Lieber Börsianer,

auch in dieser Woche strebten die Aktienmärkte weiter aufwärts. Der DAX notiert zur Stunde deutlich über 2 % im Plus. Der NASDAQ-100-Index rückte bis gestern um ein knappes Prozent vor. Stark zeigten sich daneben auch die asiatischen Leitindizes wie der japanische Nikkei 225 (+2,4 %) sowie der Hang Seng in Hing Kong (+2 %).

Das sind die Triebfaktoren: Die Investoren setzen darauf, dass Washington und Peking in absehbarer Zeit ihre Handelsstreitigkeiten beilegen werden. So erklärte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums, dass beide Seiten übereingekommen sind, die in den vergangenen Monaten verhängten Sonderzölle stufenweise wieder zurückzunehmen. Allerdings widersprach der Handelsbeauftragte der US-Regierung Peter Navarro dieser Darstellung. Noch ist nichts spruchreif, so der Tenor aus Washington.

Im September mussten Unternehmen, die Waren in die USA einführten, satte 7 Milliarden US-Dollar in Form von Sonderzöllen abdrücken. Erwartungsgemäß belastete dies das Wachstum der US-Volkswirtschaft. So sank das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im vergangenen Quartal erstmals seit Langem wieder unter die Marke von 2 %. Es ist offensichtlich: Sollten die Sonderzölle wieder abgeschafft werden, setzt das sofort neue Impulse für den Markt frei.

Im Hintergrund wirkt zudem günstig, dass die US-Notenbank jüngst nochmals den Leitzins (Fed Fund Rate) um einen Viertelpunkt senkte. Insgesamt haben die US-Währungshüter den Zins im laufenden Jahr nun schon dreimal gesenkt. Im Markt ist durchaus die Phantasie, dass die Fed auch im kommenden Jahr nochmals die Zügel der Geldpolitik lockert.

Kurzfristig gilt also: Es ist alles bereitet für eine anständige Jahresendrally. Inzwischen kursieren sogar schon Prognosen, dass der DAX noch vor Weihnachten sein altes Rekordhoch bei rund 13.500 Punkten zurückerobern wird.

Vor diesem Hintergrund rückte auch das Trenddepot in großer Breite vor. Besonders erfreulich entwickelten sich auf Wochensicht das Vontobel-Zertifikat auf Künstliche Intelligenz sowie die Kratos-Aktie. Beide Positionen gewannen fast 5 % hinzu. Lediglich die Encavis-Aktie nimmt sich derzeit eine Verschnaufpause und büßte rund 1,4 % ein.


Kratos meldet überzeugende Quartalszahlen – Drohnen-Geschäft wächst stark

Im Vorfeld der Bekanntgabe der Quartalszahlen verließ die Investoren erst einmal der Mut. So sackte die Aktie zunächst um rund 10 % ab. Nachbörslich sprang der Titel wieder an, nachdem offensichtlich war, dass das Unternehmen im abgelaufenen Quartal geliefert hat.

Man steigerte den Umsatz um 15 % auf 184 Millionen US-Dollar und erfüllte damit die Markterwartungen praktisch punktgenau. Wachstumstreiber im Unternehmen war dabei vor allem die Geschäftseinheit „Unmanned Systems“ (Drohnen und Satelliten). Hier verbuchte man einen Umsatz von fast 46 Millionen US-Dollar. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahresquartal einem Umsatzschub in Höhe von über 37 %.

Unverändert erwarten die Investoren große Dinge von der neu entwickelten Valkyrie-Drohne. Der Flugkörper gilt in Militärkreisen als relativ günstig und lässt sich einfach in einem Standard-Container zu Schiff transportieren. Derzeit testet die US-Luftwaffe diese Drohne. Im Oktober kam es beim 3. Testflug zu einem Zwischenfall, als Valkyrie durch starke Oberflächenwinde leicht beschädigt wurde. Aufgrund des Vorfalls wird es sehr wahrscheinlich zu einer verzögerten Auslieferung bzw. Inbetriebnahme der Drohne kommen. Trotzdem: Sobald Valkyrie stabil fliegt, wird die Aktie der Kratos nochmals anziehen.

Operativ erwirtschaftete Kratos einen Gewinn in Höhe von 9 US-Cent je Aktie und übertraf damit die Analystenschätzungen deutlich. Unter Berücksichtigung von Einmaleffekten erwirtschaftete das kleine US-Unternehmen einen Gewinn in Höhe von 2 US-Cent pro Aktie.

Chartkommentar: Die Aktie hat in den vergangenen Tagen und Wochen bei rund 17,50 US-Dollar eine recht solide untere Unterstützung ausgebildet, die ich im Chart grün eingezeichnet habe. Daraus lässt sich nun seriös ein Stop-Loss-Limit ableiten, das ich nun 6 % unterhalb der Unterstützung bei 16,45 US-Dollar platziere.

Auch künftig müssen wir rund um die Bekanntgabe der Quartalszahlen mit hohen Kursschwankungen rechnen. Gleichwohl zeigen die aktuellen Quartalszahlen, dass das Unternehmen auf Kurs ist. Ich bestätige meine Empfehlung (Kauflimit: 19,55 USD) für die Aktie der Kratos Defense.

Facebook liefert stabil und hält an politischer Werbung fest

Facebook hat im abgelaufenen Quartal einen Umsatz in Höhe von 17,7 Milliarden US-Dollar erzielt. Davon blieben 6,1 Milliarden US-Dollar als Gewinn in den Kassen des Internet-Unternehmens hängen. Das entspricht einem Gewinn von 2,12 US-Dollar je Aktie. Damit meldete Facebook einen Gewinnsprung in Höhe von 20 %. Ursächlich für den schönen Gewinnsprung war vor allem ein verbesserter Umsatz pro Nutzer. Insgesamt gaben die Facebook-Nutzer pro Kopf im vergangenen Quartal 7,26 US-Dollar aus und damit 19 % mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Gleichwohl zeigt ein vertiefter Blick in das Zahlenwerk, dass das stürmische Wachstum der Vergangenheit nicht mehr zu halten ist. So nahm der Umsatz in den letzten 9 Monaten nur noch um 4,4 % zu. Zudem leidet das Unternehmen derweil unter einer gewissen Marktsättigung. So nutzen derweil bereits 2,45 Milliarden Menschen die Facebook-Anwendung.

Zur Verdeutlichung: Derzeit leben etwas über 7,7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Ein Teil der Weltbevölkerung kann allerdings nie Facebook-Nutzer werden, sei es weil sie zu jung sind, nicht lesen können oder über keinen Internetzugang verfügen. Ferner kann Facebook das enorme Kundenpotenzial Chinas nicht heben, da die Anwendung dort durch die Regierung seit 2009 nahezu flächendeckend blockiert wird (Ausnahme: Hong Kong und Macao). Fazit: Das in der Vergangenheit so wichtige Neukundengeschäft wird in den nächsten Jahren allmählich einschlafen. Zuletzt schaffte Facebook hier noch ein Wachstum – je nach Zählweise – zwischen 8 und 9 %.

Im kommenden Jahr freilich wird Facebook erheblich von dem anlaufenden Wahlkampf um die US-Präsidentschaft profitieren. Zur Information: Bereits 2016 gaben die beiden Kandidaten bzw. ihre Parteien 7 Milliarden US-Dollar für den Wahlkampf aus. Dabei entfiel rund ein Drittel allein auf konventionelle und digitale Wahlwerbung. Ein erheblicher Anteil dieser enormen Aufwendungen wird in den Facebook-Kassen landen.

Zumal Konkurrent Twitter jüngst erklärt hat, künftig keine bezahlte politische Werbung mehr zu verbreiten. Facebook-Gründer Zuckerberg hingegen hat jüngst vor dem US-Repräsentantenhaus erklärt, auch weiterhin bezahlte Werbung für die Parteien und ihre Kandidaten zu verbreiten. Lediglich Werbung, deren Auftraggeber nicht ganz offensichtlich ist, wird man künftig ablehnen.

Fazit: Es ist nicht alles perfekt bei Facebook. Trotzdem halten wir an der Aktie zunächst weiterhin fest. Zwar lässt die Wachstumsdynamik im Unternehmen allmählich nach. Insgesamt bietet die Aktie allerdings gewisse defensive Qualitäten und trägt damit zur Stabilisierung unserer Depots bei.


Deutsche Post weiterhin besser als der DAX

Die Aktie der Deutschen Post glänzt bereits seit Monaten mit einer stabilen Wertentwicklung. Auch in dieser Woche rückte die Aktie erneut fast 4 % vor und ließ dabei wieder einmal den DAX hinter sich. Die Post-Aktie schneidet nun schon seit 12 Monaten regelmäßig besser als der Gesamtmarkt ab.

Gleichwohl ist die Aktie gemessen am KGV immer noch vergleichsweise günstig zu haben. Daneben verspricht der Titel auf dem aktuellen Kursniveau eine vernünftige Dividendenrendite in Höhe von 3,6 %. Zum Vergleich: Die US-Standardaktien des S&P 500 kommen gegenwärtig lediglich auf durchschnittliche Dividendenrendite in Höhe von 1,9 %.

Zuletzt half der Aktie auch eine Studie des einflussreichen Marktforschers QYReports aus Hong Kong. Die Analysten bestätigen das der Markt für Paket-Logistik unverändert sehr robust wächst. Auch im kommenden Jahr soll sich dieser Trend fortsetzen, so die Studie.


Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval