Lieber Börsianer,

das Corona-Virus gibt sich noch nicht geschlagen und kommt derzeit in Form der hoch ansteckenden Delta-Variante daher. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass die bisher wirksamen Impfstoffe hier nur begrenzt „zupacken“. So deuten vorläufige Zahlen aus Israel an, dass die Wirksamkeit etwa des BioNTech-Vakzins gegenüber der neuen Mutante nur noch bei rund 65 % liegt.

Diese Zahl hätten wir im vergangenen Jahr zu diesem Zeitpunkt sicherlich blind genommen. In der momentanen Situation sind diese 65 % allerdings keine gute Nachricht für die Menschen bzw. für die Aktienmärkte. So erwägt die Bundesregierung offenbar, ganz Spanien wieder als Risikogebiet einzustufen. Das weckt bei den Börsianern ungute Erinnerungen an das vergangene Jahr.

Generell sehe ich derzeit am Markt eine gewisse Unsicherheit und Unklarheit. So erwarten einige Investoren, dass die Notenbanken die sich ankündigende Inflation „laufen lassen“. Die Europäische Zentralbank etwa hat in dieser Woche das Inflationsziel von knapp unter 2 auf 2 % angehoben. Das ist natürlich nur eine kosmetische Maßnahme. Gleichwohl wird sie am Markt als Fingerzeig verstanden, dass sich die Männer und Frauen um Christine Lagarde nicht unbedingt als Hüter der Geldstabilität profilieren möchten.

Diese Perspektive müsste freilich die Goldnotierungen antreiben. Tatsächlich liegen die Edelmetalle auf Monatssicht aber spürbar unter Wasser und machen keinen Meter, obwohl Madame Lagarde weiterhin mit ultralockerer Geldpolitik „droht“.

Zudem stehen wir nun unmittelbar vor den üblicherweise eher schwachen Börsenmonaten August und September. Daher habe ich mich entschieden, zunächst einmal alle bisherigen Kaufempfehlungen für das Trenddepot zu streichen. Lediglich die Aktie der VW stufe ich wieder auf Kaufen herauf. Außerdem rate ich Ihnen nun, bei der Position Norma einmal Gewinne mitzunehmen. Lesen Sie im Folgenden meine frischen Handlungsempfehlungen im Detail!

Teilverkauf Bugatti: Schleift VW sein 12 Marken-Imperium? 

Der Autobauer VW wird seine französische Tochter Bugatti mehrheitlich in die Hände des Sportwagenherstellers Rimac Automobili geben. Allerdings wird man über Porsche indirekt einen Kapitalanteil in Höhe von 45 % an dem zu gründenden Gemeinschaftsunternehmen Bugatti Rimac halten. Finanzielle Details nannten beide Seiten bislang nicht.

Rimac produziert derzeit praktisch ausschließlich den elektrisch angetriebenen Super-Sportwagen Nevera, unter dessen Haube 1.900 PS arbeiten. Entwickler dieses Boliden ist ein Mann namens Mate Rimac. Der Kroate gilt als begnadeter Tüftler und wird nicht selten mit Elon Musk verglichen. Porsche bzw. VW erhoffen sich von der Zusammenarbeit vor allem Technologietransfer. Besonders die E-Batterie des Rimac Nevera gilt als bahnbrechend innovativ.

Betriebswirtschaftlich gesehen ist die Transaktion für die Wolfsburger weniger bedeutsam. Im vergangenen Jahr hatte Bugatti nur 77 Einheiten produziert. Dabei muss man freilich berücksichtigen, dass ein Bugatti Chiron so viel Umsatz bringt wie 100 VW Golf.

Die strategische Dimension: Am Markt halten sich nun hartnäckig Gerüchte, dass VW-Boss Herbert Diess das 12 Marken-Imperium des verstorbenen VW-Patriarchen Ferdinand Piech schleifen wird. So gilt die italienische Audi-Tochter Lamborghini als nächster Verkaufskandidat. Unter Investoren ist die Mehrmarken-Strategie der Norddeutschen ohnehin schon seit Jahren umstritten. Vor allem die Massenhersteller VW, Seat und Skoda kannibalisieren sich. Die VW-Markenvielfalt gilt also nicht unbedingt als Gewinnprogramm.

Üblicherweise wirken sich solche Gerüchte immer günstig auf die VW-Aktie aus. Auf Wochensicht war die VW-Aktie allerdings sehr weich und verlor rund 5 %. Ich halte diese Kursschwäche für eine Momentaufnahme. Sehr bald werde ich die Aktie für die Neuleser unter Ihnen wieder auf Kaufen heben können.

Ich halte an der Aktie unverändert fest.  

Chartkommentar: Ich sehe im Chartbild gute Chancen, dass die laufende Korrektur der VW-Aktie bei rund 200 Euro auslaufen wird. Die entsprechende Unterstützung habe ich für Sie grün eingezeichnet. Sobald der Titel auf diese Unterstützung – möglicherweise auch mehrfach – aufgelaufen ist, sollte die Aktie wieder dynamisch nach oben abdrehen.

Goldman Sachs lobt SAP-Aktie – Betriebsrat gönnt sich zusätzlichen Urlaub 

Binnen weniger Wochen musste bei SAP der zweite hochrangige Betriebsrat seinen Hut nehmen. Offenbar hatte sich der Mann über Jahre hinweg zusätzliche Urlaubstage gegönnt, die sein Arbeitsvertrag so nicht vorgesehen hatte. Dabei wurde dieses System in dem Arbeitnehmer-Gremium gedeckt. Nun ist der Betrug aufgeflogen. Beide Mitarbeiter haben das Unternehmen bereits verlassen. Bislang dürfte sich der Schaden für das Software-Unternehmen in sehr konkreten Grenzen halten. Ich setze darauf, dass der Sumpf im Betriebsrat nun ausgetrocknet ist.

Auf Wochensicht rückte die Aktie in einem durchwachsenen Markt erfreulich voran. Hilfreich hierfür war eine erneuerte Kaufempfehlung eines Analysten von Goldman Sachs. Dabei erhöhte mein Kollege das Kursziel für die Aktie von 135 auf 141 Euro.

Ich nehme diese Nachricht wohlwollend zur Kenntnis. Dennoch stufe ich die SAP-Aktie aufgrund der allgemeinen Marktunsicherheit vorübergehend auf Halten herab. Bei der nächsten Kursdelle kann ich dann wieder aufstufen.

Norma-Verkauf: Wir holen uns einen Buchgewinn von 23 %

Zuletzt ist das Trenddepot auf 12 Positionen angewachsen. Kurzfristig halte ich es allerdings für sinnvoll, nun einmal etwas Risiko aus dem Depot zu nehmen. Zu diesem Zweck rate ich Ihnen nun, die Aktie der Norma SE zu Kursen von 44,80 Euro oder teurer zu verkaufenWarum trifft es ausgerechnet die Norma SE? Bin ich von dem Geschäftsmodell nicht mehr überzeugt?

Die Auswahl der Aktie ist eher willkürlich. Sie zählt zu den etwas schwankungsanfälligeren Titeln des Trenddepots (Depotkategorie: Höheres Risiko). Dieser Verkauf wird uns also helfen, die Stabilität im Gesamtdepot zu steigern. Unter dem Strich machen Sie hier für sich einen soliden Buchgewinn von knapp 23 % für sich fest. Daneben hat das Unternehmen Ende Mai eine Dividende in Höhe von 0,70 Euro an Sie ausgekehrt.  

Ich verkaufe die Aktie mit einem Verkaufslimit von 44,80 Euro über das Xetra-Handelssystem. 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

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Alexander von Parseval