Lieber Börsianer,

wir dürfen jetzt nicht alles auf den Corona-Virus schieben. Natürlich haben wir uns in trügerischer Sicherheit gewogen und sind davon ausgegangen, dass dieser Kelch an Europa weitgehend vorübergehen würde. Wenn ich mich richtig erinnerte, zählten die Behörden bislang hierzulande 13 Coronafälle, wovon einer bereits aus der Quarantäne entlassen werden konnte. So lasen wir in den Medien, dass jede alljährliche Grippewelle gefährlicher als der China-Virus sei.

Jetzt wissen wir es besser. Das Covid-19-Virus ist nun mitten in Europa angekommen. Jeden Tag werden derzeit europaweit neue Infektionen gemeldet. Einige Virologen malen nun schon schreckliche Szenarien an die Wand und fordern flächendeckende Schnelltests. Tatsache ist sicherlich, dass wir den Höhepunkt der Infektionswelle in Europa noch nicht erreicht haben.

Letztlich liegen die Ursachen für die laufende Korrektur tiefer. Erstens: Im vergangenen Jahr legten die Aktienmärkte massiv zu. Diese Kursanstiege haben zu einer Überbewertung des Aktienmarktes geführt, die nun bereinigt wird. Das ist kein Krisensymptom, sondern eine gesunde und marktübliche Reaktion.

Zweitens: Bereits im vergangenen Jahr gab es einige Warnhinweise, dass die konjunkturelle Dynamik weltweit abnehmen wird. Diese Hinweise wurden am Markt zunächst ignoriert. Nun wird aber immer klarer: Das laufende Quartal wird ein verlorenes sein. So schätzt etwa das Wirtschaftsinstitut DIW, dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Zeitraum nur noch um kümmerliche 0,1 % gewachsen ist.


Was ist jetzt zu tun?

Ich gehe davon aus, dass die Zwischenkorrektur noch nicht ausgestanden ist. Derzeit deuten viele Stimmungsbarometer wie etwa der VDAX oder der VIX darauf hin, dass die Ausverkaufswelle noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Zu Deutsch: In den kommenden Tagen drohen uns weitere spürbare Rücksetzer. Deshalb rate ich Ihnen nun zu einer doppelten Absicherung Ihres Depots. So gehen wir vor:

  1. Die passive Absicherung: Wir müssen den jüngsten Kauf der Qualcomm leider wieder rückgängig machen. Ich bin zwar von diesem Unternehmen uneingeschränkt überzeugt. Dennoch gilt: Solche offensiven Disruptor-Aktien haben in einer Korrekturphase keine Chancen. Am Ende der Korrektur werden wir die Aktie dann zu verbilligten Kursen wieder zurückkaufen. Zuvor wurde bereits die Aktie der Kratos Defense ausgestoppt. Dazu lesen Sie gleich mehr. Durch diese beiden Maßnahmen nehmen wir Kapital aus dem Risiko und erhöhen die Cashquote in unseren Depots. Eine solche passive Absicherung wird Ihr Depot sofort stabilisieren. Empfehlung: Verkaufen Sie noch heute die Aktie der Qualcomm ohne Limit, also bestens. Geeignete Handelsplätze neben der Heimatbörse sind Tradegate und Xetra.
  2. Die aktive Absicherung: Börsianer sprechen immer dann von einer aktiven Absicherung, wenn Sie Ihrem Depot sog. Short-Wertpapiere beimischen. Hier profitieren Sie direkt von fallenden Kursen und gleichen auf diese Weise wirkungsvoll vorübergehende Buchverluste in den Aktienpositionen aus. Dadurch nehmen Sie sofort unerwünschte Schwankung aus Ihrem Depot. Fazit: Mit dieser Kombi-Taktik aus passiver und aktiver Absicherung meistern Sie Korrekturphasen und vermeiden irreparable Rücksetzer.


Kurzempfehlung: So verwandeln Sie Kursverluste in Gewinne

Einige schnelle Informationen vorab für die Neubörsianer unter Ihnen: Wenn Sie eine Aktie oder etwa einen Aktien-ETF erwerben, setzen Sie logischerweise auf steigende Kurse. In der Börsianersprache gehen Sie am Markt „long“. Wünschen Sie hingegen eine Absicherung gegen fallende Kurse, dann gehen Sie am Markt „short“. Im Folgenden stelle ich Ihnen nun ein solches Short-Wertpapier vor, mit dem Sie von fallenden Aktiennotierungen profitieren.

Ein Short-Index reagiert immer exakt spiegelverkehrt oder invers zu einem Long-Index. Konkret: Wenn der US-Index S&P 500 um 2 % fällt, steigt die Short-Variante gleichzeitig um 2 %. Umgekehrt wirkt dieser Mechanismus selbstverständlich ebenfalls. Steigt der S&P 500 um 2 %, verliert der inverse Short-S&P 500 um 2 %. Damit stellen diese Short-Indizes ein beliebtes und transparentes Vehikel dar, um sich vor Kursverlusten im Gesamtmarkt zu schützen.

In der Praxis reichert man den einfachen Short-Index noch mit einem kleinen Hebel von 2 an. Das führt dazu, dass Sie für Ihr Depot eine doppelte Schutzwirkung gewinnen. Konkret: Fällt der S&P 500 um 2 %, gewinnt die zweifach gehebelte Variante (x2 oder 2x) 4 % hinzu. Sie erkennen den Vorzug des Hebels? Somit erreichen Sie selbst mit eher kleinem Kapitaleinsatz sofort ein gutes Schutzniveau für Ihr Depotvermögen.

Der xTrackers S&P 500 2x Inverse Daily ETF ist ein solches Short-Wertpapier. Dieses Instrument wurde von der Deutschen Bank aufgelegt. Wie bereits der Name verrät, handeln Sie hier gegen den S&P 500, also den US-Aktienmarkt. Ab jetzt werden Sie also jedesmal profitieren, wenn dort die Aktienkurse im Durchschnitt fallen. Die Namensergänzung Daily verweist darauf, dass die Wertentwicklung dieses Wertpapiers auf Tagesbasis berechnet wird. Zu Deutsch: Wenn der S&P 500 innerhalb eines Tages 2 % verliert, legt der Short-ETF der Deutschen Bank um 4 % zu.

Hier die wichtigen Daten des Short-ETFs für Ihre Order:

WKN: DBX0B6

Hebelwirkung: zweifach (2x)

Börsenplatz: Xetra oder Tradegate

Limit: billigst

Kostenquote: 0,7 % pro Jahr

Laufzeit: unbegrenzt

Ich werde noch heute dieses Wertpapier für das Trenddepot anschaffen. Ein Hinweis für die Leser mit Wohnsitz und Depot in Italien: Sie können dieses Wertpapier auch völlig problemlos über Mailand handeln. Diesen Hinweis auf Interessenkonflikt kennen Sie schon: Ich bin persönlich oder für Dritte in dem hier empfohlenen Wertpapier investiert.



Kratos-Aktie trotz vernünftiger Zahlen unter Verkaufsdruck

Gestern legte die Unternehmensführung der Kratos Defense die Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal vor. Unter dem Strich erwirtschaftete das Unternehmen einen bereinigten Gewinn in Höhe von 9 US-Cent je Aktie und blieb damit geringfügig hinter den Analystenerwartungen von 10 US-Cent zurück. Gleichzeitig steigerte man den Umsatz um 13 % auf 185 Millionen US-Dollar. Hier übertraf man die Analystenerwartungen um rund 12 Millionen US-Dollar.

Die Kratos-Zahlen sind im Kern sehr vernünftig. Das junge Disruptor-Unternehmen arbeitete im Quartal sowie im Gesamtjahr profitabel. Gleichzeitig erzielte man einen positiven Cashflow. Am Markt störte man sich allerdings am Ausblick, den die Unternehmensführung mit den Zahlen veröffentlicht hatte. So kündigte Kratos für das laufende Geschäftsjahr Investitionen im Volumen von bis zu 48 Millionen US-Dollar an. Mit dem Geld wird man wesentlich die Serienproduktion für die neuartige Valkyrie-Drohne aufbauen. Dadurch wird Kratos im laufenden Jahr wieder in die roten Zahlen rutschen.

In der Folge sackte die Aktie massiv ab, sodass bei 16,45 US-Dollar das von mir gesetzte Stop-Loss-Limit griff. Gleichwohl müssen wir hier einen Verlust in Höhe von rund 14 % hinnehmen. Problematisch wirkte sich dabei vor allem die gegenwärtig schwierige Marktlage aus. Wenige Verkäufer konnten den Aktienkurs massiv unter Druck setzen, da die Käuferseite für mehrere Stunden weitgehend unbesetzt blieb.

Sie haben versäumt, dass von mir empfohlene Kauflimit zu setzen? Was ist zu tun? Sie haben kurzfristig zwei sinnvolle Optionen: Sehr wahrscheinlich wird die Aktie heute im US-Handel eine erste Gegenreaktion zeigen und rund 4 bis 5 % zulegen. Sie können diese Erholung für den Verkauf nutzen und damit Ihre Verluste etwas reduzieren. An eine durchgreifende Erholung der Aktie glaube ich im derzeitigen Marktumfeld hingegen nicht.

Die Alternative: Sie ziehen nun ungefähr 5 % unter dem letzten Tiefkurs von 15 US-Dollar ein Stop-Loss-Limit ein. In diesem Bereich befindet sich eine erste Haltelinie, an der sich die Aktie durchaus befestigen kann. Aber: Sackt die Aktie nachhaltig unter diese Haltelinie ab, sind weitere Verluste unvermeidbar.

Von mir lesen Sie gleich wieder am kommenden Freitag (28. Februar). Dann erfahren Sie meine Prognose, wie lange die laufende Korrektur noch wirken wird.

Alexander von Parseval