Lieber Börsianer,

jetzt kommt Butter bei die Fische. Die Berichtsaison läuft an, und die Unternehmen öffnen ihre Bücher. Wichtige US-Banken legten schon einmal erfreulich stark vor und meldeten weit geringere Kreditausfälle gewerblicher Kunden als bisher erwartet. Eine klare Tendenz zeichnet sich allerdings noch nicht ab. So enttäuschte etwas das Zahlenwerk des Windlagen-Bauers Siemens Gamesa. Die Aktie lief anschließend mächtig rückwärts und belastete dabei auch unsere Position Vestas Wind.

Das Zahlenwerk des Sensortechnikers Jenoptik hingegen überzeugte auf ganzer Linie. Hier greifen die Investoren jetzt mit Freude zu und treiben die Aktie auf Wochensicht um fast 10 % nach oben. Sehr erfreulich auch die jüngsten Absatzzahlen der VW-Tochter Porsche. Der Autobauer schraubt seine Prognose nach oben und wird im laufenden Jahr möglicherweise erstmals in seiner Geschichte über 300.000 Sportwagen absetzen.

Die wichtigen Aktien-Indizes haben auf Wochensicht unwesentlich verloren. In der nächsten Woche werden wir ohne Frage mehr Bewegung am Aktienmarkt sehen. Dann stellen nämlich Flaggschiffe aus den Technologie-Branchen wie etwa SAP, Twitter oder Netflix ihre Geschäftszahlen vor. Dann werden wir auch einen verlässlichen Fingerzeig erhalten, ob der Markt nach einer mehrwöchigen Ruhephase wieder nach oben ziehen kann. Das wird sehr spannend für uns.

Porsche meldet Rekordabsatz – Auto-Nachfrage wird weiter anziehen  

Der schwäbische Autobauer konnte weltweit im ersten Halbjahr so viel Fahrzeuge absetzen wie noch nie zuvor in einem solchen Zeitraum. Unter dem Strich liefen über 153.000 Einheiten von den Bändern und damit 31 % mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Analysten erwarten, dass Porsche diesen positiven Trend im zweiten Halbjahr bestätigen wird. Damit hat die VW-Tochter erstaunlich rasch die Corona-Krise mehr als nur abgehakt. Abzuwarten bleibt allerdings, wie viel das Unternehmen pro Einheit wirklich verdient hat. Ich erwarte schon, dass die Gewinnmarge pro Einheit heuer etwas bescheidener ausfallen wird, nachdem sich die Rohstoffe und andere Vorprodukte für die Autobauer zuletzt deutlich verteuert haben.

Indessen hat Daimler aus dem abgelaufenen Quartal ebenfalls Erfreuliches berichtet. Man hat einen operativen Gewinn von über 5 Milliarden Euro erwirtschaftet und dabei die Konsensschätzungen um rund 1 Milliarde Euro übertroffen. Ein absoluter Traumwert!

Was sagt uns das konkret? Die Erneuerungsrunde der relativ alten Pkw-Flotten läuft auf Hochtouren. Üblicherweise halten solche zyklischen Runden rund 5 Jahre an. Dabei sagt uns die massive Gewinnüberraschung der Daimler, dass die Analysten diese Perspektive in ihren Prognosen noch nicht vollständig erfasst haben. Hier dürfen wir also in der Aktie der VW, Daimler oder auch BMW mit weiteren erheblichen Kursanstiegen rechnen.

Ich halte an den VW-Vorzügen des Trenddepots unverändert fest.

Jenoptik verdoppelt Auftragsbestand – Aktie geht heute steil

Der Sensortechniker und Autozulieferer Jenoptik ist im abgelaufenen Quartal ganz offensichtlich zu alter Stärke zurückgekehrt. Die Thüringer meldeten einen verdoppelten Auftragsbestand, steigerten den Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal um 30 %, während der operative Gewinn sogar um 120 % ausgebaut werden konnte. Nach Bekanntwerden dieser Zahlen legt die Aktie etwa auf Xetra sprunghaft prozentual zweistellig zu.

Es kommt noch besser: Bisher äußerte sich die Unternehmensführung der Jenoptik zum Jahresverlauf eher zurückhaltend. So erkannte man in der Bilanzpressekonferenz zum ersten Quartal noch erhebliche Marktrisiken (Corona). Diese Risiken haben sich offensichtlich nicht realisiert. Deshalb schraubt man nun die eigenen Prognosen nach oben. Unter günstigen Bedingungen wird Jenoptik 2021 einen Umsatz von bis zu 900 Millionen Euro erwirtschaften. Zum Vergleich: Im Vorjahr schaffte man lediglich rund 767 Millionen Euro.

Wir halten an der Aktie unverändert fest und drücken die Daumen, dass der SDAX-Wert nächstens den beschriebenen charttechnischen Widerstand knacken kann.

Chartkommentar: Möglicherweise wird sich die Aktie in den kommenden Tagen oder Wochen endlich freisprengen und die seit Mitte 2018 laufende Korrektur beenden. Im Chartbild habe ich diesen Abwärtstrend für Sie rot markiert. Sobald diese Linie nach oben durchbrochen worden ist, sind uns weitere Kursgewinne fast schon garantiert.

Gewinnwarnung der Siemens Gamesa belastet Vestas-Aktie 

In dieser Woche hat der deutsch-spanische Windanlagenbauer Siemens Gamesa eine weitere Gewinnwarnung gesetzt. So rechnet man nicht mehr damit, dass man im laufenden Jahr operativ in die schwarzen Zahlen zurückkehren wird. Gleichzeitig musste man im wichtigen Windmarkt Brasilien Abschreibungen in Höhe von 230 Millionen Euro vornehmen. Das Problem: Das Unternehmen kann die zwischenzeitlich stark gestiegenen Preise etwa für Stahl oder Kupfer nicht an die Auftraggeber weiterreichen. Entsprechende Verhandlungen verliefen offenbar im Sande. Siemens Gamesa muss nun Windräder installieren, an denen man keinen einzigen Euro verdient.

Ich gehe davon aus, dass dies kein Einzelfall darstellt. Die zuletzt massiv aufgetriebenen Stahlpreise werden auch auf der Gewinnrechnung der Vestas lasten. Zur Info: Ein einzelnes Windrad benötigt ungefähr 600 Tonnen Stahl. Und dieses Material ist derzeit am Markt zu bezahlbaren Preisen nicht mehr verfügbar. Ähnliche Nachrichten erreichen uns aus der Solarbranche. Hier ist ebenfalls Kupfer und zudem Silizium knapp. Das verteuert die Projekte teils derart, dass die Auftraggeber die Projekte reduzieren oder verschieben. Entsprechend äußerte sich zuletzt der CEO (Vorstandsvorsitzende) des US-Unternehmens First Solar.

Kontraproduktiv wirkt zudem, dass die Politik von Washington über Brüssel bis hin nach Peking praktisch zeitgleich an der Energiewende arbeitet. Hier entsteht nun ein Übernachfrage, die der Markt aufgrund der Unterversorgung mit kritischen Rohstoffen derzeit nicht erfüllen kann. Dieser Sachverhalt führt dazu, dass Unternehmen wie Siemens Gamesa heute Anlagen zu Preisen von gestern ausliefern müssen.

Vor diesem Hintergrund hat Vestas bereits im Mai angekündigt, die Preise für zukünftig zu errichtende Anlagen zu erhöhen. Die Konkurrenten Nordex und Siemens Gamesa werden gemäß eines Handelsblatt-Berichtes ungefähr zeitnah nachziehen. Damit werden sich die gegenwärtigen Unwuchten am Markt allmählich auflösen. Klar ist nun aber, dass die Gewinndynamik im GreenTech-Segment zunächst nachlassen wird.

Vor diesem Hintergrund büßten die GreenTech-Aktie wie Vestas, Siemens Gamesa oder etwa Encavis in dieser Woche spürbar ein. Per saldo notiert die Vestas-Aktie im Trenddepot nun knapp 3 % im Minus. Dennoch ist unbestritten, die Energiewende wird kommen. Allerdings können wir aufgrund der Marktzwänge nicht alle Wind- oder Sonnenanlagen schon gleich in den nächsten 12 Monaten bauen. Es ist ein Prozess, der viele Jahre in Anspruch nehmen wird. Davon wird der Marktführer Vestas langfristig profitieren.

Fazit: GreenTech wie übrigens auch Wasserstoff befinden sich derzeit in einem Zwischentief. Beide Branchen sind bei den Investoren kurzfristig nicht beliebt. Das ist eine Momentaufnahme. Folglich rate ich Ihnen, an der Aktie der Vestas festzuhalten.

Norma-Aktie veräußert –

Sie realisieren einen Gewinn in Höhe von 25 % 

Bitte beachten Sie, dass ich die Aktie der Norma inzwischen aus dem Trenddepot ausgebucht habe. In der Vorwoche hatte ich den Nebenwert mit einem Limit von 44,80 Euro zum Verkauf gestellt. Das von mir genannte Verkaufslimit wurde berührt. Insgesamt haben Sie mit dieser Transaktion für Ihr Depot einen Gewinn von etwas über 25 % realisiert.

Ich rate Ihnen, dieses Geld zunächst auf Ihrem Depotkonto cash zu halten.

Zum Abschluss eine persönliche Bemerkung: Teile der deutschen Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wurden in den vergangenen Tagen von enormem Starkregen heimgesucht, der zu ganz erheblichen und anhaltenden Überschwemmungen geführt hat. Dabei sind bereits über 80 Menschen ums Leben gekommen. Von dem Unwetter wurde auch der Kreis Euskirchen hart getroffen. Ich bin dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Meinen ehemaligen Nachbarn und auch allen anderen Opfern in der Region gilt mein Mitgefühl.  

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alternate text

Alexander von Parseval