Lieber Börsianer,

die spätsommerliche Hausse geht weiter. Auch in dieser Woche rückten die wichtigen Aktien-Indizes erneut voran. So verteuerten sich US-Aktien (NASDAQ 100 und S&P 500) um rund 3 %, der DAX schaffte etwas über 2 %.

Im Hintergrund treibt der anhaltende Corona-Optimismus die Märkte. Man geht davon aus, es wird keinen erneuten Stillstand geben. Europa hat das Infektionsgeschehen ungefähr im Griff und nun enden die Sommerferien. Das heißt, die innereuropäische Mobilität der Menschen wird wieder zurückgehen. Die Gefahr einer unkontrollierten Übertragung des Virus über die nationalen Grenzen hinweg ist also nur noch gering. Unterdessen melden die USA nun schon seit rund 4 Wochen rückläufige Fallzahlen. Auch das nährt die Hoffnung, dass das Virus die laufende Erholung der US-Wirtschaft nicht mehr gefährden kann.

Zudem sorgte die US-Notenbank Fed in dieser Woche für gute Laune unter den Investoren. So werden die US-Währungshüter von ihrem bisherigen starren Inflationsziel von 2 % nun abrücken. Stattdessen wird man das Inflationsziel über einen längeren Zeitraum in den Blick nehmen und einen geglätteten Durchschnittswert heranziehen.

Was bedeutet das für uns konkret? Die US-Notenbank wird die Zügel der Geldpolitik auch dann zunächst noch nicht anziehen, wenn die Konjunktur spürbar anspringt. Die Aktienmärkte werden also auch in den nächsten Monaten von den Niedrigzinsen der USA profitieren. Lediglich für die europäischen Exporteure hat diese Nachricht auch eine problematische Dimension. Die ultralockere Geldpolitik der Fed setzt den US-Dollar im internationalen Währungsmarkt zu. 6,5 % verlor die US-Währung folglich etwa gegen den Euro in den letzten 12 Monaten. Vereinfacht gesprochen bedeutet das: 6,5 % weniger Gewinn im US-Geschäft für europäische Exporteure.


Walmart greift nach Videoplattform TikTok

Kürzlich hat US-Präsident Donald Trump aus sicherheitspolitischen Erwägungen den Betrieb der populären Videoplattform TikTok in den USA faktisch untersagt. TikTok erfreut sich seit rund 2 Jahren großer Beliebtheit vor allem unter Teenagern und verdrängte in dieser Altersgruppe sogar Anwendungen wie YouTube. Bislang wurde die Anwendung weltweit bereits 2 Milliarden Mal aus dem Internet heruntergeladen. Dem chinesischen Betreiberunternehmen Bytedance wird in Washington allerdings eine gewisse Staatsnähe unterstellt. Deshalb müssen die Chinesen ihre US-Aktivitäten nun bis Mitte September aufgeben bzw. veräußern.

Die Internet-Unternehmen des Silicon Valley – wie etwa Twitter, Facebook oder Alphabet – sind natürlich an der chinesischen Plattform sehr interessiert. Und in der vergangenen Woche hat nun Walmart seinen Hut ebenfalls in den Ring geworfen und wird gemeinsam mit Microsoft für TikTok bieten. Bislang fordert Bytedance für seine US-Aktivitäten rund 30 Milliarden US-Dollar.

Die Preisvorstellung erscheint mir doch überzogen. Gleichwohl ist klar, Walmart und Microsoft bringen selbst solche Summen quasi aus der Portokasse auf. Ich bin überzeugt, wenn das Duo Ernst macht, wird an ihm kaum ein Weg vorbeiführen.

Für Walmart wäre der Einstieg in eine Videoplattform ein weiterer Meilenstein auf seinem Weg zur Digitalisierung. Dabei ist der US-Einzelhändler natürlich besonders an der Werbereichweite der TikTok-Plattform interessiert. Mittelfristig soll TikTok allerdings auch als eigenes Produkt aufgewertet werden und eigene Umsätze für Walmart generieren.

Wir werden hier Zeuge, wie ein traditionsreiches Unternehmen aus der Old Economy planvoll die Digitalisierung vorantreibt und sich auf diese Weise neues Wachstumspotenzial erschließt. Wir bleiben bis auf Weiteres investiert.


Encavis arbeitet an Kursverdopplung Die Aktie des Betreibers von Solar- und Windkraftanlagen, Encavis, kam in der vergangenen Woche erneut spürbar voran und verteuerte sich unter dem Schnitt um fast 7 %. Damit peilt Encavis nun im Trenddepot als erste Position die Kursverdopplung an. Derzeit liegt die Encavis-Aktie rund 96 % im Plus. Vergleichen Sie im Folgenden dazu auch den 1-Jahreschart.

Walmart auf dem Weg zum Internet-Unternehmen

Zuvor hatte das Unternehmen wieder einmal sehr solide Geschäftszahlen gemeldet. So steigerte man den Umsatz im ersten Halbjahr um 8 % auf fast 155 Millionen Euro. Das operative Ergebnis hingegen war leicht rückläufig. Hier wirkten einige Einmaleffekte. Zum ersten hatte Encavis im Vorjahreszeitraum Sondererträge aus dem Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an einem Windkraftpark erzielt. Ferner waren heuer die meteorologischen Bedingungen zwar günstig, allerdings nicht so perfekt wie im Vergleichszeitraum. Rechnet man diese Einmaleffekte heraus, hätte Encavis das operative Ergebnis im Gleichklang mit dem Umsatz um 8 % gesteigert.

Außerdem wichtig: Die beiden spanischen Solarprojekte Talayuela und La Cabrera werden ungeachtet des zwischenzeitlichen Stillstands, der in Spanien zeitweise auch die Baubranche erfasst hatte, fristgerecht fertiggestellt und werden damit wie geplant noch in diesem Jahr ans Netz gehen. Allerdings musste Encavis hier nochmals 500.000 Euro in die Hand nehmen, um den zwischenzeitig eingetretenen Baurückstand wieder aufzuholen.

Besonders Talayuela ist für Encavis von enormer Bedeutung. Die Anlage wird gemessen an ihrer Kapazität mit zu den größten Solaranlagen Europas gehören und Encavis im kommenden Jahr in ganz neue Umsatzdimensionen befördern.

Meine Empfehlung ist klar: Wir bleiben in dieser Kursrakete investiert.

Bitte beachten Sie abschließend, dass meine wöchentliche Aussendung am nächsten Freitag, den 4. September ausnahmsweise entfällt. Von mir lesen Sie also planmäßig wieder am Freitag, den 11. September.



Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval