Lieber Börsianer,

als der DAX zuletzt nochmals unter die viel beachtete Marke von 13.000 Punkten schaute, war ich doch etwas bedenklich. Tatsächlich waren meine Sorgen übertrieben, und der Aktienmarkt drehte wieder rasch ins positive Terrain. Knapp 4 % kam der DAX voran, während der Index für US-Wachstumsaktien zur Vorwoche sogar rund 5 % vorrückte. Für uns als Börsianer also eine ganz angenehme Woche!

Was waren die Erfolgszutaten? Peking und Washington haben sich zurzeit richtig lieb. So halbierte Peking die Einfuhrzölle auf US-Waren im Volumen von 75 Milliarden US-Dollar. Für einige Warengruppen aus den USA fällt somit nur noch ein Zoll in Höhe von 2,5 % an. Washington revanchierte sich gleich und halbierte die Zollsätze für chinesische Exporte im Volumen von 120 Milliarden US-Dollar. Besonders Unterhaltungselektronik und Textilien wird mit Wirkung ab dem 14. Februar entlastet. Das freut den Privatverbraucher.

Diese Maßnahmen sind eigentlich keine große Überraschung, da sie bereits in der Handelsvereinbarung vom 15. Januar fixiert worden waren. Neu für die Börsianer waren freilich die angenehmen Begleitumstände der Zollsenkungen. So erklärte das chinesische Finanzministerium, dass man auf dem eingeschlagenen Weg fortfahren möchte. Am Ende sollen alle Zölle, die in den vergangenen 2 Jahren erhöht worden sind, wieder auf ihr Ursprungsniveau gesenkt werden. Diese neue Verbindlichkeit hat die meisten Marktbeobachter und auch mich positiv überrascht.

Der Zusammenhang ist klar: Peking hat gegenwärtig alle Hände voll zu tun mit dem Kampf gegen den Corona-Virus. In dieser Situation braucht man keine Nebenkriegsschauplätze. Unterdessen startete im US-Bundesstaat Iowa der Vorwahlkampf für die im November anstehende US-Präsidentenwahl. Mit anderen Worten: Donald Trump ist ab jetzt auch sinnvoll beschäftigt.

Trump wird im Wahlkampf die derzeit gute Beschäftigungslage und robuste Konjunktur der USA ins Feld führen. Mit diesen Argumenten kann er auch Wähler ansprechen, die in anderen Politikfeldern nicht so bei ihm sind. In diesem Umfeld ist der US-Präsident natürlich daran interessiert, den Verbraucher und Wähler durch billigere China-Produkte bei Laune zu halten.

Also Washington und Peking bilden derzeit eine recht solide Zweckgemeinschaft. Dieser Umstand sollte dem Aktienmarkt auch in den kommenden Tagen und Wochen helfen.


VW, Isra Vision und Recordati jetzt wieder ein Kauf

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich das Trenddepot für uns günstig. Rockwell Automation rückte über 5 % voran. Das Strategie-Zertifikat Künstliche Intelligenz verteuerte sich auf Wochensicht um fast 5 %. Lediglich die Recordati-Aktie blieb mit einem Zuwachs von kaum 1 % hinter dem Gesamtmarkt zurück. Gleichwohl liegt die Aktie seit Kauf (21. Januar) mit rund 2 % im Plus.

Beachten Sie bitte: Aufgrund des günstigen Marktumfeldes stufe ich die VW-Vorzüge sowie die Papiere der Isra Vision und Recordati wieder auf Kaufen herauf. Allen diesen Titeln ist gemein, dass sie in den letzten Wochen nicht ganz überzeugt haben und daher Nachholpotenzial haben. Die Details meiner Heraufstufungen und die geeigneten Kauflimits entnehmen Sie am Ende dieses Dokumentes der Depotansicht. Die Veränderungen haben ich für Sie geschwärzt hervorgehoben.

Besonders die VW-Aktie bietet auf dem gedrückten Kursniveau antizyklische Chancen. Richtig ist, dass der Autobauer derzeit in China aufgrund des Corona-Virus nur sehr eingeschränkt produziert. Diese Rückstände wird das Unternehmen allerdings wahrscheinlich schon im nächsten Quartal wieder aufholen. Hier haben klassische Industrie-Unternehmen gewisse Vorzüge gegenüber Konsum-Unternehmen wie etwa McDonald´s oder Starbucks. Hier geht momentan tatsächlich Umsatz verloren. Denn kein Verbraucher wird die unterlassenen Besuche in den Verkaufsstellen von McDonald´s oder Starbucks nachholen.

Abschließend weise ich Sie darauf hin, dass ich inzwischen die Aktie der Baidu zu 115,40 Euro am 3. Februar verkauft habe. Hier mussten wir einen kleinen Buchverlust von 0,9 % realisieren.


Rockwell meldet solide Zahlen und hebt Ausblick an

Der Spezialist für Industrieautomatisierung Rockwell Automation konnte im abgelaufenen Quartal den Umsatz um 2,6 % auf rund 1,7 Milliarden US-Dollar steigern. Insgesamt klagte man im Unternehmen etwas über eine komplexe Marktlage, nachdem diverse Unternehmenskunden Aufträge zurückgestellt oder reduziert hatten. Gleichwohl übertraf das Unternehmen beim Gewinn je Aktie (2,11 USD) die Analystenschätzungen.

Besonders erfolgreich agierte Rockwell in den Sparten Software und Netzwerk (Connected Services). Hier wuchs man im Vergleich zum Vorjahr jeweils prozentual zweistellig. Diese beiden noch eher jüngeren Aktivitäten gewinnen im Konzern zunehmend an Bedeutung. Deshalb hat die Unternehmensführung die Gewinnprognose für das laufende Jahr spürbar angehoben. Bisher erwartete man einen Gewinn pro Aktie in Höhe von knapp 9 US-Dollar. Nun rechnet die Unternehmensführung unter günstigen Marktbedingungen mit einem Gewinn je Aktie von bis zu 9,49 US-Dollar.

Das Unternehmen wird für das abgelaufene Quartal eine Dividende in Höhe von 1,02 US-Dollar auszahlen. Damit wirft die Aktie auf Basis unseres Einstandskurses von 166 US-Dollar derzeit eine jährliche Dividendenrendite in Höhe von 2,4 % ab. Ich erwarte, dass Rockwell Ende des Jahres die Quartalsdividende nochmals anheben wird. Zuletzt erhöhte man die Dividende für das 3. Quartal 2019.

Hier eine kurze Chartanalyse:

Die Aktie stößt nun auf eine obere Begrenzung (rote Linie) die bei rund 207 US-Dollar liegt. In den kommenden Tagen wird sich weisen, ob der Titel diese Marke aus dem Stand knackt oder ob er zunächst noch etwas Kraft sammeln muss.

Ich rate Ihnen, an dieser Aktie unverändert festzuhalten.

Kratos-Drohne kann jetzt auch unbeschadet landen

Die Valkyrie-Drohne von Kratos Defense hat jüngst im US-Bundesstaat Arizona ihren vierten Testflug erfolgreich absolviert. Dabei wurden insgesamt 49 Funktionen der Drohne erfolgreich getestet, wie das Unternehmen erklärte. Diesmal gelang Kratos auch die Landung der Drohne. Zur Information: Drohnen landen nicht wie ein Flugzeug auf einer Rollbahn, sondern werden an großen Fallschirmen abgelassen. Beim letzten Testflug wurde der Prototyp dabei beschädigt. Das hatte am Markt Sorgen geweckt, dass die Drohne noch nicht ausgereift ist.

Wie sind die weiteren Planungen? Stand heute muss Valkyrie noch einen weiteren Testflug erfolgreich absolvieren. Im Idealfall wird die US-Luftwaffe dann Ende des Jahres 20 bis 30 Drohnen dieses Typs ordern. Die Flugkörper sollen dann im Verlauf des Folgejahres ausgeliefert werden. Bei einem Stückpreis von 3 Millionen US-Dollar hätte dieser Auftrag also ein maximales Volumen von 90 Millionen US-Dollar. Damit würde alleine dieser eine Auftrag dem Unternehmen einen Umsatzschub in Höhe von 13 % bescheren.

Mittelfristig erhofft sich das Unternehmen einen Umsatzbeitrag aus der Drohnen-Sparte in Höhe von bis 250 Millionen US-Dollar. Damit würde diese Sparte Stand heute für 35 % des Konzernumsatzes stehen. Das ist ohne Frage ein ambitioniertes Ziel. Kratos kann allerdings mit einem Pfund wuchern, nämlich dem Stückpreis. Die Modelle der Vergangenheit kamen teils auf Preise von über 20 Millionen US-Dollar pro Stück.

Wir halten an der Aktie weiter fest und erwarten nun den abschließenden Testflug. Ein Termin wurde bisher noch nicht genannt.

US-Dividendenaristokraten werden fester Bestandteil des Trenddepots

In der vergangenen Hauptausgabe hatte ich den S&P US Dividend Aristocrats ETF (WKN: A1JKS0) als Sonderempfehlung besprochen. Diese Empfehlung ist bei Ihnen auf viel Widerhall gestoßen. So hatten sich gleich mehrere Leser bei mir gemeldet und dabei vorgeschlagen, diesen stabilen und bewährten ETF in das Trenddepot des RENDITE TELEGRAMM aufzunehmen.

Diese Idee finde ich gut. Der ETF ist im Kern für jedes Depot und für jeden Anlegertyp – ganz gleich ob eher konservativ oder eher offensiv – geeignet. Besonders segensreich wirkt der stabile US-Fonds in etwas kleineren Depots. Hier stoßen Sie naturgemäß in punkto Diversifizierung und Risikostreuung schnell an gewisse Grenzen. Dieses Problem lösen Sie nun quasi auf einen Schlag mit den Dividendenaristokraten.

Nach meinen Informationen können Sie diesen Fonds bei einigen Depotbanken auch im Rahmen eines Sparplans erwerben. Laut Webseite gilt dies unter anderem für Comdirect und Consors.

Meine Empfehlung: Kaufen Sie diesen ETF billigst über Xetra oder Tradegate! Da es sich um einen börsen-gehandelten Fonds handelt, fällt hier für Sie kein Ausgabeaufschlag an. Bei einem Kauf im Rahmen eines Sparplans kann allerdings – je nach Depotbank – ein Ausgabeaufschlag von bis zu 1,5 % anfallen. (Hinweis auf Interessenkonflikt: Ich bin derzeit persönlich oder für Dritte in dem hier empfohlenen ETF investiert.)

Mit Börsianer-Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval