Lieber Leser,

es geht doch nicht so schnell, wie wir uns das alle vorgestellt haben. Vor allem in den Südstaaten und auch im Südwesten der USA ist das Virus noch lange nicht besiegt. Dort hatte man im Mai teils überhastet wieder angefahren. Hierzu eine Zahl: Im Mai sind in den USA allein im Gastgewerbe und in der Gastronomie wieder 1,4 Millionen Menschen neu eingestellt worden. Dafür bezahlen viele US-Bundesstaaten wie Florida, Arizona oder Texas nun einen Preis, der nennt sich wieder steigende Zahlen bei den Neuinfektionen.

Folglich ist man in den USA nun um eine Illusion ärmer. Wiedereröffnung und gleichzeitig sinkende Neuinfektionen funktioniert nicht. US-Finanzminister Steve Mnuchin hat einen erneuten Stillstand zwar bereits ausgeschlossen. Gleichzeitig erklärte Jerome Powell, der Chef der US-Notenbank, allerdings, dass der US-Arbeitsmarkt Jahre brauchen wird, um sich wieder vollständig zu erholen.

In diesem Kontext setzten die Aktienmärkte in dieser Woche weltweit spürbar zurück. So verlor der DAX im Vergleich zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag deutlich über 6 %, der Dow Jones notiert derzeit 7 % in den Nassen. Vergleichsweise stabil präsentierten sich lediglich die Aktien des NASDAQ 100, die bis jetzt rund 2,5 % nachgegeben haben.

Gleichwohl müssen wir das aktuell eingetrübte Stimmungsbild nicht überbewerten. Zuletzt sind die Investoren in einen kleinen Kaufrausch verfallen, obwohl die Fortschritte in der Realwirtschaft naturgemäß noch recht bescheiden sind. Immer noch sind weltweit zahlreiche Corona-bedingte Einschränkungen in Kraft. Auch die Verbraucher halten sich spürbar zurück und entfachen noch nicht die große Konsumwelle.

So mussten wir in dieser Woche etwas Schaum aus dem Markt nehmen. Die Zwischenkorrektur ist ohne Frage unangenehm, sie ist allerdings durchaus ungesund. Inzwischen ist der Aktienmarkt ins neutrale Terrain zurückgekehrt und nicht mehr überkauft. Folglich werden wir die Korrektur wahrscheinlich schon heute beenden und in der kommenden Woche wieder grüne Vorzeichen an den Märkten sehen.

Das Trenddepot hat sich indessen achtbar geschlagen. Fast alle Trendpositionen blieben über der allgemeinen Marktentwicklung. Das zeigt, dass wir derzeit im Depot gut aufgestellt sind. Lediglich Disney enttäuschte und verlor stärker als sein Index. Der Zusammenhang ist klar: Erleben die USA nun tatsächlich eine zweite Corona-Welle, muss das Freizeitunternehmen z. B. die geplante Wiedereröffnung des umsatzstarken Themenparks in Florida verschieben. Diese denkbare Perspektive mögen die Investoren naturgemäß nicht.


VW startet Vorverkauf des ID.3 – Vorstandschef Diess vor der Entmachachtung

Der VW-Konzern erlebt derzeit bekanntlich turbulente Zeiten. Der Aufsichtsrat hat nun reagiert und entzieht dem Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess die Verantwortung für die Kernmarke VW. Sein Nachfolger wird mit Wirkung zum 1. Juli Ralf Brandstätter, der bisher das operative Tagesgeschäft der Kernmarke VW verantwortet hat. Der neue Mann kommt schon jetzt mit guten Nachrichten.

Wolfsburg startet nun den Vorverkauf des neuen Elektromodells ID.3. Dabei startet der Stromer zunächst in einer mittleren Variante, die mit einer 58 kWh-Batterie ausgestattet sein wird. Das Auto schafft dabei eine Reichweite von 420 Kilometer und eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die Fahrzeuge werden Anfang September an rund 35.000 Vorbesteller aus ganz Europa ausgeliefert. Im zweiten Schritt wird der ID.3 dann auch in einer Basis- und Premiumversion ausgeliefert.

Damit gelingt dem ID.3 ungeachtet der widrigen Umstände – wie Virus und Kurzarbeit – der termintreue Markteintritt. Für VW ist das neue Elektro-Fahrzeug von enormer strategischer Bedeutung, denn der Stromer steht in Wolfsburg für den Eintritt in die neue Ära der Elektromobilität. Daneben soll das Modell beim Verbraucher die neue Marke ID als die führende Automarke für bezahlbare und praxistaugliche Elektromobilität etablieren. Deshalb ist der termintreue Start des ID.3 von immenser Bedeutung für den Autobauer.

Nochmals zur Personalie Diess: Ich erwarte, dass die Tage des Österreichers in Wolfsburg gezählt sind. Der Aufsichtsrat vertraut ihm offensichtlich nur noch bedingt. Ich möchte die Vorgänge gar nicht bewerten. Für mich ist nur interessant, dass VW am eingeschlagenen Kurs der Modernisierung festhält und das Zukunftsthema Elektromobilität weiterhin großschreibt. Das werde ich genau im Blick haben.

Nach dem jüngsten Kursrücksetzer stufe ich die VW-Aktie nun wieder auf Kaufen herauf. Fassen Sie zu Kursen bis 140 Euro zu, sofern Sie bislang noch nicht investiert sind.


Rockwell Automation jetzt wieder kaufenswert

Bitte beachten Sie, dass Rockwell Automation in dieser Woche eine Quartalsdividende in Höhe von 1,02 US-Dollar an Sie ausgeschüttet hat. Ich werde den im Depot angegebenen Kaufkurs der Aktie nun entsprechend ermäßigen und auf diese Weise die Dividende in der Performance der Aktie berücksichtigen.

Üblicherweise erhöht das US-Unternehmen jeweils im Schlussquartal eines jeden Geschäftsjahres die Dividende. Heuer werden die Amerikaner möglicherweise von dieser Regel aufgrund der Corona-Rezession von dieser Regel abweichen. Eine Dividendenkürzung hingegen kann ich allerdings ausschließen. Wer nun also einsteigt, sichert sich eine laufende Dividendenrendite von rund 2 %. Für ein Wachstumsunternehmen ist dies ein sehr vernünftiger Wert. Außerdem dürfen Sie damit rechnen, dass die Dividende je Aktie künftig weiterhin steigen wird. Insgesamt erhöht Rockwell die Dividende seit fast 11 Jahren.

Neueinstufung: Nutzen Sie nun die Zwischenkorrektur und sichern Sie sich die Aktie des Spezialisten für Industrieautomatisierung und Digitalisierung. In New York kaufen Sie zu Kursen bis 206 US-Dollar. Hierzulande rate ich zum Kauf am Börsenplatz Frankfurt zu Kursen bis 183 Euro, sofern Sie bislang noch nicht engagiert sind. Kaufhinweis: Sofern Sie in Deutschland kaufen, handeln Sie bitte erst ab 15.30 Uhr, also ab US-Börseneröffnung. Zuvor sind die Kurse im deutschen Handel nicht wirklich belastbar.

Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval