Lieber Börsianer,

die europäische Berichtsaison ist recht verheißungsvoll gestartet. So meldete der Luxusmarkensammler LVMH aus Frankreich vernünftiges Zahlenwerk. Zwar war der Umsatz im abgelaufenen Quartal nochmals rückläufig (-7 %). Im Corona-Quartal freilich büßten die Franzosen, die für Marken wie Veuve Clicquot, Hublot oder Louis Vuitton bekantn sind, beim Umsatz satte 38 % ein. Die negativen Auswirkungen der Pandemie auf die Kauflaune der Konsumenten haben also zumindest

In Deutschland überzeugten die vorläufigen Zahlen des Autobauers Daimler. Die Schwaben erwirtschafteten im letzten Quartal einen operativen Gewinn in Höhe von 3 Milliarden Euro und blieben damit deutlich über den Markterwartungen.

Leider holt uns nun die Brexit-Problematik wieder ein. In dieser Woche verhandelten die 27 Regierungs- und Staatschefs der EU wieder einmal vergeblich. Im Kern bleiben den Verhandlern nun noch rund 2 Wochen, um zum Jahresende den geordneten Austritt Großbritanniens aus der EU zu bewerkstelligen.

Unterdessen rollt die Corona-Welle mit neuer Wucht durch Europa. In dieser Woche sind zahlreiche Kantone in der Schweiz umgekippt oder etwa der Osten Frankreichs (Grand Est). Damit erleben wir eine weiche Schließung der europäischen Grenzen, die besonders die touristischen Standorte treffen wird. Sie dürfen schon noch nach Paris oder an den Genfer See verreisen. Nur hernach machen Sie bei der Wiedereinreise nach Deutschland Bekanntschaft mit Ihrem örtlichen Gesundheitsamt und dürfen sich in eine zweiwöchige Quarantäne begeben.

Unter dem Strich präsentierten sich daher vor allem die europäischen Börsen weich. Der DAX oder der Schweizer SMI-Index verloren auf Wochensicht bis jetzt rund 2 %. Etwas stärker waren die US-Märkte. Dort hielt sich der S&P 500 stabil, während der NASDAQ 100 sogar etwa 1,4 % zulegte.

Im Trenddepot profitierten wir somit wieder einmal von unserer Übergewichtung des US-Marktes. So kamen unsere US-Positionen wie etwa Qualcomm, Disney oder Verisk auf Wochensicht angenehm voran. Im Folgenden lesen Sie nun die wichtigsten Nachrichten aus den Unternehmen.

Qualcomm ergattert neuen Auftrag von Nokia

Der finnische Telekom-Ausrüster Nokia wird seine 5G-Innenraumanwendung (5G Smart Node) mit einem Qualcomm-Modem (5G RAN Platform) ausstatten. Diese Nokia-Geräte verstärken und verteilen 5G-Signale in geschlossenen Räumen. Üblicherweise verliert ein Mobilfunksignal bei der Durchdringung etwa einer Hausfassade an Kraft, sodass der Nutzer die volle Bandbreite nicht ausschöpfen kann. Nokia geht davon aus, dass rund 80 % der 5G-Signale in geschlossenen Räumen empfangen werden. Hier frischt dann die Smart Node-Anwendung das 5G-Signal wieder auf.

Die Anwendung ist gleichermaßen für Privatkunden wie auch kleine Unternehmen gedacht. Die Smart Nodes sollen zum ersten Quartal 2021 ausgeliefert werden. Mit dem Nokia-Auftrag zementiert das US-Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung im Segment der Kommunikations-Chips und Modems.

Unterdessen hat Qualcomm die nächste Quartalsdividende angekündigt. Danach wird Ihrem Depotkonto am 17./18. Dezember eine Ausschüttung in Höhe von 0,65 USD je Aktie zufließen. Dann werden die Amerikaner im Gesamtjahr eine Dividende in Höhe von 2,60 USD je Aktie ausgeschüttet haben. Auf Basis unseres Einstandskurses von 71,58 USD entspricht dies einer Dividendenrendite von 3,6 %. Damit liefert uns das US-Unternehmen neben einer starken Kursentwicklung von bisher 64 % auch noch eine sehr anständige und daneben stabile Dividende pro Jahr. Betrachten Sie bitte auch den folgenden Chart!

Ich setze darauf, dass 5G-Aktien auch im kommenden Jahr an der Börse gefragt bleiben. Schließlich starten erst dann die diversen neuen Hardware-Anwendungen wie z. B. die Smart Nodes von Nokia oder das neue 5G-fähige iPhone von Apple in den Endkundenmarkt. Wir bleiben also investiert (Halten).

Verisk: Telematik-Plattform Data Exchange in den USA gefragt

Künftig wird Ford seine Modelle bauseitig mit einer Telematik-Anwendung der Verisk Analytics ausstatten. Diese internet-gestützten Anwendungen übertragen dabei laufend Daten an den Kfz- Versicherer des Autofahrers. Zu Deutsch: Wenn Sie gerne einmal temperamentvoll auf das Gaspedal steigen und bei der Auslegung von Geschwindigkeitsbegrenzungen flexibel agieren, steigt Ihre jährliche Versicherungsprämie. Bevorzugen Sie hingegen eine eher defensive Fahrweise, sinkt Ihre Haftpflichtprämie. Auch hierzulande bieten Versicherer wie etwa die Allianz solche Fahrstil-basierten Tarife an (Pay as you drive).

In den USA nutzen derzeit rund 6,6 Millionen Autofahrer die Telematik-Plattform Data Exchange der Verisk Analytics. 200.000 Versicherte stoßen derzeit jeden Monat neu dazu. Hierzulande entscheidet jeder Autofahrer hersteller- und modellunabhängig über eine Teilnahme an einem solchen Programm. In den USA hingegen sind diese Telematik-Anwendungen an das Modell gebunden. So ist es für Verisk ein schöner Erfolg, dass nun auch der Massenhersteller Ford der Data Exchange-Plattform beigetreten ist.

Ich empfehle die Aktie der Verisk unverändert zum Kauf. Fassen Sie in New York zu Kursen bis 183 USD oder hierzulande zu 156,20 Euro zu, sofern Sie in der Aktie des Risikospezialisten noch nicht investiert sind.

DIC Asset sagt Begebung einer neuen Unternehmensanleihe zunächst ab

Das Immobilienunternehmen DIC Asset wird nicht wie ursprünglich geplant eine neue Unternehmensanleihe im Volumen von bis zu 500 Millionen Euro begeben. Mit der neuen Anleihe sollten zunächst Verbindlichkeiten aus einer bestehenden Anleihe (Restlaufzeit: 1,7 Jahre) in Höhe von 180 Millionen Euro vorzeitig getilgt werden. Das übrige Fremdkapital sollte für Investitionen und andere Unternehmenszwecke eingesetzt werden.

Offensichtlich konnte sich DIC nicht mit der Gläubigerseite auf die Konditionen der neuen Anleiheemission einigen. Sehr wahrscheinlich kam man bei den Zinskonditionen nicht zusammen. Damit kann das Immo-Unternehmen die eingeplante Einsparung bei der laufenden Zinsbelastung noch nicht realisieren. Aktuell bezahlt DIC für die erwähnte Bestandsanleihe einen Zinskupon in Höhe von 3,25 % oder 5,85 Millionen Euro pro Jahr. Ich gehe allerdings davon aus, dass DIC Asset im kommenden Jahr hier einen neuen Anlauf starten wird. Vor dem Hintergrund der zweiten Corona-Welle war der Zeitpunkt für diese Transaktion ungünstig.

Die Finanzierung des laufenden Geschäftes sehe ich nicht in Gefahr. Die verschobene Anleiheemission wirkt sich allerdings kurzfristig ungünstig auf das Wachstum des Immobilienspezialisten aus. Daher stufe ich die Aktie vorübergehend auf Halten herab. Sobald ich eine Besserung an der „Corona-Front“ sehe, kann ich den Immo-Titel wieder zum Kauf empfehlen.

Von mir lesen Sie planmäßig wieder am kommenden Freitag, den 23. Oktober. Die November-Hauptausgabe geht Ihnen dann per E-Mail am 27. Oktober zu.

Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende


Alexander von Parseval