Lieber Leser,

der DAX war eher müde in dieser Woche und trat auf der Stelle. Die Technologie-Aktien des NASDAQ hingegen bleiben weiterhin gefragt. So schaffte der NASDAQ 100 bislang auf Wochensicht ein starkes Plus von rund 4 %. Die Ursache der starken Wertentwicklung lag diesmal tatsächlich weniger in den USA, sondern in Deutschland oder ganz konkret in Walldorf (Baden-Württemberg). Hier hatte nämlich das Leuchtturm-Unternehmen SAP recht erfrischendes Zahlenwerk vorgelegt. Das wurde auch an der Wall Street freudig zur Kenntnis genommen. Folglich profitierten Software- und Internet-Aktien des NASAQ-Index.

So rückte im Trenddepot die Aktie der CyberArk über 6 % vor, das KI-Zertifikat verbesserte sich um fast 5 %. Stark präsentierte sich daneben die Walmart-Aktie, die sich um rund 4 % verteuerte. Auch hier liegt die Ursache des Kursanstiegs in der digitalen Welt. Dazu später mehr.

Gleichwohl werden wir in den kommenden Wochen zunächst etwas vorsichtiger agieren. Ich sehe doch einige schwarze Wolken am Börsenhimmel. Zunächst steht der Börsenherbst bald vor der Tür. Wie Sie als Börsianer wissen, sind besonders die Monate August und September – ja, es ist nicht unbedingt der Oktober – oftmals nicht ganz angenehm für uns. Dieses saisonale Muster entfaltet vor allem dann Wirksamkeit, wenn die Vormonate sehr stark waren.

Und der DAX hat allein seit seinem März-Tief satte 48 % gemacht, der NASDAQ 100 sogar rund 54 %. Vor diesem Hintergrund dürfen wir uns schon im Herbst auf eine Zwischenkorrektur einstellen.

Ferner sagen uns die aktuellen Meinungsumfragen, dass Donald Trump in den anstehenden Präsidentschaftswahlen im November nicht nochmals gewählt wird. In seiner Amtszeit rückten US-Aktien im Durchschnitt um rund 37 % vor. Nun fragen sich viele Analysten, Fondsstrategen und Vermögensverwalter, ob sich dieser Trend unter dem Demokraten Joe Biden nahtlos fortsetzen wird.

Die Wall Street hat dabei vor Biden selbst keine Angst, er gilt allgemein als wirtschaftsfreundlich. Freilich hat er so einige Parteifreunde, für die diese Einschätzung weniger gilt. So ist die Sorge im Markt, dass diverse Branchen – etwa Banken oder Öl- und Gas – sich unter einer demokratischen Präsidentschaft neuer Regulierung „erfreuen“ werden. Zu Deutsch: Die Börsianer wissen noch nicht so recht, was Joe Biden dem Aktienmarkt bringen wird. Und solche Unsicherheit mögen wir bekanntlich nicht.

Fazit: Vorsichtshalber habe ich deshalb einige Kaufempfehlungen im Trenddepot gestrichen. Sie entnehmen wie üblich alle aktuellen Einstufungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) aus der Depotansicht, die Sie am Ende dieses Dokumentes finden. Daneben plane ich nun den Verkauf der Post-Aktie, um kurzfristig etwas Cash für unsere Depots zu schaffen.


Damokles-Schwert: Wie lange darf die Post noch Amazon-Pakete befördern?

Die Deutsche Post hat in dieser Woche gute Geschäftszahlen aus dem abgelaufenen Quartal gemeldet. Per saldo steigerte man den operativen Gewinn um 16 % auf 890 Millionen Euro. Gleichwohl wird der Logistiker aufgrund der Corona-Krise 2020 weniger verdienen als im Vorjahr. Die Unternehmensführung erwartet einen Gewinnrückgang zwischen 7 und 14 %.

Trotz der starken Quartalszahlen habe ich mit der Aktie seit geraumer Zeit zumindest leichte Bauchschmerzen. Absehbar wird der wichtigste DHL-Kunde, Amazon, in Europa einen eigenen Lieferdienst aufbauen. Derzeit verfügt Amazon etwa in Großbritannien bereits über 45 eigene Sortierzentren. Für Deutschland zähle ich 25 Anlagen. Genau diese Logistikzentren werden das Rückgrat der neuen Amazon-Logistikflotte bilden.

Amazon hat lange von dem Aufbau einer eigenen Infrastruktur nur gesprochen. Für mich verdichten sich nun allerdings die Anzeichen, dass der Online-Versender nächstens Nägel mit Köpfen machen wird. So hat man bereits in den USA die Verträge mit den Lieferdiensten FedEx und UPS aufgekündigt. Hier arbeitet man nur noch sporadisch und auf Ad-Hoc-Basis mit den beiden US-Logistikern zusammen. Der Kursentwicklung der beiden Aktien hat diese Kündigung überhaupt nicht gutgetan.

Insgesamt stehen für die Post-Tochter DHL im Extremfall bis zu 17 % des Jahresumsatzes in Frage. Ich weiß nicht genau, wer diese Zahl durchgesteckt hat. Der Geschäftsbericht der Post weist den Amazon-Umsatz nicht gesondert aus. Gleichwohl halte ich diese 17 % für sehr plausibel.

Meine Empfehlung: Sichern Sie nun 20 % Buchgewinn und verkaufen Sie die Post-Aktie zu 35 Euro (Verkaufslimit). Die Aktie handeln Sie an nahezu allen gängigen deutschen Börsenplätzen wie etwa Xetra oder Tradegate.


Walmart baut Online-Aktivitäten mit neuem Kundenprogramm weiter aus

Der führende US-Einzelhändler Walmart wird nächstens in den USA ein Kundenbindungsprogramm namens Walmart + starten. Mit dieser Maßnahme will der US-Gigant seine Marktposition im US-Onlinehandel weiter ausbauen und zementieren. Vorbild für die Walmart-Produktmanager ist dabei ohne Frage das Prime-Programm des Konkurrenten Amazon. Auch Ebay vermarktet seit dem vergangenen Jahr ein entsprechendes Angebot.

Typisch für diese Zusatz-Programme ist dabei, dass der Kunde gegen eine kleine Jahresgebühr – Walmart soll 98 US-Dollar pro Jahr verlangen – einige Sonderdienstleistungen in Anspruch nehmen kann. Das können sein: kostenlose Rücksendung von Online-Bestellungen, taggleicher Bezug von Bestellungen, bevorzugter Zugang zu Sonderangeboten oder etwa vergünstigter Treibstoff an ausgesuchten Partner-Tankstellen.

Walmart dürfte aus diesem Plus-Programm erhebliche Vorteile ziehen. Zum einen kann das Unternehmen – anders als Ebay und Amazon – die stationären mit den Online-Angeboten der Plattform Waltmart.com verbinden. Außerdem generieren diese Programme durchaus nennenswerte zusätzlichen Umsätze. Eine kleine Rechnung: Derzeit kaufen rund 275 Millionen Amerikaner regelmäßig bei Walmart ein. Gönnen sich davon nur 100 Millionen dieses Plus-Programm, bedeutet das für Walmart einen zusätzlichen Jahresumsatz von einer Milliarde US-Dollar.

Für mich ist wichtig, dass das US-Unternehmen weiterhin kontinuierlich und innovativ an der eigenen Online-Plattform arbeitet. Solange man das tut, halten wir an der US-Aktie fest.



Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval