Lieber Börsianer,

in dieser Woche präsentierten sich vor allem die europäischen Aktienmärkte sehr stabil. Der EuroStoxx 50 rückte über 2 % voran, während der DAX sogar ein Plus von über 3 % schaffte. Generell waren die Aktien aus typischen Export-Standorten wie Deutschland, Schweiz oder Schweden gefragt. Was sind die Hintergründe?

Derzeit hält sich der chinesische Vizeministerpräsident Liu He in Washington auf, um die zuletzt versandeten Handelsgespräche zwischen China und den USA wieder in Gang zu bringen. Dabei halten sich hartnäckig Gerüchte, dass der Chinese noch heute sogar mit dem US-Präsident Donald Trump direkt sprechen wird. Das ist ein Indiz dafür, dass sich beide Seiten tatsächlich wieder annähern.

Ein großer Durchbruch ist natürlich zunächst nicht zu erwarten. Die entscheidende Nachricht ist aber, dass beide Seiten wieder miteinander sprechen, und dass sogar auf hoher Ebene. Das freut die Investoren weltweit. Deshalb rückten auch die Aktien im Reich der Mitte im Durchschnitt über 2 % voran.

Die US-Aktienmärkte zogen hingegen in dieser Woche nicht so richtig, sondern pendelten ziellos um die Null-Linie. Im August und September freilich hatten US-Aktien deutlich besser abgeschnitten als europäische Dividendentitel. Diese Lücke hat der DAX nun geschlossen. Daneben wirkt die anhaltende innenpolitische Diskussion um Donald Trump belastend. Wie Sie sicherlich der Medienberichterstattung entnommen haben, strengen die Demokraten in den USA gegenwärtig ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Donald Trump an. Das sorgte zuletzt am US-Markt für kleine Unsicherheiten.

Derzeit gehe ich allerdings nicht davon aus, dass das Impeachment-Verfahren erfolgreich sein wird. Hierfür fehlt vor allem im US-Senat die Mehrheit. Insgesamt dürfte sich die Börsenrelevanz dieses Verfahrens in engen Grenzen halten.


SAP vermeldet nahezu perfekte Quartalszahlen

Unterdessen hat das Software-Unternehmen SAP Geschäftszahlen aus dem vergangenen Quartal gemeldet. Und diese Zahlen sorgten unter den Investoren für einen veritablen Euphorieschub. Der deutsche Software-Gigant steigerte den Umsatz zum Vorjahreszeitraum um 13 %. Der Nettogewinn wuchs sogar um 30 % auf fast 1,3 Milliarden Euro. In der Folge legt die Aktie heute um über 7 % und sorgt damit wesentlich für einen sehr erfreulichen Wochenausklang in Europa. Zur Information: SAP ist nicht nur der schwerste DAX-Wert, sondern auch dass mit Abstand wichtigste Software-Unternehmen Europas. Wenn ein solches Unternehmen überzeugt, zieht regelmäßig gleich der Gesamtmarkt mit in die Höhe.

Einziger Wermutstropfen: Bill McDermot, der das Unternehmen als Vorstandsvorsitzenden in den vergangenen 10 Jahren so erfolgreich geprägt hat, steigt überraschend aus seinem laufenden Vertrag aus. Der Top-Manager aus den USA sucht offenbar eine neue berufliche Herausforderung.


Encavis-Aktie legt weiter spürbar zu

Im Trenddepot überzeugte einmal mehr die Klima-Aktie der Encavis. Ohne Nachrichten legte der Titel auf Wochensicht über 5 % zu. In den vergangenen 3 Monaten gewann die Aktie fast 24 % hinzu. Auf Jahressicht steht bald ein Plus von 50 % zu Buche. Keine Frage, Encavis ist derzeit gefragt. Vergleichen Sie hierzu bitte auch den folgenden Chart!

Die Aktie profitiert dabei von einer sehr günstigen Konstellation. Selbstverständlich treibt die Diskussion um den globalen Klimawandel diese Aktie. Gleichzeitig schätzen vor allem konservative Anleger das wenig konjunktur-sensible und sehr berechenbare Geschäftsmodell des Unternehmens. Immer dann, wenn der Aktienmarkt einmal wackelt, deckt man sich gerne mit solchen Aktien ein, die nicht nur eine stabile Kursentwicklung, sondern darüber hinaus auch eine gute Dividendenrendite versprechen. Diese Kombination aus Trend plus Dividende führt naturgemäß zu einer starken Kursentwicklung.

Kurzfristig ist die Aktie nun etwas überkauft, also zu Deutsch etwas zu teuer. Deshalb stufe ich die Encavis-Aktie zunächst von Kaufen auf Halten herab. Bei der nächsten Kursdelle werde ich die Klima-Aktie allerdings wieder zum Kauf empfehlen.


Twillio definiert neue Standars für Unternehmenskommunikation

Der US-Marktforscher IDC hat im Rahmen einer Studie (IDC MarketScape) festgestellt, dass Twilio in den vergangenen Jahren die führende Plattform für Unternehmenskommunikation entwickelt hat. Ich zitiere aus der Studie: „Twilio definiert das Kommunikationssegment weiterhin neu. Die Vision, Zuverlässigkeit und Tiefe der verschiedenen Kommunikationstools des Unternehmens ist in der Branche unerreicht. Die Fähigkeit von Twilio … die Kosten und die Markteinführungszeit zu senken, bleibt weiterhin ein zentraler Bestandteil des digitalen Transformationsprozesses für Unternehmen.“

Mit anderen Worten: Twilio ist auf bestem Wege in seiner Branche einen neuen Industrie- bzw. Software-Standard zu setzen, nach dem sich künftig die Konkurrenz richten muss. Solche Unternehmen profitieren immer von einer starken Marktposition, die üblicherweise mit besten Gewinnmargen einhergeht.

In der Vergangenheit waren solche Unternehmen z.B. Microsoft (PC-Betriebssysteme) oder Facebook (Social Media). In der Branche für Unternehmens-Software sind zu nennen Oracle (Datenbank-Systeme) oder die zuvor bereits erwähnte SAP (Logistik-Software).

Das Lob für Twilio kommt aus berufenem Mund. IDC ist quasi die Stiftung Warentest für den Unternehmenskunden. Hier informiert man sich als Software-Einkäufer, wenn im Unternehmen ein neues System eingeführt werden soll.

Ich empfehle die Aktie unverändert zu Kursen bis 111 US-Dollar oder umgerechnet 100,50 Euro zum Kauf. An diesen Disruptor-Titel habe ich große Erwartungen.

Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval