Lieber Börsianer,

gegenwärtig wirken am Kapitalmarkt zwei gegenläufige Kräfte, die sich weitgehend neutralisieren. So spricht die starke Erholung der US-Konjunktur eindeutig für die Aktienanlage. Zuletzt brummte besonders der Dienstleistungssektor. Zu Deutsch: Man fragte gastronomische und touristische Dienstleistungen nach. Insgesamt liegen die Konsumausgaben in den USA nun sogar knapp oberhalb des Vorkrisen-Niveaus.

Trotzdem „schwimmen“ die US-Haushalte statistisch betrachtet immer noch im Geld. Die Pandemie sorgte für aufgestaute Konsumausgaben im Wert von rund 2 Billionen USD, die auf den Konten der Verbraucher lagern. Gleichzeitig plant die US-Regierung eine mehrjährige Ausweitung der Staatsausgaben. Und wenn so viel Geld im Umlauf ist bzw. nächstens sein könnte, befördert das am Kapitalmarkt unweigerlich Inflationstendenzen. So zogen die Preise in den USA zuletzt um über 4 % an.

Wenn diese stramme Teuerung anhält, wird die US-Notenbank ohne Frage den Leitzins anheben sowie die Kaufprogramme am Anleihenmarkt zurückfahren. Diese Sorge lastet auf dem Markt und verhindert derzeit ein weiteres Ausgreifen der wichtigen Aktien-Indizes.

So bewegte sich der Aktienmarkt auf Monatssicht per saldo kaum. Der S&P 500 und der DAX notieren leicht im Plus, während der NASDAQ 100 in diesem Zeitraum knapp 2 % verlor. Der Aktienmarkt befindet sich derzeit also im neutralen Terrain. Die kurzfristigen Stimmungsindikatoren bestätigen den Befund im Großen und Ganzen und zeigen einen leichten Pessimismus an.

Fazit: Gewinnmitnahmen sind zunächst nicht erforderlich. Punktuell sind immer noch Käufe möglich. In der Ansicht des Trenddepots, die Sie am Ende dieses Dokumentes finden, erfahren Sie auf einen Blick, welche Positionen für Sie als Neuleser immer noch aussichtsreich sind.

VW: Konsortium interessiert sich für Lamborghini 

Der VW- und Audi-Vorstand haben zuletzt Post aus dem Kanton Zug erhalten. Danach möchte die dort ansässige Quantum Group gemeinsam mit einem britischen Finanzinvestor namens Centricus Asset die Audi-Tochter Lamborghini für 7,5 Milliarden Euro übernehmen. Glaubt man Marktgerüchten, steht Anton Piech, Sohn des ehemaligen VW-Patrons Ferdinand Piech, hinter diesem Angebot. Offenbar plant Junior eine Sportwagenmarke für die E-Mobilität. Lamborghini soll hierfür der Aufhänger sein.

Die Kaufofferte bewertet die italienische Luxusmarke mit dem 4,7fachen des letztjährigen Umsatzes. Das ist nicht sonderlich großzügig, wenn man bedenkt, dass Tesla gegenwärtig fast mit dem Faktor 20 seines Umsatzes 2020 bewertet wird. So reagierte das VW-Management bis dato eher kühl und verneinte eine Verkaufsabsicht für die Luxusmarke.

Ich erwarte nicht, dass das Konsortium rund um Quantum hier zum Zuge kommen wird. Allerdings verdeutlicht das Angebot, dass im VW-Konzern doch einige Milliardenwerte – wie etwa Lamborghini, Bugatti oder Bentley – schlummern, die sich noch nicht gänzlich im Aktienkurs widerspiegeln. So rückte die VW-Vorzugsaktie auf Wochensicht erfreulich voran.

Ich hoffe, die Neuleser unter Ihnen haben die jüngste Kursdelle zum Einstieg nutzen können. Ich hatte die Aktie zuvor wieder auf Kaufen gesetzt. Ich bestätige diese Empfehlung (Kauflimit: 219 Euro).  

Norma kehrt Dividende aus und arbeitet an frischem Jahreshoch

Die Aktie der Norma entwickelte sich auf Wochensicht ebenfalls günstig und verteuerte sich unter dem Strich um über 5 %. Dabei profitierte die Aktie von der günstigen Stimmung für Autowerte. Zwar ist Norma kein typischer Autozulieferer. Die Verbindungskomponenten des Unternehmens finden Sie allerdings in jedem Automotor, ganz unabhängig von der Antriebsart. Hier gilt: Wenn die Nachfrage im Autosektor robust ist, zieht auch die Norma-Aktie.

Unterdessen hat das Unternehmen in der vergangenen Woche planmäßig eine Dividende in Höhe von 0,70 Euro an Sie ausgekehrt. Dieser Schnaps hebt die Performance der Aktie – vor Steuern – nochmals um knapp 2 %. Wie üblich habe ich die Ausschüttung vom Einstandskurs abgeschlagen, um auf diese Weise den Gewinnbeitrag der Dividende zu berücksichtigen.

Chartkommentar: Im ersten Quartal tendierte die Norma-Aktie zunächst seitwärts. Erst im April zeigte der Nebenwert Dynamik. Zurzeit „arbeitet“ die Aktie an einem frischen Jahreshoch. Ungeachtet der erfreulichen Kursentwicklung rechne ich den Nebenwert weiterhin zu den Nachzüglern des deutschen Kurszettels. Erst seit November vergangenen Jahres schneidet die Aktie signifikant besser als der Gesamtmarkt (DAX) ab. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Wir halten an der Norma-Aktie unverändert fest und lassen den Buchgewinn weiter reifen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

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Alexander von Parseval