Lieber Börsianer,

in dieser Woche entwickelten sich die Aktienmärkte vor allem in Europa stark. Der DAX etwa lag zuletzt auf Wochensicht rund 2,5 % im Plus. Noch stärker zeigten sich britische Aktien. Der Leitindex FTSE 100 rückte sogar um über 6 % voran. Nachdem der Brexit nun endgültig zum Jahreswechsel vollzogen worden ist, wissen die Investoren endlich woran sie sind. Diese Klarheit hilft britischen Aktien gegenwärtig.

Eher müde präsentierten sich bis dato die Aktien des NASDAQ-Segmentes. Der US-Technologie-Index rückte nur unwesentlich vor. Gefragt waren hingegen klassische Dividendenaktien. So verbesserte sich  der US-Dividenden-ETF des Trenddepots zur Vorwoche um 3,6 %.

Linde-Aktie gefragt – Wasserstoff-Boom geht in die Verlängerung

Die Aktie des Industriegase-Spezialisten Linde waren in dieser Woche gesucht. Unter dem Strich verteuerten sich die Papiere des deutsch-amerikanischen Unternehmens um über 4 %. Dabei profitierte der Titel von anhaltendem Boom um Wasserstoff-Aktien. Zwischen den Jahren stagnierten die Wasserstoff-Highflyer noch. Mittlerweile ist das Momentum in dieses Marktsegment wieder zurückgekehrt. So kam der einschlägige Wasserstoff-Index prozentual zweistellig voran.

Unterdessen hat Linde eine kleine Luftzerlegungsanlage in Litauen nach einer erfolgreichen Testphase in Betrieb genommen. Am Standort Kėdainiai sollen künftig rund 100 Tonnen Sauerstoff und Stickstoff für den baltischen Markt produziert werden.

Die betriebswirtschaftliche Bedeutung dieser Produktion hält sich im Gesamtkonzern in sehr konkreten Grenzen. Interessant ist freilich, dass die Anlage ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Quellen gespeist wird. Damit unterstreicht das Unternehmen erneut seine Kompetenzen im Anlagebau und zeigt zudem, dass man über Lösungen für eine CO2-freie Welt verfügt. Zur Abrundung dieser Meldung: Zur Jahreswende greift hierzulande die CO2-Abgabe auf fossile Energien.

Ungeachtet der günstigen Nachrichtenlage stufe ich die Aktie der Linde zunächst von Kaufen auf Halten herab. Derzeit notiert das Papier auf Allzeithoch. Auf diesem Niveau muss man jetzt nicht unbedingt kaufen. Ich halte an der Aktie bis auf Weiteres fest und lasse den schönen Buchgewinn von aktuell 32 % weiter reifen.

Recordati schwächelt ohne erkennbaren Grund

Zuletzt geriet die Aktie des Pharmaunternehmens Recordati unter Verkaufsdruck. Zur Stunde sind noch keine Nachrichten, die den Kursrückgang begründen, bekannt geworden. Deshalb gehe ich davon aus, dass es sich hier um eine zufällige Kursbewegung handelt, die nächstens an der Börse wieder ausgeglichen wird.

Dennoch suspendiere ich vorsichtshalber die Kaufempfehlung für die Aktie. Bestätigt sich meine Vermutung einer zufälligen Kursbewegung, werde ich den Titel wieder auf Kaufen heraufstufen. Denn solche Rücksetzer ohne fundamentale Begründung sind immer eine günstige Kaufgelegenheit.

Volkswagen stößt Tesla im Modellmarkt Norwegen vom Thron

Bekanntlich gilt Norwegen als der große Muster- und Modellmarkt für die Elektro-Mobilität in Europa. Anders formuliert: Das, was heute in Norwegen ist, wird in wenigen Jahren auch im Rest Europas Realität sein. Daher beobachten die Analysten die Entwicklung des dortigen Automarktes mit Argusaugen.

Erstmals wurden im vergangenen Jahr in dem skandinavischen Land mehr E-Autos als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen. Dabei profitierte zuletzt der norddeutsche Autobauer VW in besonderem Maße vom Boom der Stromer in Norwegen. Von den vier meist verkauften E-Autos stammen alleine zwei aus Wolfsburg bzw. Ingolstadt (Audi). Hier die Favoriten der Norweger im Neugeschäft:

  1. Audi e-tron
  2. Tesla Model 3
  3. VW ID.3
  4. Nissan Leaf
  5. VW Golf (konventionell)

Die neuen Absatzzahlen aus Norwegen deuten an, dass VW den US-Konkurrenten Tesla zumindest in Europa – gemessen an den neuzugelassenen Einheiten – bereits vom Thron gestoßen hat. Ich erwarte, dass VW noch in diesem Jahr zum größten E-Autobauer der Welt aufsteigen wird. Tesla wird sich bestenfalls im Premiumsegment behaupten. Dabei ist den Wolfsburgern der Einstieg in die E-Mobilität quasi im letzten Moment gelungen. Denn ab 2025 sollen im Mustermarkt Norwegen ausschließlich emissionsfreie Autos zugelassen werden.

Noch eine wichtige Information für Auto-Aktionäre: Derzeit wird in Brüssel die neue Euro-Abgasnorm 7 diskutiert. Ich urteile zurückhaltend: Sollten hier die Grenzwerte erneut sehr niedrig definiert werden, wird diese Abgasnorm ab 2025 das Ende des Verbrenners mindestens in der Ober- und Mittelklasse einleiten. Denn diese scharfe Abgasnorm werden absehbar nur noch Kleinwagen schaffen.

Ich bestätige meine Kaufempfehlung für die Vorzugsaktie der VW. Ich erwarte, dass man in Wolfsburg beim Umbau der Produktion in Richtung E-Mobilität weiter Vollgas geben wird.   

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

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Alexander von Parseval