Lieber Börsianer,

der Oktober macht seinem Ruf als Angstmonat der Börsianer wieder einmal alle Ehre. Quasi pünktlich zum Monatsauftakt drehten die Aktienmärkte nach unten ab. Bis dato hat der DAX zur Woche bereits rund 2,5 % abgeben, während die US-Indizes NASDAQ 100 und S&P 500 sogar über 3 % verloren. Was ist der Auslöser der Korrektur?

Die Stimmung in der US-Industrie ist ziemlich schlecht. Offenbar wirkt sich nun der anhaltende Handelskrieg zwischen Peking und Washington in der Realwirtschaft aus. So ging der US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (ISM-Index) von 49,10 auf 47,8 Zähler zurück. Zur Information: Ein Wert unter 50 signalisiert eine Schrumpfung der Produktion bzw. der Volkswirtschaft.

Daneben lahmte im September der US-Automarkt. Vor allem die Massenhersteller aus Japan und Deutschland mussten teils prozentual zweistellige Absatzrückgänge verkraften. Lediglich das Premium-Segment zieht noch. So meldete etwa Porsche ein Absatzwachstum von etwas über 2 %. Kurzum: In den USA „riecht“ es nach einer spürbaren Wachstumspause.


Handelskrieg wird global: USA greifen EU-Exporteure an

Wenig hilfreich wirkt zudem, dass sich offenbar nun auch ein veritabler Handelskonflikt zwischen den USA und den Ländern der EU anbahnt. Zuvor hatte ein Schiedsgericht der Welthandelsorganisation (WTO) festgestellt, dass sowohl die USA als auch die EU jahrelang den eigenen Flugzeugbau wettbewerbswidrig subventioniert hatten. Offenbar hat man vor allem den Export von Boeing bzw. Airbus mit diversen Vergünstigungen angekurbelt. Nun dürfen gemäß WTO-Reglement beide Seiten Sonderzölle verhängen, um die staatlichen Subventionen der jeweils anderen Seite auszugleichen.

Die US-Administration hatte sich offenbar gut vorbereitet: So hat man unzählige europäische Exportprodukte in insgesamt 15 Sektionen unterteilt. Je nach Sektion sollen noch im Oktober Sonderzölle zwischen 10 und 25 % in Kraft treten. Im Fokus der US-Maßnahmen stehen vor allem die Länder des Airbus-Konsortiums, also Frankreich, Spanien, Großbritannien und Deutschland.

Für Deutschland ist besonders – aber nicht ausschließlich – die Sektion 3 von Bedeutung. Danach werden nun Handwerkzeuge, gerösteter Kaffee, Kameralinsen oder etwa Messer – sofern die Klinge nicht fixiert ist – mit einem Sonderzoll in Höhe von 25 % belegt.

Es ist bemerkenswert, mit welcher Liebe zum Detail die US-Verwaltung diese Listen zusammengestellt hat. Das zeigt mir, die US-Maßnahmen sind von langer Hand vorbereitet worden und sind definitiv kein spontaner Schnellschuss. So müssen wir zunächst davon ausgehen, dass die US-Sonderzölle erst einmal bleiben werden. Derweil erwägt die EU nun entsprechende Vergeltungsmaßnahmen.


Absichrung auf den S&P 500 ist jetzt Gold wert für uns

Die Positionen des Trenddepots konnten sich von den schwachen Vorgaben des Gesamtmarktes nur eingeschränkt abkoppeln. So verloren die Aktienpositionen im Vergleich zur Vorwoche im Schnitt deutlich über 2 %. Lediglich die Encavis-Aktie überzeugte und konnte ihre Gewinne der Vorwochen verteidigen. Der Zusammenhang ist klar: Der aufziehende Handelskonflikt zwischen den USA und der EU berührt das Geschäftsmodell der Encavis nicht.

Im Kern hatte ich die Korrektur des Marktes erwartet, ja eigentlich sogar schon im September. Deshalb hatten wir rechtzeitig eine Short-Position zur Absicherung (xTrackers S&P 500 2x Inverse) gekauft. Diese Absicherung hat nun erstmals gegriffen und hat uns in dieser Woche einen sog. Kompensationsgewinn von knapp 5 % beschert. Mit anderen Worten: Der Short mildert nun die Verluste in den Aktienpositionen.

Werfen wir nun einen kurzen Blick auf die technische Verfassung des S&P 500. Wie Sie wissen, ist die Entwicklung dieses US-Indizes relevant für unsere Short-Position.

Zunächst erkennen Sie hier unschwer, dass der US-Aktienmarkt immer noch nahe seines Rekordstandes notiert. Mit anderen Worten: Noch ist die Korrektur nicht besonders umfassend. Ich sehe nun zwei Szenarien: Optimistisch betrachtet wird sich der S&P 500 in der Zone zwischen 2.800 und 2.600 Punkten – hier grün markiert – stabilisieren. Das pessimistische Szenario: Danach läuft der US-Markt bis rund 2.400 Punkte zurück. Die entsprechende Widerstandslinie habe ich im Chartbild blau eingefärbt.

Mein Fazit: Der Oktober wird möglicherweise eher unangenehm für uns. Dennoch erleben wir gegenwärtig keine strukturelle Börsenkrise wie etwa 2008, sondern eine völlig gesunde und angemessene Korrektur. Nachdem besonders die US-Aktienmärkte in den vergangenen 10 Jahre fast nur aufwärtsstrebten, ist ein Rücksetzer zwischen 10 bis 20 % – gerechnet auf das Rekordhoch – nur normal. Letztlich sind es immer diese Korrekturen, die den Weg freimachen für den nächsten Haussezyklus.

Ich rate Ihnen zunächst, an dem xTrackers-Papier festzuhalten. Die Depotabsicherung ist weiterhin sinnvoll. Ein wichtiger Hinweis: Achten Sie in den kommenden Tagen bzw. Wochen auch auf eventuelle Eilmeldungen des RENDITE TELEGRAMM. Diese Eilmeldungen schicke ich Ihnen immer dann zu, wenn wir einmal besonders schnell und flexibel am Markt handeln müssen. Möglicherweise werde ich den Verkauf der Short-Position im Rahmen einer Eilmeldung empfehlen.


Isra Vision meldet neuen Großauftrag aus China

Isra Vision wird die Produktionsstraße eines chinesischen Herstellers von Solarzellen mit einem komplexen Steuerungs- und Inspektionssystem für Oberflächen ausstatten. Dabei wird das Multi-System die absolute Dichtigkeit der Zellen-Oberflächen kontrollieren. Das ist ein unabdingbares Produktmerkmal jeder Solarzelle. Dringt hier nämlich im Alltagsbetrieb durch einen Haarriss Wasser ein, kollabiert die Solarzelle rasch.

Das Isra-System wird am Ende aus über 100 einzelnen Inspektionssystemen – also z.B. 3D-Kameras und ultra-genauen Sensoren – bestehen. Neben der Qualitätsssicherung wird das Isra-System auch die Sortierung und Zuführung der Solarzellen leisten. Das kleine Technologie-Unternehmen agiert in der Regel als Vollanbieter. Das heißt, man liefert sowohl die Hardware wie auch die entsprechend angepasste Software. Nach Unternehmensangaben liegt das Auftragsvolumen bei rund 3 Millionen Euro.

Das Unternehmen ist auf Kurs. Wir bleiben gerne investiert.


Wir trennen uns vorübergehend von AMD

Kurzfristig möchte ich aufgrund der schwachen Marktlage noch etwas Risiko aus dem Trenddepot nehmen. Deshalb veräußere ich nun die Aktie der AMD. Sobald die Korrektur abgeschlossen ist, werde ich den Titel wahrscheinlich wieder zurückkaufen. Ich bin weiterhin von dem Chip-Unternehmen überzeugt.

Unterdessen wurde bekannt, dass AMD im November den neuen Hochleistungs-Chip Ryzen Threadripper auf den Markt bringen wird. Dieser Chip ist besonders interessant für die Liebhaber von Videospielen, die üblicherweise reichlich Rechnerleistung verschlingen. Ebenfalls im November kommt der Konkurrenz-Chip aus dem Hause Intel auf den Markt. Intel wird den sogenannten Cascade-Lake-Chip dabei zu Kampfpreisen knapp unter 1.000 US-Dollar anbieten. Der Threadripper dürfte bei besseren Leistungsdaten diesen Preis nochmals leicht unterbieten. Also: AMD bleibt im Vergleich zu Intel weiterhin in der Offensive.

Verkaufen Sie die Aktie der AMD ohne Limit entweder direkt an der Börse New York oder hierzulande über Xetra. Geben Sie die Verkaufsorder auf Xetra bitte nach 15.30 Uhr (MEZ) in den Markt! Dann eröffnen die US-Börsen. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass der Verkauf auch in Deutschland zu fairen Kursen bei hohem Handelsvolumen abgewickelt werden kann.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende! Von mir lesen Sie planmäßig wieder am nächsten Freitag (11. Oktober).

Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval