Lieber Börsianer,

gestern haben die Briten an den Wahlurnen Klarheit geschaffen und den britischen Tories eine historische Mehrheit verschafft. Der Brexit wird also nun „ohne Wenn und Aber“ (Boris Johnson) am 31. Januar 2020 kommen. Die Investoren begrüßen die Auflösung der rund 3-jährigen politischen Hängepartie in London. Natürlich, nur die wenigsten Unternehmer oder Investoren wollten den Brexit. Was man allerdings noch weniger wollte, war Unklarheit und Planungsunsicherheit. Diese Belastungen werden nun vom Markt genommen.

Gleichzeitig stimmte Donald Trump in Washington einem zunächst begrenzten Handelsabkommen mit China zu. Offenbar werden die USA die bisher bestehenden Sonderzölle in Höhe von 15 bis 25 % auf chinesische Einfuhren nun halbieren. Im Gegenzug kaufen die Chinesen Agrargüter und Energie-Rohstoffe in den USA für rund 50 Milliarden US-Dollar. Auch hier gilt: Das ist noch nicht die vollständige Lösung. Aber die Tendenz stimmt und treibt die Börsen.

So kam der DAX auf Wochensicht rund 1,3 % voran, während der technologie-lastige NASDAQ 100 bis gestern knapp 2 % schaffte. Unterdessen fließt derzeit massiv frisches Kapital in den britischen Markt. So rückte der britische Leitindex in dieser Woche um 2 % voran. Daneben hebt das britische Pfund im internationalen Devisenhandel ab. Allein gegen den Euro machte die Briten-Währung seit dem vergangenen August rund 11 %. Für den Währungsmarkt ist das wirklich viel Holz.


Autoaktien gefragt – VW fährt vorneweg

Heute profitieren in besonderem Maße die deutschen Autowerte von der gestrigen Briten-Wahl. Der Zusammenhang ist klar: 20 % der deutschen Autoexporte gehen auf die britischen Inseln. Jedes 3. Auto, das auf britischen Straßen fährt, stammt aus hiesiger Produktion. Deshalb haben die Aktien der VW, BMW und Daimler in den vergangenen 3 Jahren auch besonders unter der Brexit-Problematik gelitten.

Nun besteht die Hoffnung in der Branche, dass ein voll handlungsfähiger britischer Premierminister mit klarem Wählerauftrag in den kommenden Monaten mit Brüssel ein Handelsabkommen bewerkstelligt, dass jeden Zoll oder andere Handelshindernisse vermeidet. Gleichzeitig freuen sich die deutschen Autobauer über den messbaren Fortschritt im US-chinesischen Handelskonflikt. Nur zur Erinnerung: Die US-Produktion der deutschen Autobauer für den chinesischen Markt unterliegt bzw. unterlag ebenfalls den chinesischen Sonderzöllen.

Vor diesem Hintergrund rücken die deutschen Autoaktien heute spürbar vor. Allein die VW-Vorzüge legen fast 4 % zu und führen damit im Moment den DAX als Top-Performer an. Hier wirkt günstig, dass die Autowerte gemessen an ihrem Buchwert derzeit historisch günstig bewertet sind. In einem solchen Umfeld wirkt natürlich jede positive Nachricht gleich doppelt.

Ich bestätige meine Kaufempfehlung (Kauflimit: 185 Euro) für die VW-Aktie. Beachten Sie bitte auch den beigefügten 5-Jahreschart!

Eine sehr spannende Konstellation! Die Aktie ist nun auf eine obere Begrenzung gestoßen, die ich im Chart rot eigezeichnet habe. Kurzfristig wird dieser „Deckel“ den Anstieg der Aktie bremsen. Wird dieser Deckel allerdings gehoben, sehe ich reichlich Platz für weitere Kursanstiege.


Neuer Auftrag: Kratos strebt in den privaten Satellitenmarkt?

Der US-Satellitentechniker Kratos Defense hat in dieser Woche einen Neuauftrag im Volumen von bis zu 39 Millionen US-Dollar gemeldet. Der Auftrag setzt sich zusammen aus einer Basiszahlung im Volumen von 7,7 Millionen US-Dollar. Anschließend kann die Vereinbarung bis zu 4mal für jeweils ein Jahr verlängert werden. Das kleine US-Unternehmen muss sich also bewähren, sofern man das volle Auftragsvolumen abgreifen will.

Im Rahmen dieses Auftrags wird Kratos kommerziell und militärisch genutzte Ortungs-Satelliten überwachen. Dabei wird das Kratos-System jede Abweichung von der Flugbahn oder andere Störungen melden. Jedes Navigationssystem oder etwa der Kartendienst Googlemaps nutzen die Daten dieser Ortungs-Satelliten. Für die Techniker unter Ihnen: Die Satelliten wird Kratos mittels eines hochfrequenten Systems überwachen. Hochfrequente Schallwellen sind für das menschliche Ohr nicht zu hören. Oftmals wird hier auch der Begriff Ultraschall verwendet.

Der Auftrag kann – bei erfolgreicher Bewältigung – für das US-Unternehmen wegweisend sein. Möglicherweise wird dieser Auftrag dem Unternehmen den Weg in die private Satellitentechnik ebnen. Zur Information: Aufträge seitens des Staates sind in der Branche natürlich immer gerne gesehen. Die wirklich tiefen Taschen in der Weltraum-Branchen haben mittlerweile aber Privatunternehmen wie z.B. SpaceX, Virgin Galactic oder Blue Origin. Genau diese tiefen Taschen will Kratos künftig vermehrt leeren.

Die Kratos-Aktie kam in dieser Woche erfreulich voran und gewann rund 7 % hinzu. Wir bleiben weiter investiert (Halten).

Versicherer steigt über Kapitalerhöhung bei Encavis ein

Die Versicherungskammer Bayern wird sich unmittelbar an dem Stromproduzenten Encavis beteiligen. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung wird der Versicherer dabei neue Aktien im Wert von 48 Millionen Euro zeichnen. Generell lieben Versicherer solche Infrastruktur-Investments, da sie für stabile und berechenbare Erträge stehen. Nachdem die Zinsen am Euro-Rentenmarkt in den vergangenen Jahren so stark verfallen sind, setzt man immer mehr auf Vermögenswerte wie eben Kraftwerke, Maut-Autobahnen und dergleichen.

Der Erlös dieser Transaktion – abzüglich einiger Spesen – fließt vollständig dem Stromproduzenten zu. Damit verfügt Encavis nun über frische Mittel im Volumen von 150 Millionen Euro. Der Finanzvorstand des Unternehmens, Christoph Husmann, erwartet, dass man mit diesen Mitteln unter Berücksichtigung verschiedener Fremdkapitalfinanzierungen neue Projekte im Volumen von bis zu 500 Millionen Euro stemmen wird.

Kurzfristig verwässert die Kapitalerhöhung den Gewinn pro Aktie um rund 4 %. Für die Neubörsianer unter Ihnen: Durch die Kapitalerhöhung erhöht sich die Anzahl der Aktie um rund 5,5 Millionen Stücke. Damit verteilt sich künftig der Gewinn des Unternehmens auf 137 Millionen statt zuvor 131,5 Millionen Aktien. Rechnerisch wird sich also der für 2019 erwartete Gewinn je Aktie von 0,42 auf 0,40 Euro ermäßigen.

Solche Effekte wirken allerdings immer nur kurzfristig. Schließlich wird Encavis mit den eingeworbenen Mitteln neue Wind- oder Solaranlagen hochziehen und dadurch den Gewinn bereits mittelfristig wieder steigern.

Wir werden gegenwärtig von Encavis verwöhnt. Fast im Wochentakt meldet die Presseabteilung des norddeutschen Unternehmens beste Nachrichten. Erst zuletzt gab man einen Auftrag seitens des US-Internetgiganten Amazon bekannt.

Folglich legte die Encavis-Aktie in dieser Woche rund 5 % zu und markierte damit ein neues Allzeithoch. Wir bleiben voll investiert (Halten).

Mit Börsianer-Grüßen und beste wünsche für Ihr Advents-Wochenende

Alexander von Parseval