Lieber Börsianer,

packen wir es wieder an! Die Aktienmärkte sind mit positiver Tendenz ins neue Börsenjahr gestartet. Mittlerweile ist es amtlich: Washington und Peking bewegen sich im Handelsstreit aufeinander zu. Am 15. Januar wollen beide Seiten in Washington ein erstes Abkommen unterzeichnen. Dabei soll es allerdings nicht bleiben. Besonders Donald Trump macht gegenwärtig Druck und will im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen das Verhältnis zu Peking nachhaltig entspannen. So hat der US-Präsident bereits angekündigt, nächstens nach Peking zu reisen, um dort den Weg für ein weiteres Abkommen der Phase 2 zu ebnen.

An den internationalen Aktienmärkten kommt die Entspannung im sino-amerikanischen Verhältnis naturgemäß gut an. So liegt der DAX derzeit auf Wochensicht mit 0,6 % in Plus. Auch der NASDAQ 100 dürfte die Woche mit Gewinnen von knapp 1 % beschließen. Von der Annäherung profitierten in besonderem Maße chinesische Aktien, die sich gemessen am breiten Shanghai-Composite-Index um fast 3 % verteuerten. Diese Dynamik half auch unserer neuen Depotposition Baidu. Dazu später mehr.

Der Jahresauftakt hätte durchaus noch besser ausfallen können. Allerdings nahmen in den vergangenen Tagen die Spannungen im Mittleren Oste wieder zu. So attackierten Demonstranten die US-Botschaft in Bagdad. In der Folge verlegten die USA Marinesoldaten von Kuwait in die irakische Hauptstadt. Gleichzeitig kam ein hochrangiger iranischer Militär bei einem US-Luftangriff nahe des Bagdader Flughafens ums Leben. In der Folge schoss der Ölpreis zeitweise in die Höhe. Auf Wochensicht tendierten die wichtigen Ölnotierungen Brent und WTI gleichwohl auf Höhe der Null-Linie.


VW will sich mit deutschen Diesel-Fahrern außergerichtlich einigen

Die Investoren begrüßten die weitere Entspannung im sino-amerikanischen Handelskonflikt. Bekanntlich ist China für den Wolfsburger Autobauer der wichtigste Einzelmarkt. Folglich gewinnt die Aktie jedes Mal dann, wenn uns positive Nachrichten aus China erreichen.

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen, dass der VW-Konzern auf seine Kunden in Deutschland zugehen wird. Derzeit ist eine Sammelklage vor dem Oberlandesgericht Braunschweig anhängig. Hier klagt die Verbraucherzentrale im Namen von rund 400.000 Diesel-Fahrern gegen den Autobauer. Lange war VW nicht bereit die deutsche Kundschaft wie in den USA zu entschädigen. Jetzt denkt man in Wolfsburg um. Bereits im Dezember hatte sich das Unternehmen mit Österreich auf eine Entschädigung geeignet. Dort wurden 2.100 Diesel-Fahrzeuge der VW-Marken im Polizeidienst eingesetzt.

Ich erwarte, dass die VW-Justiziare nun ein vergleichbares Entschädigungs-Modell für die geprellten Kunden des Heimatmarktes anbieten werden. Eine entsprechende außergerichtliche Einigung wird für den Autobauer sicherlich nicht billig. Gleichwohl ist es langfristig für Wolfsburg günstiger, dieses leidige Thema noch in diesem Jahr endgültig abzuräumen.

Heute setzt die Aktie nach Bekanntwerden dieser Nachrichten erst einmal zurück. Dennoch halte ich an meiner Empfehlung für den Autobauer fest. Kaufen Sie zu Kursen bis 185 Euro, sofern Sie hier noch nicht engagiert sind.

Kratos-Aktie profitiert von Unsicherheit im Mittleren Osten

In dieser Woche verbesserte sich die Kratos-Aktie um knapp 3 %. Ursächlich für den Anstieg sind die neuen politischen und militärischen Spannungen im Mittleren Osten. Kratos erwirtschaftet zurzeit noch den Löwenanteil seines Umsatzes mit militärisch genutzter Drohnentechnik. Wichtigster Auftraggeber für Kratos ist das US-Verteidigungsministerium.

Langfristig erwarte ich, dass das Unternehmen seine Kompetenzen verstärkt in der zivilen Raumfahrt einbringen wird. Denn hier warten die wirklich lukrativen Aufträge von Unternehmen wie SpaceX oder etwa Blue Origin. Wir bleiben also weiterhin investiert (Halten).


Künstliche Intelligenz:
Baidu schlägt Google und Microsoft aus dem Feld

Besonders erfreulich entwickelte sich die Aktie des chinesischen Internet-Unternehmens Baidu. Unter dem Strich verteuerte sich die Aktie auf Wochensicht um 6,5 %.

Chartkommentar: Die Aktie hat im Dezember ein Kaufsignal wie aus dem Lehrbuch generiert. Nach der Überwindung des oberen Widerstands bei rund 105 Euro (rote Linie) ist der Weg für weitere Kursgewinne nun frei. Im Bereich zwischen 137 und 150 Euro wird die Aktie dann eine erste Verschnaufpause nehmen.


Verantwortlich für den Kursschub war gleich ein ganzes Bündel guter Nachrichten. Im Hintergrund wirkte die Entspannung im Handelskonflikt günstig. Daneben überzeugte ERNIE. ERNIE ist die künstlich intelligente Anwendung zur Spracherkennung aus dem Hause Baidu. Die führenden KI-Unternehmen dieser Welt messen sich regelmäßig im Rahmen des sog. GLUE-Wettbewerbs (General Language Understanding Evaluation).

Bei diesem Leistungsvergleich hat ERNIE erstmals die entsprechenden Spracherkennungs-Programme von Microsoft und Google übertroffen. Noch besser: Erstmals schaffte mit Baidu ein Unternehmen eine Punktebewertung von über 90. Zur Information: Ab einem Punktestand von 87,1 billigen Wissenschaftler einer Software menschliche Fähigkeiten beim Sprachverständnis zu. Zu Deutsch: ERNIE versteht also ungefähr so viel wie ein mäßig begabter Homo sapiens.

Die im Rahmen des ERNIE-Projektes entwickelten Algorithmen sind von enormer Praxisrelevanz für Baidu. Sie werden etwa in der Baidu-Suchmaschine oder in komplexen Programmen zur Texterkennung und -verarbeitung eingesetzt. Vergleichbare Algorithmen – nicht alle von Baidu – steuern daneben die im Internet zunehmend populären Schreib-Roboter. Dieses Thema ist gerade für uns als Börsianer von Bedeutung, da diese Schreib-Roboter mittlerweile auch einfache Aktien-Analysen verfassen. Mehr dazu lesen Sie nächstens auch in meinem kostenlosen Info-Dienst Börse am Mittag.

Außerdem meldete das chinesische Unternehmen, dass seine autonom fahrenden Roboterautos (Projekt Apollo) demnächst auch in Peking auf ausgesuchten Straßenabschnitten verkehren werden. Insgesamt sollen dort 40 Selbstfahrer in Betrieb genommen werden. Damit ist Baidu das erste Unternehmen der Welt, dem entsprechende Lizenzen für die chinesische Hauptstadt zugesprochen worden sind.

Baidu beweist damit eindrücklich, dass man in den Trendmärkten Künstliche Intelligenz (KI) sowie Autonomes Fahren zu den globalen Technologieführern gehört. Diese Fähigkeiten müssen sich nicht gleich in den nächsten Quartalszahlen auswirken. Aber: Baidu ist ganz offensichtlich für die Zukunft bestens aufgestellt.

Ich bestätige meine Kaufempfehlung für die Baidu-Aktie. Kaufen Sie auf Tradegate oder in Frankfurt zu Kursen bis 125 Euro, sofern Sie noch nicht investiert sind.

Mit besten Wünschen für das Neue Jahr

Alexander von Parseval