Lieber Börsianer,

über die Feiertage sind bei mir viele Kommentare und Anmerkungen zum RENDITE TELEGRAMM eingegangen. Diese habe ich nun entsprechend ausgewertet und mich entschlossen, das RENDITE TELEGRAMM für Sie etwas zu renovieren und aufzufrischen. Seien Sie gespannt auf das NEUE RENDITE TELEGRAMM! Mehr dazu lesen Sie gleich am nächsten Freitag (17. Januar).

Nun zum Markt!

Zu Beginn der Woche war die Stimmung am Aktienmarkt noch spürbar gedrückt. Der DAX sackte plötzlich unter die Marke von 13.000 Punkten ab, nachdem der Iran – nach dem Drohnen-Angriff auf den iranischen General Soleimani – Vergeltung ankündigte und laut mit allen Säbeln rasselte. Inzwischen hat man auch ein rundes Dutzend Raketen auf zwei US-Basen im Irak abgefeuert. Opfer und Sachschäden sind offenbar nicht zu beklagen.

Damit scheint die Situation zumindest vorläufig bereinigt zu sein. Der Iran bewies militärische Handlungsfähigkeit und übte sein Recht auf Selbstverteidigung aus. Donald Trump ist auch zufrieden und sicherte bereits zu, dass die USA auf die jüngsten Raketenangriffe aus dem Iran nicht reagieren werden. An dem Dauerkonflikt zwischen Teheran und Washington hat sich natürlich nichts geändert.

Gleichwohl rechne ich nicht mit dem Ausbruch eines offenen Krieges in der Region. Entsprechend hatte ich mich bereits am vergangenen Montag (6. Januar) in meinem täglichen Info-Dienst Börse am Mittag geäußert. Hier lesen Sie bei Bedarf nochmals nach, warum beide Seiten gegenwärtig keine militärische Auseinandersetzung riskieren werden.

Vor diesem Hintergrund holte sich der DAX verlorenes Terrain wieder rasch zurück und notiert derzeit nur noch unwesentlich unter seinem bisherigen Rekordhoch in Höhe von 13.559 Punkten. Auf Wochensicht legte der deutsche Leitindex über 2 % zu. Der NASDAQ 100 verbesserte sich entsprechend, obwohl dem US-Index aufgrund der Zeitverschiebung im Vergleich zum DAX noch einige Handelsstunden fehlen. Mit anderen Worten: Diese Börsenwoche wird einen starken Ausgang nehmen.


Kratos-Aktie legt nach Drohnen-Angriff sprunghaft zu

Unsere Top-Aktie in dieser Woche war die Aktie der Kratos Defense. Insgesamt verbesserte sich der Titel um rund 9 %. Dabei liegen die Ursachen für den Kursanstieg nicht im Unternehmen selbst, sondern im Mittleren Osten.

So wurde nämlich der iranische Top-Militär im Irak durch eine Rakete zu Tode gebracht, die von einer Drohne des Typs MQ9-Reaper abgeschossen worden ist. Dabei stammt die Reaper-Drohne nicht von Kratos, sondern von dem nicht-börsennotierten US-Unternehmen General Atomics. Das Reaper-Modell wurde allerdings schon zur Jahrtausendwende entwickelt und ist also etwas in die Jahre gekommen.

Und hier kommt nun aus Sicht der Investoren Kratos Defense ins Spiel. Denn Kratos arbeitet gerade an der Fertigstellung der Valkyrie-Drohne, die auch schon die ersten Testflüge erfolgreich absolviert hat. Dabei zeigten die Tests, dass die Valkyrie-Drohne der Reaper-Drohne in nahezu allen Belangen weit überlegen ist.

So schafft Valkyrie mit 1.050 km/h fast die Überschallgeschwindigkeit. Reaper hingegen bewegt sich vergleichsweise gemächlich mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 480 km/h durch die Luft. Insgesamt kommt die alte Reaper-Drohne auf eine maximale Reichweite von 1850 Kilometern. Valkyrie wird unter günstigen Bedingungen ziemlich genau die doppelte Distanz schaffen. Mit anderen Worten: Die neue Kratos-Drohne hat das Zeug, zur Benchmark-Drohne des neuen Jahrzehnts zu werden und damit den Vorgänger Reaper endgültig abzulösen.

Letztlich fehlen der Kratos-Drohne noch einige Testflüge. Wenn dann die US-Luftwaffe die neue Drohne technisch abnimmt und bestellt, wird die Kratos-Aktie binnen weniger Tage steil gehen. Wird die US-Luftwaffe das unbemannte Fluggerät nicht oder nur in geringem Umfang ordern, müssen wir die Aktie zunächst veräußern.

Chartkommentar: Die Aktie bewegte sich in den vergangenen Monaten in einem recht engen Band zwischen 18 und 20 US-Dollar. Dieses Band habe ich Chartbild blau eingezeichnet. Zuletzt übersprang die Aktie die obere Begrenzung des Bandes und notiert derzeit knapp über 20 US-Dollar. Technisch betrachtet ist dieser Ausbruch allerdings noch nicht nachhaltig.

Meine Empfehlung: Wir halten an der Aktie unverändert fest. Ein Neu- oder Nachkauf ist zunächst noch nicht erforderlich. Hier warten Sie besser die klare Überwindung der Kursmarke von 20 US-Dollar ab. Natürlich werde ich Sie umgehend informieren, sobald die Aktie wieder ein Kauf ist.


Encavis wird zur Gewinnmaschine und will Produktion bis 2025 verdoppeln

Der norddeutsche Stromproduzent Encavis hat in dieser Woche sein neues Strategie- und Wachstumsprogramm namens „Fast Forward 2025“ vorgestellt. Im Deutschen würden wir es ungefähr mit „Schnell Voran 2025“ übersetzen. Was ist der Kern dieses Programms?

Encavis plant in den kommenden 5 Jahren die bisher installierten Kapazitäten auf 3,4 Gigawatt zu verdoppeln. Dafür wird man bevorzugt bereits genehmigte, aber noch nicht gebaute Projekte erwerben. Der Zusammenhang ist klar: Solche Projekte bieten eine hohe rechtliche und planerische Sicherheit. Da sie noch nicht gebaut und installiert sind, sind diese frühen Projekte vergleichsweise günstiger als eine vollinstallierte Sonnen- oder Windanlage.

Dabei wird Encavis bis 2025 keine Kapitalerhöhung benötigen, da das Unternehmen ausreichend finanziert ist. Die geplante Expansion wird man also weitgehend aus den aktuellen Kapitalreserven bezahlen können. Eine Verschlechterung des bilanzierten Eigenkapitals ist nicht vorgesehen. Hier rechnet man wie bisher mit einer Eigenkapitalquote in Höhe von 24 %. Hierzu eine Anmerkung: Eine solche Eigenkapitalquote wäre für viele vor allem zyklische Branchen ziemlich niedrig. Für einen Stromproduzent, der über stabile und wiederkehrende Einnahmen verfügt, ist dieser Wert hingegen völlig unauffällig.

Auch künftig strebt das Unternehmen eine starke EBITDA-Marge von 75 % an. Das EBITDA beschreibt ungefähr den Umsatz abzüglich der Betriebskosten und misst vor allem die operative Stärke eines Unternehmens. Encavis schafft bei dieser Kennzahl üblicherweise ganz phantastische Werte. Zum Vergleich: Apple erreichte in seiner besten Zeit (2012/13) eine EBITDA-Marge von rund 38 %.

Natürlich hinkt der Vergleich etwas, weil die Geschäftsmodelle nicht vergleichbar sind. So produziert Encavis nahezu kostenfrei, sobald eine Anlage einmal arbeitet. Hier gilt eben: Die Sonne schickt keine Rechnung.

Encavis bietet uns gegenwärtig eine nahezu perfekte Kombination aus Renditepotenzial und Stabilität. Außerdem dürfen wir damit rechnen, dass das Unternehmen bis 2025 in ganz neue Gewinn- und Umsatzdimensionen wachsen wird. Wir bleiben weiterhin voll investiert. Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval