Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die wichtigen Aktien-Indizes rückten auch in dieser Woche erneut voran. Die Gewinne waren zwar eher unspektakulär, aber die Grundstimmung im Markt bleibt positiv. Dabei liefern die Unternehmen ganz überwiegend angenehmes Zahlenmaterial aus dem abgelaufenen Quartal und haben oftmals die Erwartungen der Analysten übertroffen. Kleiner Schwachpunkt: Mehrheitlich geht man in den Führungsetagen der Unternehmen davon aus, dass sich die Wachstumsdynamik im laufenden Quartal abflachen wird.

So hatte jüngst etwa Apple wirklich gute Geschäftszahlen berichtet, beim Ausblick war man allerdings etwas schüchtern. Ein ähnliches Bild sehe ich bei unserer Depotposition Akamai. Hier verbesserte man alle einschlägigen Gewinn- und Umsatzzahlen. Das laufende Quartal wird allerdings nach Einschätzung des Internetdienstleisters wenig frische Impulse bringen. Dazu später Details.

Ich wiederhole mich, das Grundrauschen im Markt ist für die Aktienanlage unverändert günstig. So zeigt sich der US-Dollar seit Juni sehr robust. Das unterstützt das Geschäft der europäischen Exporteure. Der jüngste Zinsauftrieb konnte zudem gestoppt werden. So sackte die Umlaufrendite bonitätsstarker deutscher Anleihen der Restlaufzeit 10 Jahre wieder von -0,3 auf -0,5 % ab.

Auch hier allerdings ein Schönheitsfehler: In Deutschland springt nun auch die Inflation an. Hier zogen die Preise im Vergleich zum Vorjahr zuletzt um 3,8 % an. Ende des Jahres werden wir vermutlich wissen, ob die vor allem in den USA und nun auch in Deutschland erhöhte Teuerung erst einmal bleibt oder ob es sich lediglich um eine kurzfristig Marktverzerrung aufgrund der immer noch gestörten Lieferketten handelt.

Fazit: Eine kurzfristige Trendwende sehe ich augenblicklich nicht. So dürfte auch der DAX in absehbarer Zeit die Marke der 16.000 Punkte zumindest tageweise überwinden.  

Umicore meldet sattes Umsatz- und Gewinnwachstum –

Aktie gesucht   

Der belgische Recycler Umicore meldete teils beste Zahlen aus dem abgelaufenen Halbjahr. Man steigerte den Umsatz um 37 % auf 2,1 Milliarden Euro, während der operative Gewinn (EBIT) im Vergleich zum schwachen Vorjahreszeitraum um 157 % auf 771 Millionen Euro zulegte.

Ursächlich für die starken Zahlen war vor allem die wieder anziehende Autokonjunktur. Umicore bereitet in großem Stil Platinmetalle auf und beschichtet damit Katalysatoren. Dabei holte sich Umicore weitere Marktanteile in Europa und China und expandierte deshalb noch stärker als der Markt. Ferner freuen sich die Belgier über die unverändert robuste Preisentwicklung bei Palladium. Das Metall verteuerte sich auf Jahressicht um knapp 20 %. Gold und Silber stagnieren im Moment zwar. Gleichwohl ist das aktuelle Preisniveau von rund 1.800 USD je Unze Gold für Umicore sehr auskömmlich.

Die Aktie bescherte uns in rund 5 Wochen bislang einen Buchgewinn von 11 %. Das ist ein sehr ordentlicher Start. Wir bleiben unverändert investiert.DIC Asset: Kanadier mögen deutsche Gewerbeimmobilien  

Am Markt halten sich hartnäckig Gerüchte, dass der kanadische Finanzinvestor Brookfield Asset Management nach dem norddeutschen Immobilienverwalter Alstria Office greifen wird. Ganz unplausibel ist diese Idee nicht, zumal die Kanadier bereits seit Jahren wichtiger Aktionär der Alstria Office sind. Ferner ist man spezialisiert auf eher konservative Anlagen aus dem Immobilien- und Infrastruktur-Markt. Alstria passt also ins Portfolio.

Eine solche Transaktion würde unterstreichen, dass der Immobilien-Standort Deutschland für angelsächsische Investoren attraktiv ist. Von dieser Perspektive profitierte zuletzt indirekt auch unsere Depotposition DIC Asset. Die Frankfurter verfolgen eine ähnliches Geschäftsmodell. Noch einen Schritt weiter ging in dieser Woche ein deutsches Anlegermagazin, das nun DIC ebenfalls im Fadenkreuz internationaler Investoren sieht.

Wie auch immer es kommen wird, DIC ist auch als unabhängiges Unternehmen für uns weiterhin attraktiv. Kommt tatsächlich ein Übernahmeangebot, winken uns natürlich kurzfristig weitere schöne Kursgewinne. Wir bleiben unverändert investiert.

Chartkommentar: Die DIC-Aktie bescherte Ihnen bislang einen Buchgewinn von rund 40 % zuzüglich einer anständigen Dividendenzahlung in Höhe von 0,70 Euro je Aktie. Derzeit befindet sich der Titel allerdings in einer Seitwärtsbewegung zwischen 14 und 16 Euro. Günstige Nachrichten – wie etwa eine Übernahme der Alstria – werden die DIC-Aktie aus diesem Band nach oben herausführen.Akamai punktet im Segment Internetsicherheit – Ausblick eher konservativ 

Der Internetdienstleister Akamai konnte im abgelaufenen Quartal den Umsatz um 7 % auf 853 Millionen USD verbessern. Netto verdiente das Unternehmen 1,42 USD pro Aktie und damit rund 2 % mehr als von den Analysten erwartet. Akamai war besonders im Geschäftsfeld Internetsicherheit erfolgreich. Hier meldete man eine Umsatzverbesserung von 25 % auf 325 Millionen USD.

Das Edge-Geschäft – Beschleunigung stark frequentierter Webseiten – hingegen stagnierte bei einem Umsatz von knapp 530 Millionen USD. Im laufenden Jahr geht die Nutzung des Internet gemessen an den Clickraten und dem Besucheraufkommen doch etwas zurück, da immer mehr Menschen aus dem Online- ins Offline-Leben zurückkehren. Hier gilt: Je mehr Internetverkehr, desto mehr Umsatz für Akamai.  

Ungeachtet der anständigen Quartalszahlen geriet die Aktie auf Wochensicht unter Verkaufsdruck. Die Investoren störten sich an einem eher vorsichtigen Ausblick des Unternehmens. Akamai geht davon aus, dass man Gewinn und Umsatz im laufenden Quartal zunächst nicht weiter steigern wird.

Wir bleiben investiert und unterstellen, dass die Frequentierung des Internets nach einer kurzen Pause wie in der Vergangenheit wieder zulegen wird.
Vestas erwartet Geldregen aus Washington    

2,6 Billionen USD wollte Präsident Joe Biden in den kommenden Jahren über verschiedene Maßnahmen in die US-Volkswirtschaft pumpen. Für die oppositionellen Republikaner, die das Paket bislang im Senat blockiert hatten, war das zu viel. So wurde das Infrastruktur-Programm nun auf rund 1 Billion USD zusammengestrichen. Davon wird Washington rund 73 Milliarden USD in den Ausbau der Strom-Infrastruktur stecken. Rund 15 Milliarden USD sind für die Förderung der E-Mobilität vorgesehen.

Damit konnten die Demokraten wichtige Bestandteile des Paketes retten. Darüber freut man sich vor allem in der Chefetage der Vestas Wind. Die Dänen erwirtschaften nämlich rund 40 % ihres Umsatzes in den USA. Folglich wird der Marktführer von den bevorstehenden Milliarden-Investitionen bedeutende Anteile in die eigene Tasche lenken können. Diese Perspektive beflügelte die Vestas-Aktie, die sich auf Wochensicht um rund 6 % verteuerte.

Wichtig ist hier vor allem, dass in dieser Haushaltsfrage ungefähr zeitnah ein Kompromiss gefunden wurde. Zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass das ambitionierte Programm im Parteien-Gezänk sterben wird. Hier haben wir nun Klarheit, und die US-Versorger können die Mittel in absehbarer Zeit abrufen und Vestas mit frischen Aufträgen versorgen.

Die Dänen-Aktie hat uns bislang noch nicht wirklich überzeugt. Das sollte sich nun ändern. Weitere Impulse für die Aktie erwarte ich mir von der anstehenden Bundestagswahl in Deutschland. Bekanntlich ruht hierzulande der Ausbau der Windkraft zurzeit. Es ist aber politischer Konsens, dass wir in dieser Sache wieder Aktivität zeigen müssen.

Ich stufe die Aktie der Vestas-Wind nun wieder auf Kaufen herauf. Fassen Sie zu Kursen bis 34 Euro zu, sofern Sie bislang noch nicht engagiert sind.

Franco-Nevada neu im Trenddepot –

Nächste Woche kommen Zahlen

Mittlerweile habe ich die Aktie der Franco-Nevada zu 150 USD glatt in das Trenddepot aufgenommen. Der Titel liegt gegenwärtig knapp 6 % im Plus. In der kommenden Woche wird Franco-Nevada aus dem abgelaufenen Quartal berichten. Auch die wichtigen Konkurrenten Royal Gold und Wheaton Precious Metals werden ihre Bücher für die Investoren öffnen. Danach werden wir also gute Einblicke in den aktuellen Stand der Branche haben.

Ich bestätige meine Empfehlung für die Aktie der Franco-Nevada (Kauflimit: 150 USD). Nächste Woche werde ich entscheiden, ob eine Anhebung dieses Kauflimits gerechtfertigt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

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Alexander von Parseval