Lieber Leser,

in dieser Woche entwickelten sich die internationalen Aktienmärkte mehrheitlich positiv. So rückte der DAX bislang um rund 2 % vor, während sich der NASDAQ 100 zur Vorwoche um etwas über 3 % verteuerte. Es waren vor allem recht gute Konjunkturdaten, die dem Markt halfen. So steigerte China die Exporte im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 %. In Deutschland legten die Exporte im Juni im Vergleich zum Vormonat sogar um 14,9 % zu. Das nährt die Hoffnung, dass die globale Konjunkturerholung anhält, selbst wenn der Virus noch nicht besiegt ist.

Zudem präsentierten in dieser Woche erneut zahlreiche Unternehmen die Geschäftszahlen aus dem abgelaufenen Quartal. Dabei fällt das Zahlenwerk nicht unisono gut aus. Aber die Investoren schauen genau hin und schätzen corona-bedingte Belastungen lediglich als Einmaleffekt ein. Wie das Beispiel Disney zeigt.


Disney holt 60 Millionen Neukunden in 8 Monaten

Erwartungsgemäß rutschte das Unterhaltungs-Unternehmen Walt Disney im vergangenen Quartal tief in die roten Zahlen. Große Teile des operativen Geschäfts – wie etwa die Themenparks, Ferienresorts oder Disney-Kreuzfahrten – standen oder stehen immer noch still. So meldete das Unternehmen einen Verlust von über 4,7 Milliarden USD, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 1,4 Milliarden USD angefallen war. Insgesamt bezifferte die Unternehmensführung die Kosten bzw. Umsatzeinbußen der Corona-Krise auf 3,5 Milliarden USD.

Inzwischen haben drei Themenparks – Shanghai, Hong Kong und Orlando in Florida – wieder teilweise eröffnet. Aufgrund des scharfen Anstiegs der Neuinfektionen in Florida ist die letzte Wiedereröffnung der Anlage bei Orlando bislang allerdings noch kein besonderer Erfolg.

Auf der anderen Seite meldete das US-Unternehmen nun über 60 Millionen Kunden für den vor 8 Monaten eröffneten Streaming-Dienst Disney +. Zum Vergleich: Konkurrent Netflix hat 8 Jahre für diese Marke gebraucht. Und die Disney-Strategen sind der Meinung, dass sich kurzfristig das starke Kundenwachstum beim Streaming-Dienst fortsetzen wird. Schließlich bringt man nun die zuvor mehrfach verschobene Neuauflage des Zeichentrick-Märchens „Mulan“ auf die Video-Plattform. Zur Information: Es sind immer sind diese Blockbuster-Filme, die für die Streaming-Dienste die Neukunden in großen Wellen bringen.

Fazit: Das konventionelle Disney-Geschäft bleibt erst einmal weiter schwierig. Hier wissen die Investoren, dass sie noch Geduld brauchen. Trotzdem entwickelte sich die Aktie zuletzt freundlich. Denn am Markt sticht derzeit die Story Streaming-Dienst. Hier sieht der Markt – wohl nicht ganz zu Unrecht – den großen Wachstumsmotor für das US-Unternehmen.

Wir können also weiter investiert bleiben und hoffen, dass sich der Virus nun allmählich zurückzieht, damit der Disney-Motor wieder auf allen Zylindern läuft.


Cyber-Ark: Erwartungen übertroffen, aber nur vorsichtiger Ausblick

Das israelisch-amerikanische Software-Unternehmen CyberArk steigerte im abgelaufenen Quartal den Umsatz um 6 % auf 106 Millionen USD. Der Gewinn hingegen sank um 29 % auf 0,42 USD je Aktie. Damit blieb man bei beiden Kennzahlen über den Erwartungen der Analysten.

Gleichwohl geriet die Aktie nach Veröffentlichung der Geschäftszahlen spürbar unter Verkaufsdruck. Denn CyberArk äußerte sich zurückhaltend zum laufenden Quartal. Hier rechnet man maximal mit einem Gewinn je Aktie in Höhe von 0,33 USD bei Umsatzerlösen von rund 111 Millionen USD.

Hier bin ich nicht zufrieden. Derzeit zählt CyberArk zu den wenigen digitalen Geschäftsmodellen, die nicht wirklich profitieren. Möglicherweise müssen wir hier nächstens anders planen. Zunächst rate ich Ihnen, noch an der Aktie festzuhalten.

Chartkommentar: Ungeachtet der letzten Kursschwäche befindet sich die Aktie seit März in einem recht stabilen Aufwärtstrend, den ich hier grün eingezeichnet habe. Auch das zeigt, dass wir zunächst noch nicht verkaufen müssen.