Lieber Börsianer,
bereits am vergangenen Montag hatte ich Sie in meinem kostenlosen täglichen Dienst Börse am Mittag vorbereitet. So schrieb ich: „es liegt eine Korrektur in der Luft. Die konjunkturelle Entwicklung lässt allgemein nach. Zwar sind die wichtigen Aktienmärkte historisch betrachtet immer noch nicht übermäßig teuer. Gleichwohl sehe ich in vielen Marktnischen teils erhebliche Überbewertungen. Vor allem anerkannte Qualitätsaktien aus den Standard-Indizes wie etwa McDonald´s, Apple oder etwa Nestlé werden mittlerweile quasi pauschal und zu jeder Bewertung gekauft. (…)

Im Hintergrund wühlt auch immer noch das Coronavirus. So wurden zuletzt erstmals auch Todesfälle aus Europa (Italien) gemeldet. (…) Für sich allein genommen wäre die Pandemie wahrscheinlich ziemlich unbedenklich. Das Virus kann allerdings genau die Zutat sein, die uns am Ende den Börsen-Cocktail erst einmal richtig sauer macht.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Derweil steht dieses saure Getränk vor uns auf dem Tisch. Allein in diesem Moment, wo ich Ihnen diese Zeilen schreibe, sackt der DAX erneut um 4 % ab. Der Zusammenhang ist klar: Man fürchtet, dass uns am Wochenende neue Hiobsbotschaften von der „Corona-Front“ erreichen werden. Da sitzt dann niemand gern auf hohen Aktienquoten.

Auf Wochensicht verlieren die großen Indizes aus Europa und Nordamerika zwischen 11 und 13 %. Etwas entspannter zeigten sich chinesische Aktien, die „nur“ rund 5 % verlieren. Hier verliert das Virus allmählich an Wucht. So nimmt die Anzahl der Neuinfektionen dort mittlerweile täglich ab.


Wie lange hält die Korrektur noch an?

Diese Fragen brennen Ihnen sicherlich auf den Nägeln: Wie lange werden wir noch gefoltert? Wie lange wird diese Korrektur noch anhalten?

Wie bereits angedeutet haben wir in dieser Woche einen drastischen Ausverkauf am Markt erlebt. Quasi ohne jeden Zwischenstopp verlor der DAX rund 1.400 Punkte. Folglich ist die Stimmung unter vielen Investoren gegenwärtig pessimistisch. Lediglich einige Privatanleger treten unverdrossen auf der Kaufseite auf: Mit anderen Worten: Noch ist der Pessimismus im Markt nicht vollkommen.

Warum ist dieser Sachverhalt so wichtig? Märkte drehen immer dann, wenn sie emotional komplett überspannt sind. So kippte der Markt vor wenigen Tagen um, als die Begeisterung für die Aktienanlage schier grenzenlos war. Alle schrien nach Aktien und kauften wahllos. Solche irrationalen Zustände bezeichnen Börsianer auch als Euphorie.

Das Gegenteil davon ist die Depression. Man hat viel verloren, einige Anleger geben sogar auf und verlassen den Markt wieder. Die zuvor bejubelte Aktienanlage ist plötzlich Teufelszeug. Und genau in diesem Augenblick startet die Stabilisierung oder sogar Gegenbewegung. Das war schon vor 100 Jahren so und wird auch diesmal nicht anders sein.

In diesem Zustand ist der Markt heute allerdings noch nicht. Uns fehlen zur idealtypischen Komplettpanik, also zur Wende schon noch einige schlechte Tage. Auf der Panikskala, also dem VDAX ist noch etwas Platz nach oben.

Anlass zur Sorge haben Sie als Leser des RENDITE TELEGRAMM freilich nicht. Denn wir haben in dieser Woche unsere Hausaufgaben erledigt und durch den Verkauf der Risikopositionen Kratos und Qualcomm für eine bessere Stabilität im Depot gesorgt. Gleichzeitig greift jetzt unsere Absicherung, also der Short gegen den S&P 500. In diesem Moment legt das Wertpapier fast 8 % zu und trägt damit spürbar zur Beruhigung Ihres Depots bei.

Sollen wir hier jetzt nochmals nachlegen und damit das Absicherungsniveau noch weiter heben? Nein! Wie bereits angedeutet ist die Korrektur bereits weit fortgeschritten. Die Wende oder zumindest Stabilisierung des Marktes rückt jeden Tag näher.

Ein Nachkauf des S&P 500-Shorts ist also nicht mehr erforderlich. Damit führe ich nun alle Wertpapiere des Trenddepots als Halteposition. Es bedarf keiner besonderen Erläuterungen, dass wir in der kommenden Woche am Aktienmarkt zunächst noch nicht auf der Käuferseite auftreten werden.


Ein unfreundlicher Empfang an der Börse für Neubörsianer

Abschließend möchte ich noch ein Wort an diejenigen unter Ihnen richten, die in den vergangenen Wochen oder Monaten neu an den Markt gegangen sind. Sie kamen mit großem Elan und großen Hoffnungen, und dann schmiert der Markt quasi pünktlich zu Ihrem Debüt ab. Das ist grausam und dämpft naturgemäß die Begeisterung für die Aktienanlage.

Ich selbst bin übrigens auch mit einem kapitalen Misserfolg gestartet. Mit 16 Jahren kaufte ich nämlich die Aktie eines Unternehmens namens Bremer Vulkan. Einige Monate später meldete der Schiffsbauer Konkurs an. Zwar gelang mir zuvor noch der Ausstieg. Trotzdem musste ich gleich zu Beginn meiner Börsenlaufbahn schwer bluten, denn eine Kursrakete war diese Aktie wirklich nicht.

Dabei habe ich allerdings viel gelernt. Das hat mich langfristig in der Tat zu einem erfolgreichen Börsianer gemacht. Und das werden Sie auch schaffen. Und in einigen Wochen werden Sie Ihre zweite „Lektion“ lernen. Dann werden Sie nämlich verstehen, dass ein ausgebombter Markt mit günstigsten Einstiegskursen enorm lukrativ ist. Ich freue mich jetzt schon, Sie bei diesem angenehmen Erlebnis zu begleiten.

Mit Börsianer-Grüßen

Alexander von Parseval