Lieber Börsianer,

zunächst die gute Nachricht: Die US-Konjunktur brummt, und der Arbeitsmarkt erholt sich weiterhin. Einige Unternehmen klagen bereits, dass sie freie Stelle derzeit nur mit großer Verzögerung besetzen können. Freilich hat die Medaille zwei Seiten. So treibt die Teuerung in den USA momentan auf unerwartete Höhen von rund 5 %.

Deshalb bereitet die US-Notenbank Federal Reserve die Märkte auf einen allmählichen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik vor. Stand heute werden die Währungshüter in absehbarer Zeit das laufende Anleihenkaufprogramm zurückfahren. 2023 wird man dann erstmals seit 2018 den Leitzins wieder anheben.

Diese Perspektive versetzt uns als Börsianer sicherlich nicht in Panik. Dennoch tendierten die meisten wichtigen Aktien-Indizes in dieser Woche ziemlich müde. Der DAX machte keinen Meter mehr, während der marktbreite S&P 500 rund 0,5 % einbüßte. Man preist also die erwartete Zinswende am Aktienmarkt vorsichtig ein. Noch klarer das Bild am Edelmetall-Markt: Bei Gold und Silber machten die Anleger Kasse und schickten die Notierungen auf Wochensicht bis zu 5 % südwärts.

Nun, die US-Notenbanken haben gesprochen. Die Zins- oder Inflationsproblematik wird uns ohne Frage auch in den kommenden Monaten immer wieder beschäftigen. Kurzfristig ist das Thema jetzt aber abgeräumt. So dürfen wir davon ausgehen, dass die grundsätzlich positive Markttendenz erst einmal anhalten wird.

Vestas schlägt zurück und holt weltweit bedeutende Neuaufträge 

Zuletzt hatte ich mich kritisch zum dänischen Windanlagenbauer Vestas geäußert. Die Dänen kamen bei wichtigen Ausschreibungen für Neuprojekte nicht mehr zum Zug und mussten Konkurrenten wie Nordex oder Siemens Gamesa den Vortritt lassen. Ich muss nun Abbitte in Dänemark leisten, denn Vestas hat in den vergangenen tagen machtvoll zurückgeschlagen.

So sicherte man sich einen lukrativen Anschlussauftrag vom ukrainischen Energieversorger DTEK Renewables. Insgesamt wird man in dem osteuropäischen Land eine Windanlage mit einer Kapazität von 500 Megawatt errichten. Nie zuvor hat Vestas eine Anlage derartiger Dimension in Osteuropa installiert. Daneben liefert man 81 Turbinen mit einer Kapazität von 348 Megawatt an einen ungenannten Auftraggeber aus Brasilien. Zudem holte die Vertriebsmannschaft der Vestas noch einen Kleinauftrag aus Südkorea in das Auftragsbuch.  

Die Investoren haben die neuen Vertriebserfolge freudig zur Kenntnis genommen und die Aktie auf Wochensicht um rund 10 % hochgekauft. Mehr noch: Die gesamte Branche scheint nun wieder gefragt zu sein. So rückten auch die Aktien der Nordex (+5 %) und der Siemens Gamesa (+8 %) spürbar voran. Dieser breite Anstieg ist ein gutes Zeichen.

Wir halten an der Wind-Aktie unverändert fest. Das zuletzt eingezogene Stop-Loss-Limit (26,60 Euro) belasse ich pro forma allerdings noch einige Tage im Markt.

Was wird aus BioNTech, wenn das Impfgeschäft zurückgeht? 

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung entnommen, dass der Impfstoff des Tübinger Biotech-Unternehmens CureVac nicht funktioniert. In einer Zwischenstudie wurde offensichtlich, dass er nur einen Wirkungsgrad von 47 % erreicht. In der Folge sackte die CureVac-Aktie binnen weniger Minuten um fast 50 % ab.

Der Markt hat also eine klare Sprache gesprochen: Solche Biotech-Unternehmen sind ohne Impfgeschäft nicht sonderlich werthaltig. Die Ausgangssituation beim Konkurrenten BioNTech ist natürlich grundsätzlich anders, schließlich ist deren Vakzin wirksam und verkauft sich wie geschnitten Brot.

Trotzdem stellen sich einige besorgte Investoren die Frage, was wird aus der Kursrakete, wenn hier das Impfgeschäft zurückgeht. Steht dann BioNTech nicht auch ziemlich nackt im Markt? In der bevorstehenden Hauptausgabe (Dienstag, den 22. Juni) gehe ich dieser Frage nach und untersuche die Pipeline der BioNTech. Ich werde hier sehr kritisch sein, denn ich bin selbst engagiert und möchte nicht die schönen Kursgewinne der Vergangenheit fahrlässig hergeben.

Deutschland in Not: Bekanntlich haben unsere Jungs den Start in die Fußball-Europameisterschaft ruiniert. Gegen Frankreich wirkten sie nicht ganz konkurrenzfähig. Die Not ist nun groß. Morgen gilt also für uns: Mitfiebern und Daumen drücken, damit der Knoten gegen Portugal platzt.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

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Alexander von Parseval