Lieber Börsianer,

es war eine Börsenwoche wie aus dem Bilderbuch. Der Gesamtmarkt schob mächtig an, und dann legten auch noch unsere Depotpositionen Qualcomm, Linde, VW und Verisk teils exzellentes Zahlenwerk zum abgelaufenen Quartal vor. Folglich rückten Titel wie Linde oder Qualcomm auf Wochensicht prozentual zweistellig vor. Dazu später mehr.

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen, dass der Demokrat Jo Biden das Rennen um die US-Präsidentschaft machen wird. Hier werden wir sehr wahrscheinlich noch im Verlauf des Tages Gewissheit haben.

An der Wall Street ist man froh, dass der von beiden Seiten emotional geführte Wahlkampf nun vorüber ist. Man setzt darauf, dass die Parteien nächstens wieder zur Tagespolitik zurückkehren werden. Der republikanische Mehrheitsführer im US-Senat, Mitch McConnell, stellte bereits in Aussicht, dass man die vor den Wahlen unterbrochenen Verhandlungen für neue Konjunkturprogramme nun wieder rasch aufnehmen wird. Dabei gab er sich sachlich und konstruktiv und deutete Zugeständnisse an die demokratische Seite an. Möglicherweise kann damit noch unter der aktuellen Präsidentschaft Trump ein neues Corona-Hilfspaket auf dem Weg gebracht werden. Solche Nachrichten schätzt man an der Börse.

So rückte der NASDAQ 100-Index auf Wochensicht rund 9 % vor, während sich der DAX hierzulande um knapp 8 % verbesserte und dabei auch die technisch bedeutsame Kursmarke von 12.000 Punkten mit Leichtigkeit zurückgewann. Es ist noch zu früh, von den jüngsten Kurssteigerungen gleich auf eine neue Haussephase zu schließen. Tatsache ist allerdings: Die Gefahr einer ausgedehnten Korrektur, die sich zuvor angedeutet hatte, ist nun gebannt. In den kommenden Tagen und Wochen warten die Analysten und Investoren nun darauf, welchen wirtschafts- und steuerpolitischen Weg der neue Präsident einschlagen wird.

Dabei sind die Investoren darauf vorbereitet, dass unter einem demokratischen Präsidenten wahrscheinlich Teile der Trump´schen Steuerreform zurückgedreht werden. Beobachter rechnen damit, dass der Satz der Unternehmenssteuer – hierzulande ungefähr mit der Körperschaftssteuer vergleichbar – von 21 auf 28 % steigen wird. Nach ersten Berechnungen würde ein solcher Schritt die Unternehmensgewinne um rund 9 % schmälern.

Man setzt allerdings darauf, dass die Demokraten diese Mittel postwendend über erhöhte Staatsausgaben in den Wirtschaftskreislauf zurückgeben werden. Außerdem haben Investoren die Hoffnung, dass gewisse Branchen – wie etwa Alternative Energien oder Neue Mobilität – in besonderem Maße von neuen Impulsen der demokratischen Präsidentschaft profitieren werden. Dazu lesen Sie nächstens mehr im RENDITE TELEGRAMM. Im Folgenden erläutere ich Ihnen die Quartalsergebnisse, die die Unternehmen des Trenddepot in den vergangenen Tagen vorgelegt haben.

Qualcomm profitiert von 5G-Boom und meldet Gewinnexplosion

Mittlerweile werden praktisch alle Smartphones des Premiumsegmentes und auch andere Endgeräte mit 5G-fähigen Kommunikations-Chips und Modems ausgerüstet. Zuletzt zog auch das Branchenschwergewicht Apple nach und stattet das neue iPhone 12 mit entsprechender Technologie aus dem Hause Qualcomm aus. Das hat sich im abgelaufenen Quartal eindrücklich in den Geschäftszahlen des US-Chipdesigners Qualcomm niedergeschlagen.

Der Marktführer steigerte im Vergleich zum Vorjahr den Umsatz um 35 % auf 6,5 Milliarden USD. Gleichzeitig meldete das US-Unternehmen eine veritable Gewinnexplosion. So steigerte man den bereinigten Gewinn um 86 % auf 1,45 USD je Aktie. Analysten hatten im Durchschnitt lediglich 1,17 USD je Aktie erwartet.

Noch besser: Die Wachstumsdynamik im US-Unternehmen hält unvermindert an. So prognostiziert die Unternehmensführung für das laufende Quartal einen Umsatz zwischen 7,8 Milliarden und 8,6 Milliarden USD. Das Zahlenwerk war in dieser Qualität vor dem Hintergrund der anhaltenden Corona-Pandemie nicht erwartet worden. Aber offenbar gilt bei Qualcomm derzeit eine einfache Regel: 5G schlägt Corona. Nach Bekanntwerden der Quartalszahlen zog die US-Aktie aus dem Stand spürbar an und schaffte auf Wochensicht ein Plus von 15 %. In den vergangenen 6 Monaten schaffte die Aktie für das Trenddepot inklusive Dividenden eine Wertentwicklung von rund 84 %.

Wir bleiben zunächst investiert und lassen den Kurs weiter reifen.

Milliardengewinn: Autobauer VW wieder auf der Überholspur

Der norddeutsche Autobauer meldete für das abgelaufene Quartal einen Gewinn in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Noch im Vorquartal mussten die Wolfsburger corona-bedingt einen satten Fehlbetrag von 1,6 Milliarden Euro verbuchen. Dabei erzielte der Autobauer einen Quartalsumsatz von knapp 60 Milliarden Euro und liegt damit nur noch rund 3,4 % hinter dem entsprechenden Vorjahreswert zurück. Somit knüpft der VW-Konzern zumindest auf Quartalsbasis gemessen an Umsatz und Gewinn wieder an den starken Vorjahreszeitraum an.

Gleichwohl herrscht in der Branche natürlich noch Unsicherheit, zumal die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens in Europa und den USA noch nicht verlässlich absehbar ist. VW hat allerdings jenseits der Corona-Problematik mindestens zwei Asse im Ärmel. So ist in den vergangenen Wochen das Elektromodell ID.3 in den Verkauf gestartet. Noch in diesem Jahr soll mit dem SUV-Modell ID.4 ein zweiter reiner Stromer in die Produktion starten. Damit besetzen die Wolfsburger mit zwei massenmarkt-fähigen Modellen den Wachstumsmarkt E-Mobilität. Im September eroberten E-Autos gemessen an den Neuzulassungen erstmals einen sehr anständigen Marktanteil von 8 %. Aus diesem Kuchen wird VW in den nächsten Monaten mächtig herausbeißen.

Ass Nr. 2: Bereits in der vergangenen Hauptausgabe hatte ich darauf hingewiesen, dass die nationalen Fahrzeugflotten in der EU und in den USA überaltert sind. Allein in den USA ist derzeit jeder vierte zugelassene Pkw mindestens 16 Jahre alt. In absoluten Zahlen entspricht dies 62,5 Millionen Autos, die in den nächsten Monaten und Jahren in den USA zur Entsorgung anstehen. Hier wird also ein mächtiger Nachfragedruck aufkommen.

Ich bestätige also meine Kaufempfehlung für die Aktie der VW. Fassen Sie zu Kursen bis 135 Euro (Kauflimit) auf Tradegate oder Xetra zu, sofern Sie bislang noch nicht engagiert sind.

Linde greift nach der DAX-Krone – Gewinnprognose angehoben

Der deutsch-amerikanische Spezialist für Industriegase, Linde PLC, musste im abgelaufenen Quartal einen kleinen Umsatzrückgang in Höhe von 2 % hinnehmen. Insgesamt erlöste das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 6,9 Milliarden USD. Den Gewinn je Aktie steigerte man hingegen um 11 % auf 2,15 USD. Dabei dürfte das Unternehmen im mittleren einstelligen Prozentbereich von der Abwertung des US-Dollar profitiert haben. Für das Gesamtjahr hat Linde seine Gewinnprognose erhöht. Man erwartet selbst unter ungünstigen Marktbedingungen einen Gewinn in Höhe von 7,60 USD je Aktie. Im Vorjahr verdiente man 7,34 USD je Aktie.

Leider weist das Unternehmen keine gesonderten Zahlen für das Wasserstoffgeschäft aus. Hier erklärte CEO Steve Angel in der Vergangenheit lediglich, dass man bereits heute mit der Produktion, Speicherung und Verteilung dieses Gases einen Jahresumsatz von rund 2 Milliarden USD erzielt. Man erwartet, dass man diesen Umsatz in Zukunft ungefähr vervierfachen wird. Dabei nannte der US-Manager allerdings keinen konkreten Zeitraum.

Unterdessen greift Linde nach der DAX-Krone. Derzeit bringt das deutsch-amerikanische Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 112 Milliarden Euro auf die Börsenwaage. Die aktuelle Nr. 1 des DAX, die SAP SE, wiegt derzeit 119 Milliarden Euro. Damit rückt ein „Wachwechsel“ im DAX näher, zumal die SAP-Aktie derzeit sehr weich notiert und in den letzten Wochen erheblich an Marktkapitalisierung eingebüßt hat. Dieser Kampf um die DAX-Krone ist natürlich teilweise eine „Medienspielerei“. Gleichwohl gilt, sollte Linde tatsächlich im DAX zum Schwergewicht Nr. 1 aufrücken, werden viele Fonds und ETFs in der Aktie entsprechend nachfassen. Das ist doch keine schlechte Perspektive für uns als Linde-Aktionär, oder?

Wir bleiben unverändert in der Linde-Aktie investiert.

Akamai startet zunächst schwach ins Depot – Aktie jetzt wieder erholt

Hier sind wir zunächst ziemlich kalt geduscht worden. Unmittelbar nachdem ich die Aktie der Akamai in das Trenddepot zu rund 101 USD aufgenommen hatte, sackte die Aktie des Internet-Dienstleisters spürbar ab. Was waren die Hintergründe?

Das US-Unternehmen hatte sehr angenehmes Zahlenmaterial vorgelegt. Man steigerte den Quartalsumsatz um 12 % auf 793 Millionen USD. Dabei war besonders die Sparte Cloud-Security erfolgreich. Hier expandierte man den Umsatz um 23 % auf 266 Millionen USD. Unter dem Strich verbesserte das US-Unternehmen den Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 159 Millionen USD (+15 %). Dabei blieb man bei allen Kennzahlen über den Markterwartungen.

Das Problem waren also weniger die Zahlen, sondern ein ausgesprochen weicher Gesamtmarkt. Die Investoren ignorierten dabei die Geschäftszahlen und prügelten kurzzeitig selbst beste Qualität in den Keller. In der vergangenen Woche hat sich der Wind gedreht, nachdem sich der Wahlsieg des Demokraten Joe Biden allmählich abzeichnet. Folglich kompensierte die Akamai-Aktie ihre Verluste und tendiert nun seit Depotaufnahme erstmals leicht im Plus.

Indessen hat das Unternehmen in seinem dezentralen Server-Netzwerk eine massive Ausweitung des Internetverkehrs gemessen. Die Wahlberichterstattung aus den USA wurde dabei offenbar weltweit über das Internet gestreamt. Dieser Effekt wird nun abnehmen. Dennoch geht das Unternehmen davon aus, dass das durchgeleitete Datenvolumen im Internet weiterhin erhöht bleiben wird, solange die Corona-Pandemie noch nicht abklingt. Nur zur Erinnerung: je mehr Datenvolumen im Internet, desto mehr Geld in den Kassen der Akamai.

Ich halte an meiner Kaufempfehlung für die US-Wachstumsaktie fest. Fassen Sie zu Kursen bis 104 USD in New York zu, sofern Sie noch nicht investiert sind. Hierzulande handeln Sie die Aktie bequem über Tradegate oder Xetra.

Verisk meldet erneut ganz solides Zahlenwerk – Aktie gefragt

Der Spezialist für Großrisiken, Verisk Analytics, meldete wieder einmal starkes Zahlenwerk aus dem abgelaufenen Quartal. Man steigerte den Umsatz um 7,6 % auf 703 Millionen USD, während der Gewinn je Aktie um fast 18 % auf 1,32 USD ausgeweitet werden konnte. Dabei zeigte sich das US-Unternehmen erwartungsgemäß als Corona-Profiteur, denn in dieser Situation braucht die Versicherungsbranche, also der wichtigste Kunde der Verisk, belastbares Zahlenmaterial und effiziente Risikomodelle.

Ein interessanter Befund: Bereits seit einigen Wochen entwickeln sich die Aktien der US-Versicherer ziemlich günstig, teilweise sogar besser als der S&P 500. Und dabei ist der Index, der mittlerweile von etablierten Technologie-Unternehmen wie Microsoft, Amazon oder Facebook wesentlich bestimmt wird, beileibe kein Schwach-Index. Hier zeigt sich also, die Investoren suchten zuletzt nicht einseitig Technologie, sondern streuten daneben auch in die Aktien von Unternehmen, die sich mit Risiko und seiner Bewertung auskennen. Von diesem Trend profitiert die Verisk-Aktie gegenwärtig und sehr wahrscheinlich auch künftig.

Ich bestätige daher die Kaufempfehlung für die US-Aktie und hebe das Kauflimit von 183 auf 195 USD an. Fassen Sie jetzt an der Börse New York zu, sofern Sie noch nicht investiert sind.



Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für Ihr Wochenende

Alexander von Parseval