrolliert wird. Die laufenden Kosten des Fonds liegen gegenwärtig bei 0,35 % pro Jahr.

Ein Hinweis: Berichte ich künftig über das Vontobel-Zertifikat, dann ordnen Sie im Geiste einfach diese Nachrichten dieser Position zu. Beide Vehikel investieren im gleichen Markt und werden langfristig auch ungefähr gleich erfolgreich abschneiden.

Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval