Lieber Leser,

der DAX ist in dieser Woche möglicherweise in eine Korrekturphase eingetreten und verlor per saldo bislang knapp 3 %. Stand heute wird er in den kommenden Tagen nochmals die Marke von 12.000 Punkten testen. Aber so ganz eindeutig ist das globale Bild noch nicht. Schließlich legten US-Aktien in dieser Woche mehrheitlich nochmals zu. So schaffte der NASDAQ 100 ein Plus von etwas über 2 %.

Diese Zweiteilung der Börsenwelt haben wir in dieser Woche auch im Trenddepot gespürt. So kamen die digitalen US-Aktien wie CyberArk oder Qualcomm voran. Die letztgenannte brannte dabei sogar ein regelrechtes Kursfeuerwerk ab und verteuerte sich zur Vorwoche um fast 20 %. Dazu gleich mehr.

Unsere europäischen Positionen hingegen verloren teils spürbar. Hier enttäuschte besonders VW, aber auch unsere Neuanschaffung DIC Asset konnte in dieser Woche zunächst noch nicht wirklich überzeugen. Hier liegen wir zum Start also leicht im Minus.

Ansonsten erleben wir in diesen Tagen den Höhepunkt der laufenden Berichtsaison in den USA und in Europa. Lesen Sie nun im Folgenden die Quartalszahlen aus „unseren“ Unternehmen.


Überraschung: Qualcomm holt Huawei als Kunden zurück

Der US-Chipdesigner Qualcomm musste im abgelaufenen Quartal einen satten Rücksetzer sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn hinnehmen. So sank der Umsatz um fast 50 % von 9,6 Milliarden auf 4,9 Milliarden US-Dollar. Auch der Gewinn je Aktie war deutlich rückläufig. Allerdings gelang es dem US-Unternehmen die Analystenerwartungen deutlich zu übertreffen. So schaffte man einen Gewinn je Aktie in Höhe von 0,86 US-Dollar. Die Analysten hatten im Durchschnitt lediglich 0,72 US-Dollar je Aktie prognostiziert. Schon allein diese Tatsache war natürlich für einen interessanten Kurssprung gut.

Aber dann kam es noch besser für uns. So hat Qualcomm seinen schwelenden Patentstreit mit dem China-Monopolisten Huawei beigelegt. So werden die Chinesen nachträglich 1,8 Milliarden US-Dollar an Qualcomm überweisen. Zudem haben sich beide Seiten darauf geeinigt, dass Huawei auch künftig Qualcomm-Technologie im Rahmen einer mehrjährigen Lizenzvereinbarung nutzen wird.

Dieser neue Lizenzvertrag war am Markt in der Form nicht erwartet worden. Schließlich hatte die US-Regierung den Verkauf von 5G-Patenten nach China ausdrücklich untersagt. Nun stellt sich heraus, dass die Qualcomm-Lobbyisten für das Unternehmen in Washington eine Sondergenehmigung erwirkt haben. Damit bedient Qualcomm nun ausnahmslos alle führenden Smartphone-Hersteller von Apple über Samsung bis Huawei. Das unterstreicht erneut, dass auch Eigenentwicklungen der Smartphone-Hersteller, die es ja durchaus gibt, den Snapdragon-Chips der Qualcomm das Wasser nicht reichen können.

Wir bleiben zunächst weiterhin investiert.

Chartkommentar: Die Qualcomm-Aktie hat nach dem jüngsten Kursausschlag ein neues Allzeithoch markiert. Ich erwarte, dass sich der Tech-Titel in den kommenden Wochen etwas setzen wird. Dann werde ich die Aktie wieder zum Kauf stellen.


Linde bleibt trotz Corona-Krise auf Wachstumskurs

Der deutsch-amerikanische Gasespezialist Linde musste im abgelaufenen Quartal einen Umsatzrückgang in Höhe von 11 % auf 6,4 Milliarden US-Dollar hinnehmen. Dabei gelang es dem Unternehmen allerdings die Margen, sprich die Produktpreise, weiter zu verbessern bzw. zu erhöhen. So lag der Gewinn pro Aktie (1,90 USD) 4 % über dem Vorjahreswert. Auch für das Gesamtjahr erwartet die Unternehmensführung ein anhaltendes Gewinnwachstum in der Spanne zwischen 4 und 6 %.

Unter dem Strich hat Linde die Analystenerwartungen leicht übertroffen. Dennoch verlor die Aktie nach Bekanntgabe der Quartalszahlen. Hier muss man allerdings das Gesamtbild sehen. So setzten die Gewinnmitnahmen ein, nachdem die Linde-Aktie zuvor ein neues Allzeithoch erklommen hatte. In dieser Situation darf man schon einmal verkaufen.

Auch hier bleiben Sie einfach investiert. Ich erwarte, dass die Linde-Aktie spätestens im kommenden Jahr nochmals signifikant anzieht. Denn dann sollen in den USA erstmals in größerer Stückzahl Wasserstoff-Lkws über die Highways rollen. Meines Erachtens ist diese Perspektive noch nicht im Kurs berücksichtigt.


VW meldet Milliardenverlust – Dividende wird nicht erhöht

Erwartungsgemäß hat der deutsche Autobauer VW aus dem abgelaufenen Halbjahr sehr schwache Geschäftszahlen gemeldet. Die Bänder standen in den diversen Produktionsstätten weltweit vor allem im Zeitraum März und April still. In der Folge sank der Umsatz um 23 % auf 96 Milliarden Euro. Gemessen an der Stückzahl sank der Absatz in diesem Zeitraum sogar um 27 % auf 3,9 Millionen Einheiten.

Unter dem Strich mussten die Norddeutschen einen operativen Verlust von 1,4 Milliarden Euro hinnehmen. Im Vorjahreszeitraum schaffte Wolfsburg noch einen Rekordgewinn von fast 10 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund wird die Unternehmensführung auch auf die ursprünglich geplante Dividendenerhöhung verzichten. Stattdessen wird man der Ende September anstehenden (virtuellen) Hauptversammlung lediglich eine Dividende auf Vorjahresniveau in Höhe von 4,86 Euro je Vorzugsaktie vorschlagen.

Fazit: Die Zahlen lesen sich nicht angenehm für uns. Gleichwohl sehe ich den Autobauer auf Kurs. Dabei hat man im Vergleich zur deutschen Konkurrenz zwei Asse im Ärmel: Einmal das inzwischen wieder expandierende China-Geschäft (40 % vom Konzernumsatz). Daneben bringt VW in den kommenden Monaten die Elektro-Modelle ID.3 und ID.4 auf den Markt und zeigt sich in punkto Technologie wieder auf der Höhe der Zeit.

Ich rate Ihnen, an der Aktie zunächst festzuhalten.

Zum Abschluss noch eine Bemerkung zum Trenddepot: Aufgrund der unklaren Marktlage habe ich mich entschieden, zunächst alle Titel des Trenddepots auf Halten zu stellen. Ich bin mir bewusst, dass diese Maßnahme besonders für Sie als Neuleser undankbar ist. Sie sind frisch zu diesen Dienst hinzugestoßen und wollen nun richtig in die Vollen greifen und dürfen nicht. Beachten Sie allerdings bitte, diese Zurückhaltung meinerseits ist vorübergehend und daneben nur zu Ihrem Schutz. Ich möchte nicht, dass Sie jetzt eine Aktie kaufen, die Sie in vier Wochen billiger erwerben werden.



Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval