Lieber Börsianer,

in dieser Woche schoben die Positionen DIC Asset und Walt Disney das Trenddepot spürbar an. Beide Aktien legten unter dem Strich jeweils fast 6 % zu. Unsere DAX-Schwergewichte VW, SAP und Linde hingegen stagnierten. Im deutschen Standardsegment fehlt gegenwärtig die ganz große Nachfrage. So kämpft der DAX hart mit der Marke von 14.000 Punkten, die bislang noch nicht nachhaltig überwunden werden konnte.

Unterdessen hat die Ministerpräsidenten-Konferenz auf dem jüngsten Corona-Gipfel den Ausstieg aus dem Lockdown angekündigt. Dabei lassen Bund und Länder große Vorsicht walten. So sollen zunächst nur einzelne Gewerbe wie Friseure wieder eröffnen. Außerdem dürfen wir bald wieder unsere Kinder in die Schulen und Tagesstätten schicken.

Die Politik zaudert, weil man die Mutanten fürchtet. In diesem Zusammenhang sorgte leider das Bundesland Tirol wieder für schlechte Schlagzeilen. Hier sind offenbar besonders viel Mutanten unterwegs. Trotzdem: Ich verspreche Ihnen, in absehbarer Zeit machen wir in Kufstein oder Kiefersfelden ein Fass auf, wenn die Polizei endlich von den Grenzen abrückt.

Videodienst Disney+ peilt erstmals Marke von 100 Millionen Nutzern an

Die nackten Quartalszahlen lesen sich grausam. So sank der Nettogewinn der Walt Disney im vergangenen Quartal um 99 % auf nur noch 29 Millionen USD ab. Der Umsatz schrumpfte um 53 % auf 16,2 Milliarden USD. Unverändert sind die Themenparks und Ferienanlagen entweder geschlossen oder arbeiten nun in einem kleinen Basisbetrieb.

Werfen wir einen zweiten Blick ins Zahlenwerk! So klein der Gewinn auch sein, das US-Unternehmen ist im abgelaufenen Quartal wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Außerdem brummt der noch junge Videodienst Disney+. Im vergangenen Quartal warb der Disney-Vertrieb 21 Millionen Neukunden ein. Weltweit nutzen damit 95 Millionen TV-Seher diesen Dienst. Unter Berücksichtigung der Nebendienste wie Hulu oder ESPN versorgt Disney nun 146 Millionen Nutzer. Zum Vergleich: Netflix, dessen Video-Aktivitäten weit älter sind, kommt gegenwärtig auf etwas über 200 Millionen Nutzer weltweit. Zu Deutsch: Netflix rückt für Disney langsam in Schlagweite. Das wird noch spannend.

Die Disney-Aktie steht unverändert unter Feuer. Zumal die Investoren nun natürlich hochrechnen, welche Gewinne das US-Unternehmen erst einschieben wird, wenn das Infektionsgeschehen unter Kontrolle ist. Ich sage es Ihnen: Dann dürfen wir hier mit rund 1,7 Milliarden USD Nettogewinn pro Quartal rechnen.

Fazit: Die Unternehmensführung hat in der Corona-Krise nicht gejammert, sondern den Videodienst Disney+ machtvoll angefahren. Wir bleiben also investiert und lassen den Buchgewinn von knapp 50 % noch etwas reifen (Halten).

DIC Asset fährt Rekordgewinn in der Pandemie ein – Aktie jetzt kaufen!

Frau Wärntges, Chapeau und Glückwunsch zu einem brillanten Geschäftsjahr 2020! Die Vorstandsvorsitzende der DIC Asset meldete in dieser Woche einen frischen operativen Rekordgewinn (Funds From Operations). Ungeachtet der Pandemie brachte das Frankfurter Immo-Unternehmen 270.000 Quadratmeter neu unter Vermietung. Dabei erzielte man eine Miete/qm in Höhe von 13,86 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs in Höhe von 7 %.

Gleichzeitig gibt DIC ein Nettovermögen (Net Asset Value) in Höhe von 17,49 Euro je Aktie an. Für uns als Börsenpraktiker bedeutet diese Kennzahl: Die Aktie notiert ungeachtet ihrer jüngsten Kursgewinne immer noch rund 13 % unter ihrem inneren Wert. Inzwischen geben Analysten für den Betongold-Titel Kursziele von bis zu 20 Euro aus.

Warten wir es einfach ab und freuen uns zunächst auf die Ende März anstehende Dividende in Höhe von 0,70 Euro je Aktie. Hier war Frau Wärntges übrigens generös und schenkt im Vergleich zum Vorjahr nochmal einen Extra-Schnaps für Sie als Aktionär aus. So erhöht DIC die Dividende im Vergleich zum Geschäftsjahr 2019 um 6 %. Gerechnet auf den Einstandskurs des Trenddepots entspricht dies einer Dividendenrendite in Höhe von 6,3 %. Solche Renditen sind gegenwärtig rar auf dem Kurszettel.

Abschließend noch ein Wort zum Home Office. Noch vor einigen Monaten verursachte diese Wendung unter den Top-Managern der Branche schwere Depressionen. Inzwischen sieht man den Sachverhalt entspannter. Klar ist, dass der Trend hin zum heimischen Arbeitsplatz die Immo-Unternehmen belasten wird. Dabei wird allerdings immer offensichtlicher, dass dieser Trend nicht unmittelbar wirken wird, sondern sich über einen langjährigen Zeitraum entfalten wird.

Konkret: Gute Immo-Unternehmen werden diesen langfristigen Trend moderieren können. Kurzfristig wirkten in den vergangenen Monaten andere Faktoren. So mussten in den Großraumbüros die Tische auseinander geschoben werden, um die geforderten Abstandsgebote einzuhalten. Folglich meldeten zahlreiche DIC-Mieter zuletzt neuen Flächenbedarf an, wie die erwähnte Kennzahl der Neuvermietungen belegt.

Es kann hier keine zwei Meinungen geben: Die DIC-Aktie ist nach den starken Zahlen 2020 ein klarer Kauf. Fassen Sie zu Kursen bis 15,75 Euro auf Xetra oder Tradegate zu, sofern Sie bislang noch nicht investiert sind.  

Investoren reagieren empfindlich auf schwächere Akamai-Zahlen

Der Internetdienstleister Akamai musste im abgelaufenen Quartal einen Gewinnrückgang von rund 9 % hinnehmen und erwirtschaftete einen Gewinn pro Aktie in Höhe von 0,68 USD. Das Nettoergebnis wurde von Einmalaufwendungen belastet. So hat das US-Unternehmen im vergangenen Quartal rund 2 % des Personals entlassen. Rechnet man diese Sonderbelastungen heraus, hätte Akamai einen Gewinn in Höhe von 1,33 USD geschafft. Das US-Unternehmen befindet sich unverändert auf Wachstumskurs, wie die Umsatzzahlen belegen. Hier schaffte man 846 Millionen USD und damit rund 10 % mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Unternehmensführung wird das Geschäft nun teilweise neu strukturieren. So will man die Aktivitäten Internetsicherheit intern von der Einheit Edge Computing trennen. Als Analyst begrüße ich diese Maßnahme, weil sie die Analyse des Unternehmens erleichtert.

Eine Hintergrund-Information hierzu: Zuletzt hatte ich in Börse am Mittag den neuen Trend Edge Computing bereits erläutert. Hier eine Zusammenfassung dieses Beitrags: Die zentralen Cloud-Server sind im vergangenen Jahr sehr oft an ihre Grenzen gestoßen, da die Internetleitungen schlichtweg verstopft waren. So setzen Unternehmen wie etwa Amazon oder Microsoft zunehmend auf kleine dezentrale Server, die Informatiker auch als Edge-Server bezeichnen. Diese Systeme befinden sich – anders als die großen Cloud-Zentren – in räumlicher Nähe zum Kunden und ermöglichen einen schnelleren Datendurchsatz.

Zudem gelten Edge-Systeme als sicherer, da sie aufgrund ihrer dezentralen Strukturen nicht durch einzelne Hackerangriffe vom Netz genommen werden. Akamai zählt zu den führenden Edge-Anbieter und unterhält weltweit über 240.000 Edge-Rechner. Nach meiner Recherche nutzen viele US-Unternehmen wie etwa Amazon oder Netflix die Akamai-Infrastruktur.

Fazit: Kurzfristig fanden die aktuellen Quartalszahlen der Akamai nur wenig Anklang im Markt. So verlor die Aktie auf Wochensicht spürbar.

Gleichwohl bin ich von dem Geschäftsmodell uneingeschränkt überzeugt und bestätige folglich meine Kaufempfehlung für die US-Aktie.

Beachten Sie abschließend bitte, dass ich den jüngst empfohlenen Verkauf der Walmart nun auch im Trenddepot berücksichtigt habe. Dabei habe ich einen Verkaufskurs von 119,76 Euro angesetzt. Damit steht hier für Sie ein realisierter Gewinn in Höhe von etwas über 17 % zu Buche.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

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Alexander von Parseval