Lieber Börsianer,

der Aktienmarkt ist gegenwärtig zweigeteilt. So schwächeln die Tech- und Wachstumsaktien des NASDAQ. Hier führen die Leuchtturm-Unternehmen wie Apple, Amazon oder Microsoft gegenwärtig die Korrektur an. Auf der anderen Seite halten sich die Standardaktien der Old Economy recht wacker.

So blieben unsere eher konservativen Depotpositionen wie Walmart, Disney oder VW unberührt von der laufenden Korrekturwelle. VW legte auf Wochensicht bislang sogar fast 8 % zu. Hier sorgte der deutsche Autogipfel für Aufmerksamkeit für die deutschen Autobauer. Dazu gleich mehr.

Meine Prognose für die kommenden Wochen: Letztlich ist die laufende Korrekturwelle eine gesunde Bewegung. Aktien wie die eingangs erwähnten Apple oder Amazon hatten seit dem März-Tief mächtig – nämlich im Schnitt rund 80 % – zugelegt. Hier haben wir es einfach kurzfristig übertrieben. Besonders das Technologie-Segment war eindeutig überkauft. Auch derzeit ist die Überbewertung in diesem Segment noch nicht ausreichend abgebaut.

Ich bin allerdings optimistisch, dass wir lediglich eine begrenzte Zwischenkorrektur sehen, die im 4. Quartal ausgestanden sein sollte. Außerdem bin ich zuversichtlich, dass die Korrektur nicht nennenswert auf die Standard-Indizes wie den Dow Jones oder den DAX übergreift. Gerade im DAX entdecke ich momentan viele Titel wie BASF, Fresenius oder auch Siemens, die ich für günstig bewertet halte.

Das ist jetzt zu tun: Verkaufen Sie CyberArk!

Ich werde nun die Aktie der CyberArk veräußern. Schon die letzten Quartalszahlen waren unbefriedigend. Offensichtlich profitiert das digitale Geschäftsmodell des Software-Unternehmens nicht wirklich von der Corona-Pandemie. Daneben ist es für uns sinnvoll, das Risiko im Technologie-Segment kurzfristig etwas zu reduzieren. Die Mittel aus diesem Verkauf werden wir dann Ende September anderweitig im Markt unterbringen, sobald die Korrektur der Tech-Aktien abgeschlossen sein wird.

Verkaufen Sie die Aktie in New York zu Kursen ab 101 US-Dollar (Verkaufslimit). Handeln Sie hierzulande setzen Sie das Verkaufslimit bei (umgerechnet) 84,90 Euro.

Was läuft da zwischen Tesla und VW?

Sicherlich haben Sie den Medien entnommen, dass Tesla-Chef Elon Musk jüngst durch Deutschland tourte. Dabei vergewisserte er sich natürlich über den Baufortschritts des neuen Tesla-Standortes Grünheide in Brandenburg. Ferner machte er einen Abstecher nach Braunschweig und unternahm gemeinsam mit dem VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess eine kleine Spritztour im neuen VW ID.3. Offenbar verstanden sich die beiden Autobosse prächtig.

Daraufhin kamen am Markt Gerüchte auf, dass VW und Tesla eine Kooperation vorbereiten. Nur wenig später wurde bekannt, dass in den USA künftig der Lkw-Bauer und Wasserstoff-Spezialist Nikola sowie der konventionelle US-Autobauer General Motors (GM) umfassend zusammenarbeiten werden. Die Allianz wird dabei durch eine Kapitalbeteiligung in Höhe von 11 % von GM an Nikola strategisch abgesichert. In der Folge eskalierte die Nikola-Aktie und verteuerte sich auf Tagesbasis zeitweise um über 40 %. Mehr zu diesem Coup der beiden US-Autobauer lesen Sie am kommenden Montag auch in den Premium-Chancen, wo ich die Nikola-Aktie im NextGeneration-Depot halte.

Nicht wenige Analysten sind der Meinung, dass die Allianz GM-Nikola für Tesla eine ernste Gefahr sein kann. Vor diesem Hintergrund rechnet man am Markt damit, dass sich Tesla ähnliche Unterstützung besorgen wird. Zunächst hat VW-Chef Diess diese Erwartungen allerdings gedämpft und entsprechende Gerüchte dementiert.

Wenig belastbare Resultate brachte indessen der sog. Autogipfel, zu dem die Bundesregierung jüngst Vertreter der Gewerkschaften sowie der Autobranche geladen hatte. Man einigte sich lediglich darauf, nächstens finanzielle Hilfen für die angeschlagenen deutschen Autozulieferer zu prüfen. Eine Kaufprämie diesmal auch für Pkws mit konventionellen Verbrennungsmotoren scheint noch nicht endgültig vom Tisch zu sein. Hier trommelt besonders die bayerische Staatsregierung.

Wie auch immer diese Frage entschieden wird, Berlin tut gut daran, hier nächstens für die deutschen Autofahrer Klarheit zu schaffen. Denn niemand kauft derzeit ein neues Auto, solange die Hoffnung auf eine solche Subvention besteht. Das ist kontraproduktiv für die Branche. Die Bundesregierung wird im November zum nächsten Autogipfel laden.

Chartkommentar: Die VW-Aktie ist in der vergangenen Woche auf eine obere Begrenzung bei rund 150 Euro aufgelaufen, die ich im Chart mit rot eingezeichnet habe. Im gegenwärtig durchwachsenen Marktumfeld dürfte der Titel diesen technischen Widerstand kaum spontan nachhaltig „knacken“. Generell müssen wir diesen oberen Widerstand allerdings nicht überschätzen. Mit ein bisschen Rückenwind vom Gesamtmarkt wird die VW-Aktie dann im Oktober weiter zulegen.

Wir halten an der VW-Aktie unverändert fest. Sobald die Aktie den zuvor beschriebenen Widerstand bei 150 Euro nachhaltig bricht, werde ich die Auto-Aktie wieder zum kauf empfehlen

DIC Asset nutzt Zinstief zur Verbesserung der Schuldenstruktur

Das Immobilien-Unternehmen DIC Asset plant die Begebung einer unbesicherten Anleihe, die mit dem Investment-Grade BBB- von Standard & Poor´s ausgestattet sein wird. Insgesamt möchte das Unternehmen im Rahmen dieser Transaktion bis zu 500 Millionen Euro Fremdkapital aufnehmen. Dabei soll ein Teil der Anleiheemission (180 Millionen Euro) zur vollständigen oder vorfristigen Tilgung einer laufenden Anleihe verwendet werden. Diese Anleihe mit der Fälligkeit Juli 2022 ist noch mit einem Zinskupon von 3,25 % ausgestattet und daher für DIC Asset vergleichsweise teuer.

Derzeit sondiert ein von DIC beauftragtes Bankenkonsortium den Markt und hat zu diesem Zweck ausgesuchte Profi-Investoren kontaktiert. Am Ende sollte bei der Anleihe – je nach Laufzeit – eine 2 vor dem Komma stehen, sodass DIC Asset seine Last aus den laufenden Zinszahlungen um bis zu 1,8 Millionen Euro pro Jahr senken wird. Damit profitiert der Immobilien-Spezialist taktisch klug vom aktuellen Zinstief.

Beachten Sie bitte: In der August-Ausgabe hatte ich die nun abzulösende Anleihe (WKN: A2GSCV5) als Alternative zur Aktie erwähnt. Aufgrund der bevorstehenden vorzeitigen Tilgung der Anleihe ist dieses festverzinsliche Wertpapier für uns nun kein Kauf mehr. Eine Zeichnung der neuen DIC-Anleihe ist aufgrund der deutschen Anlegerschutz-Bestimmungen leider für Privatanleger nicht möglich. Allerdings können Sie das Papier nach seiner Emittierung über die Börse erwerben. Eine Wertpapier-Kennnummer wurde noch nicht vergeben.

Die Aktie der DIC Asset AG empfehle ich unverändert ohne Limit etwa auf Xetra oder Tradegate zum Kauf, sofern Sie bislang noch nicht investiert sind. Die entsprechende Kennnummer entnehmen Sie bitte der nachfolgenden Depotübersicht. Mit dieser Aktie holen Sie sich Stabilität ins Depot und haben auf Basis des letzten Kurses Chance auf eine überdurchschnittliche Dividende in Höhe von rund 6 %.



Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval