Lieber Börsianer,

an den Aktienmärkten regiert der Virus. Solange das Coronavirus in Europa und den USA weiter grassiert, ist eine Erholung an den Aktienmärkten kaum vorstellbar. Dabei wirkt besonders belastend, dass dem Markt derzeit jede konkrete Perspektive fehlt. Wir wissen schlichtweg nicht, wie lange die Anzahl der Neuinfektionen in Europa noch zunehmen wird.

Dabei verdichten sich allmählich die Anzeichen, dass die verschiedenen Quarantäne-Maßnahmen in Europa noch nicht greifen. So hat beispielsweise Italien bereits am 9. März weitreichende Ausgangssperren eingeführt. Dennoch ist das Wachstum des Virus dort nicht nur völlig ungebrochen, sondern ganz im Gegenteil. Zuletzt explodierte die Anzahl der Neuinfektionen auf Tagesbasis um weit über 100 %. Betrachten Sie hierzu auch bitte die folgende Grafik. Sie stellt den Anstieg der Neuinfektionen pro Tag in absoluten Zahlen dar.

Auch in Deutschland vermehrt sich der Virus mit großer Dynamik. Offenbar unterlaufen einige unserer Landsleute die behördlichen Maßnahmen und ignorieren standhaft die Empfehlungen der Virologen. So massierte man sich noch am letzten Wochenende in Straßencafés, genoss die ersten Sonnenstrahlen und schlürfte den Café Latte. Währenddessen tobt die schulfreie Jugend in den Grünanlagen. Ich verstehe das nicht.

Die Infektionsraten sind für uns als Börsianer von ganz hervorragender Bedeutung. Sie funktionieren quasi als Frühindikator für den Aktienmarkt. Sobald die täglichen Infektionsraten stagnieren bzw. im Idealfall sogar zurückgehen, wissen wir, dass das Ende der Pandemie in absehbarer Zeit bevorsteht. Sobald die Virologen und Statistiker diesen Wendepunkt melden, werden die Aktienmärkte spürbar anziehen.

Dabei betrachte ich derzeit die Entwicklung in Italien besonders genau. Denn das Land wurde in Europa als Erstes vom Virus getroffen und hat deshalb im Vergleich zu Deutschland und auch Österreich einen zeitlichen Vorsprung von rund 9 Tagen. Mit anderen Worten: Wenn dort der Trend bei den Neuinfektionen dreht, wird sich mit entsprechender Verzögerung die Situation auch in Mitteleuropa entspannen.

Damit wäre der Virus natürlich noch nicht besiegt, aber seine Ausbreitung zumindest unter Kontrolle. Genau diese Botschaft wollen die Investoren hören, bevor sie an den Markt zurückkehren. Wie bereits angedeutet: Kurzfristig rechne ich nicht mit dieser Wende bei den Neuinfektionen. Hier darf man auch nicht aus dem Blick verlieren, dass die meisten europäischen Länder erst in dieser Woche richtig in den Kampf gegen die Infektion eingestiegen sind. Wunderdinge können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erwarten.

Aus meiner Analyse ergibt sich logisch, dass die heutige Erholung der europäischen Börsen nicht mehr als ein Strohfeuer sein kann. Richtig ist dabei, dass die Corona-Krise selbst am Markt bereits eingepreist ist. Ob nun irgendwo in Europa noch ein Grenzübergang geschlossen wird oder ob Berlin oder Wien nächstens doch noch strenge Ausgangssperren verhängen, all das wird die Märkte nicht mehr bewegen. Ich rechne auch in den kommenden Tagen nicht mehr mit den ganz dramatischen Abschlägen. So zeigen auch die Panikindikatoren VDAX und VIX eine leichte Beruhigung im Markt an.


Encavis meldet Rekordgewinn und hebt die Dividende an

Der norddeutsche Betreiber von Windparks und Solarkraftwerken Encavis meldete gestern bestes Zahlenwerk. So weitete man den Jahresumsatz um 10 % auf 248,8 Millionen Euro aus. Das operative Ergebnis steigerte Encavis um 39 % auf 0,43 Euro je Aktie. Damit schaffte das Unternehmen einmal mehr neue historische Rekordwerte sowohl beim Umsatz wie auch beim Gewinn. Deshalb wird die Unternehmensführung auch die Dividende um 8 % auf 0,26 Euro je Aktien anheben.

Unklar ist allerdings, wann wir diese Dividende einstreichen werden, da die Unternehmensführung die ursprünglich für Mitte Mai geplante Hauptversammlung verschieben wird. Ein neuer Termin für das Ereignis wurde noch nicht genannt.

Für die Neubörsianer unter Ihnen: Nach dem deutschen Aktienrecht schlägt der Vorstand die Dividende vor und die Hauptversammlung beschließt sie dann. Damit gilt: Da wo keine Hauptversammlung, da auch keine Dividende. Gleichwohl ist die Dividende für uns nicht in Gefahr, da die Zahlung nachgeholt wird. Mehr zu dieser Thematik lesen Sie nächste Woche in der bevorstehenden Hauptausgabe des RENDITE TELEGRAMM. Dann werde ich auch in einem Abwasch die entsprechenden Bestimmungen des US-Rechts darstellen.

Ausblick: Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit weiterem Wachstum, auch wenn sich die Dynamik der Wachstumskurve etwas abflachen wird. Dabei betonte die Unternehmensführung in einer Pressemitteilung, dass das Geschäftsmodell der Encavis von der Corona-Pandemie nicht betroffen ist. In der Branche gilt: Windräder kennen keinen Virus und auch keine Quarantäne.

Gleichwohl konnte sich die Aktie in den letzten Wochen der allgemeinen Marktpanik nicht entziehen. Ich sehe die Kursrückgänge allerdings recht gelassen. Der Titel dürfte besonders in der frühen Erholungsphase, wenn noch gewisse Unsicherheit im Markt ist, ganz erheblich profitieren. Halten Sie an der Aktie fest.


Recordati meldet Gewinnwachstum und spendet für italienische Krankenhäuser

Der italienische Pharmaspezialist Recordati hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den Konzernumsatz um knapp 10 % auf 1,48 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn stieg um 18 % auf 368,9 Millionen Euro. Damit blieb praktisch jeder 4. Umsatzeuro in den Kassen der Italiener hängen. Das unterstreicht die enorme Profitabilität des mittelgroßen Pharmaunternehmens. Allerdings beinhaltet die Gewinnrechnung einen einmaligen Steuervorteil in Höhe von rund 35 Millionen Euro.

Unterdessen erklärte die Unternehmensführung, dass man zuletzt Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen in der Lombardei 5 Millionen Euro als Spende zur Verfügung gestellt hat. Ferner ist Recordati bereit, Präparate aus dem eigenen Portfolio kostenlos abzugeben, sofern diese im Rahmen einer Corona-Therapie benötigt werden. Diese Spenden werden den Gewinn im laufenden Jahr im niedrigen einstelligen Prozentbereich belasten. Das Unternehmen wirbt unter den eigenen Aktionären um Verständnis für diese Maßnahmen. Ich bin völlig einverstanden.

Die Recordati-Aktie hat sich in den letzten Wochen im Kern bewährt, auch wenn der Titel derzeit mit rund 9 % im Minus steht. Halten Sie an der Aktie unverändert fest! In diesen Zeiten sind Pharma-Aktien sicherlich keine falsche Wahl.

Abschließend wünsche ich Ihnen weiterhin gute Gesundheit und viel Widerstandskraft! Bei mir selbst ist alles in guter Ordnung. Wir haben uns entsprechend vorbereitet und werden durcharbeiten, damit Sie immer mit allen relevanten Informationen versorgt sind.

Mit Börsianer-Grüßen

Alexander von Parseval