Lieber Börsianer,

in der vergangenen Woche erreichte die US-Berichtsaison ihren Höhepunkt. Unternehmen wie Apple, Microsoft, Amazon oder McDonald´s öffneten ihre Bücher und berichteten aus dem abgelaufenen Quartal. Dabei meldeten die US-Unternehmen teils brillantes Zahlenmaterial. Amazon etwa steigerte den Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 44 %. Das klassische Online-Geschäft meldete sogar ein Umsatzwachstum von fast 50 %.

Das kam überraschend. Zuvor hatten die Analysten – wie auch ich – eher mit moderaten Zuwächsen gerechnet, zumal die Amerikaner im Berichtszeitraum aus dem Lockdown entlassen worden sind. Hier hätte man annehmen können, dass dies das Online-Geschäft zunächst belastet, wenn der stationäre Handel wieder anfährt. Tatsächlich punktete der stationäre Einzelhandel wie auch die Gastronomie ebenfalls. Generell zeigten sich die Amerikaner im ersten Quartal konsumfreudig und kauften über alle Kanäle großzügig ein.

Ungeachtet der starken Zahlen hielten sich die Investoren mit größeren Käufen am Markt zurück. So verbesserte sich der NASDAQ 100 auf Wochensicht nur unbedeutend, während der DAX sogar leicht abgab. Hier schwächelten vor allem Autowerte. Die VW-Vorzüge verbilligten sich um rund 5 %.

Chipmangel trifft VW – Produktion des Passat ausgesetzt

Zuletzt mussten weltweit nahezu alle Autobauer die Produktion aufgrund des anhaltenden Mangels an Sensoren und Mikrochips drosseln. BMW etwa hat jüngst die Bänder in den Werken Regensburg und Oxford für zwei bzw. drei Tage angehalten. An diesen Standorten laufen jeden Tag knapp 1.000 Einheiten vom Band.

Noch härter ist derzeit VW als Massenhersteller betroffen. So musste man das Werk Emden gleich für 2 Wochen schließen. Insgesamt kalkulieren die Norddeutschen kurzfristig mit einem Produktionsausfall von 100.000 Einheiten. Das entspricht rund 1 % der von mir erwarteten Jahresproduktion des Autobauers.

Die Hintergründe: Im vergangenen Jahr ist im Chip-Markt eine Konstellation entstanden, die für die großen Chip-Produzenten wie Infineon, Texas Instruments oder ST Microelectronics kaum prognostizierbar war. So kollabierte zunächst corona-bedingt die Nachfrage aus der Autobranche, sodass die Chip-Unternehmen große Kapazitäten abgeschaltet hatten. Nur wenig später explodierte allerdings die Chip-Nachfrage aus der Unterhaltungselektronik, da viele Menschen Geräte wie Tablet-Rechner, Notebooks etc. für die Heimarbeit nachfragten.

Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass der Markt erst in der zweiten Jahreshälfte wieder ausreichend versorgt sein wird. Die Fehlplanungen der Unternehmen lassen sich nicht über Nacht korrigieren. Gleichwohl erwarte ich nicht, dass VW oder BMW im laufenden Jahr auch nur ein Auto weniger verkaufen wird. Der aktuelle Produktionsausfall von 1 % bei VW ist bis zum Jahresende aufholbar. Da mache ich mir keine Sorgen. Unangenehm kann es freilich für Sie werden, wenn Sie die Anschaffung eines VW Passats (aus Emden) oder eines anderen VW-Modells planen. Da dürfen Sie sich auf mehrwöchige Lieferzeiten einstellen und ein entsprechendes Preisniveau.

Fazit: Auto-Aktien zählten zuletzt zu den Highflyern des Aktienmarktes. Die Investoren nehmen nun den Chip-Mangel als Vorwand, um einmal Kasse zu machen. Das ist ja auch nicht falsch. Wir halten dennoch unverändert an der VW-Aktie fest.   

Vestas schließt Aktiensplit ab ­– Aus einer Aktie werden fünf

Der dänische Windanlagen-Bauer Vestas Wind hat in dieser Woche den zuvor angekündigten  Aktiensplit abgeschlossen. Dabei haben die Dänen eine Altaktie gegen fünf neue Aktien getauscht. Bitte beachten Sie, dass die neue Vestas-Aktie andere Kennnummern trägt. Diese entnehmen Sie unter anderem der Ansicht des Trenddepots. Ansonsten hat sich für Sie als Aktionär nichts geändert.

Was ist der Sinn solcher Maßnahmen? Ein Aktiensplit macht eine Aktie offensichtlich im Kurs billiger, dadurch ist Sie vor allem für Privatanleger einfacher handelbar. Ein willkürliches Beispiel: Die Aktie des Süßwaren-Herstellers Lindt & Sprüngli kostet in Zürich 8.560 Schweizer Franken. Nun möchten Sie allerdings momentan vielleicht zunächst nur 4.000 Euro anlegen, dann müssen Sie bei dieser Aktie passen und kommen nicht zum Zug. Das ist nicht aktionärsfreundlich.

Viele Unternehmen aus Großbritannien und auch Skandinavien hingegen legen gesteigerten Wert darauf, dass Ihre Anteilsscheine möglichst jedem Aktionär offenstehen und verbilligen daher durch einen Aktiensplit in gewissen Abständen den Kurs. Dabei ist Ihnen völlig klar, dass ein Aktiensplit eine Aktie immer nur optisch verbilligt. An der fundamentalen Bewertung der Aktie ändert die Maßnahme hingegen nichts, schließlich wird im konkreten Fall auch der Gewinn pro Aktie gefünftelt. Zu Deutsch: Die Vestas-Aktie ist gemessen an ihren Kennzahlen so teuer oder billig wie zuvor.

Noch ein Hinweis: Heute Morgen hat mein Depot die neuen Vestas-Papiere erstmals abgebildet. Sollte Ihr Depot hingegen immer noch die Altaktie zeigen, gleich nächste Woche wird auch Ihre Depotbank den Tausch in die neuen Aktien vornehmen. Es gibt da Banken, die bei solchen Vorgängen eher gemütlich sind. Dadurch entsteht Ihnen freilich kein Nachteil. Am Ende werden Ihnen allen die neuen Vestas-Aktien eingebucht.

Insgesamt ist die Aktie positiv in das Trenddepot gestartet und weist derzeit ein Kursplus von rund 9 % aus. Ich bestätige meine Kaufempfehlung für die Dänen-Aktie. Fassen Sie zu Kursen bis 35 Euro zu, sofern Sie noch nicht engagiert sind.

Norma: Investoren wetten auf starke Zahlen und decken sich ein

Auf Wochensicht verbesserte sich unsere Depotposition Norma Group um rund 4 %, ohne das neue Nachrichten aus dem Unternehmen bekannt geworden sind. Offensichtlich spekulieren verschiedene Anleger darauf, dass der Verbindungstechniker nächstens – ganz konkret am 5. Mai – starkes Zahlenwerk aus dem abgelaufenen Quartal vorlegen wird. Folglich deckte man sich jetzt schon frisch in der Aktie ein.

Bereits zuvor hatte der zuständige Analyst von Warburg Research seine Empfehlung für den deutschen Nebenwert bestätigt und dabei das Kursziel leicht von 55 auf 56 Euro angehoben. Der Kollege der Hamburger Privatbank Berenberg sieht den Sachverhalt ähnlich und nennt für Norma ein Kursziel von 55 Euro.

Wir haben uns mit der Aktie bereits im vergangenen Dezember versorgt und freuen uns über einen Buchgewinn in Höhe von 28 %. Bleiben Sie unverändert dabei und lassen Sie den Kursgewinn weiter wachsen. Mit ein bisschen Rückenwind vom Gesamtmarkt sehe ich den Titel in absehbarer Zeit bei rund 50 Euro.

Depotveränderungen:

Disney-Verkauf bringt Ihnen über 45 % Kursgewinn

Zwischenzeitlich habe ich entsprechend meiner Empfehlung aus der letzten Hauptausgabe die Aktie der Walt Disney veräußert. Dabei haben wir einen Buchgewinn von knapp über 45 % realisiert. Die US-Aktie hat meine Erwartungen erfüllt.

Ferner mache ich Sie darauf aufmerksam, dass ich die Aktie der Verisk Analytics zunächst von Kaufen auf Halten herabstufe. Zuletzt hatte sich das Papier des Risiko-Analysten günstig entwickelt. Sollte die Aktien nächstens nochmals zittern, werde ich sie wieder für die Neuleser auf Kaufen hochnehmen.

Abschließend noch ein Wort zur Corona-Thematik: Mutti Merkel sorgt sich unverändert um unsere Gesundheit. Folglich müssen wir weiter lieb sein und im Lockdown bleiben, obwohl unsere Zahlen im europäischen Vergleich wirklich gut sind. Trotzdem zog Mutti zuletzt nochmals die Zügel für uns an und verhängte die sog. Bundesnotbremse, während unsere Nachbarn etwa in der Schweiz, Frankreich oder den Niederlanden lockern.

Nehmen Sie es mit Gleichmut und lassen Sie sich davon das Wochenende nicht verderben! Dazu meine besten Wünsche!

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alternate text

Alexander von Parseval