Lieber Börsianer,

die westlichen Aktienmärkte zeigen sich in dieser Woche stabil, ohne dabei nennenswerte Zugewinne zu schaffen. Unter dem Strich werden der DAX und der NASDAQ 100 die Börsenwoche sehr wahrscheinlich mit kleinen Gewinnen beschließen. Etwas stärker zeigten sich die US-Standardtitel des S&P 500, die im Durchschnitt knapp 1 % zulegen. Hier ragt die Aktie der Rockwell Automation heraus, die wir im Trenddepot halten. Nach starken Quartalszahlen legte der US-Titel rund 11 % zu. Dazu später mehr.

Gegen den Trend sehr schwach tendiert hingegen der Hongkonger Aktienmarkt. Der maßgebliche Hang-Seng-Index büßt auf Wochensicht bis dato fast 5 % ein. Die politischen Spannungen haben sich in den letzten Tagen dort erheblich verschärft. Die Aktivisten der jungen Demokratiebewegung haben unter anderem die Universitäten der Stadt besetzt. Die Schulen blieben zeitweise geschlossen. Unterdessen richten sich die teils gewaltsamen Proteste auch zunehmend gegen viele Unternehmen vor Ort, denen man eine gewisse Nähe zur Pekinger Führung nachsagt.

Können die Ereignisse die Aktienmärkte negativ beeinflussen? Die Proteste sind ein regionales Phänomen und haben zuletzt die Performance des Hang Seng spürbar gebremst. Eine unmittelbare Gefahr etwa für den US- oder die europäischen Aktienmärkte sehe ich jedoch nicht.


Trenddepot baut Gewinne weiter aus

Die Positionen des Trenddepots haben sich in dieser Woche mehrheitlich besser als der Gesamtmarkt entwickelt. Wie bereits angedeutet überzeugte vor allem die Rockwell-Aktie, die ganz wesentlich zur positiven Depotperformance beitrug. Daneben zeigte sich die Post-Aktie mit einem Zugewinn von rund 4 % sehr robust. Lediglich Kratos schwächelte und verlor auf Wochensicht rund 0,6 %.

Meine Planungen: In der kommenden Woche werden wir voraussichtlich eine erste Position in der Autobranche einnehmen. Derzeit präsentieren sich die Aktien der großen deutschen Autobauer bretthart und gehören seit mehreren Monaten immer zu den Top-Performern des DAX. Daneben vergeht kaum eine Woche, wo nicht die Aktie irgendeines Zulieferers steil geht. Zuletzt etwa Infineon oder Schaeffler. Derzeit wiederum legen Stabilus und Aumann mächtig zu. Kurzum: Hier kündigt sich für die gebeutelte Branche eine veritable Erholungsrally an. Das werden wir uns nicht entgehen lassen.

Quartalszahlen: Rockwell übertrifft Erwartungen und hebt Prognose an

Im abgelaufenen Quartal hat Rockwell Automation zwar nur einen Minigewinn in Höhe von 8,1 Millionen US-Dollar oder 7 US-Cent je Aktie geschafft. Das Zahlenwerk ist allerdings von einem Einmaleffekt verzerrt. So kaufte sich das US-Unternehmen im vergangenen Jahr für rund 1 Milliarde US-Dollar beim Software-Unternehmen PTC Inc ein. Diese Einmalaufwendung wurde nun im letzten Quartal verbucht.

Rechnet man diesen Einmaleffekt heraus, hat Rockwell einen bereinigten Gewinn in Höhe von 2,01 US-Dollar je Aktie erwirtschaftet. Damit hat man die Analystenerwartungen um 5 % übertroffen. Auch beim Umsatz liegt man über den Markterwartungen. Vor diesem Hintergrund hat der Spezialist für Industrie-Automatisierung die Gewinnprognose für 2020 angehoben. Man erwartet nun einen Gewinn in der Spanne zwischen 8,48 und 8,88 US-Dollar je Aktie. Zuvor hatten die Analysten im Schnitt einen Gewinn je Aktie in Höhe von 8,48 US-Dollar erwartet. Zu Deutsch: Rockwell wird sehr wahrscheinlich auch im kommenden Jahr stärker abschneiden als bisher erwartet.

Einige Hintergrund-Infos zur PTC-Transaktion: PTC gehört weltweit zu den wichtigeren Programmierern für komplexe Industrie-4.0-Anwendungen. Bislang arbeitete das Software-Unternehmen quasi als „Hof-Programmierer“ für General Electric. Das wird man künftig nicht mehr tun, sondern stattdessen umfassend mit Rockwell kooperieren. Klugerweise hat Rockwell die neue Partnerschaft gleich mit einer strategischen Minderheitsbeteiligung abgesichert.

Nach der starken Kursrally hat die Aktie im November nun eine sogenannte Fahnenstange ausgebildet. Vergleichen Sie hierzu bitte auch den folgenden Chart! Diese Fahnenstange ist ein Indiz dafür, dass der Titel kurzfristig überkauft ist. Deshalb stufe ich die Aktie zunächst von Kaufen auf Halten herab.


Deutsche Post profitiert im Online-Geschäft und baut Kapazitäten massiv aus

Die Deutsche Post profitiert unverändert vom anhaltenden Online-Boom. Im abgelaufenen Quartal weitete der gelbe Riese den Umsatz um 4,7 % auf 15,6 Milliarden Euro aus. Der operative Gewinn (EBIT) stieg von 376 Millionen auf 942 Millionen Euro. Das Vorjahresquartal war allerdings durch einen Einmaleffekt in Höhe von 400 Millionen Euro belastet. Bereinigt um diesen Effekt hat die Post den Gewinn also um 21 % gesteigert. Das ist ganz beachtlich.

Inzwischen bereitet sich das Bonner Unternehmen auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft vor. Hier wird man an Spitzentagen hierzulande bis zu 11 Millionen Paketsendungen pro Tag befördern. Zum Vergleich: Im Rest des Jahres verarbeitet das Unternehmen rund 5 Millionen Pakete pro Tag. Angeblich rekrutiert die Deutsche Post derweil 10.000 Mitarbeiter bei diversen Zeitarbeitsfirmen, damit in den Weihnachtstagen kein Paket liegen bleibt. Kein anderes Logistik-Unternehmen (inklusive Amazon) profitiert hierzulande derartig vom Weihnachtsgeschäft wie die Deutsche Post.

In diesen Tag startet zudem das neue hochmoderne Paketzentrum in Bochum den Testbetrieb. Hier wird man dann auf 40.000 Quadratmetern bis zu 50.000 Pakete pro Stunde (!) sortieren und umladen. Ganz offensichtlich sieht das Bonner Unternehmen optimistisch in die Zukunft.

Unter dem Strich erwartet die Unternehmensführung, dass man im laufenden Jahr einen operativen Gewinn deutlich oberhalb der Marke von 4 Milliarden Euro erwirtschaften wird. 2020 soll der Gewinn dann bei rund 5 Milliarden Euro liegen. Vor diesem Hintergrund wird das Unternehmen sehr wahrscheinlich auch die Dividende nochmals anheben. Ich erwarte für das Geschäftsjahr eine Dividende je Aktie in einer Spanne zwischen 1,20 und 1,25 Euro nach zuvor 1,15 Euro.

Ich empfehle die Aktie unverändert zum Kauf und erhöhe das Kauflimit von 33 auf 34 Euro. Holen Sie sich die Aktie unbedingt noch vor dem Weihnachtsgeschäft, sofern Sie bislang noch nicht investiert sind. Dann werden Sie von dem erwartbar guten Nachrichtenfluss des Unternehmens maximal profitieren.


Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval