Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

alljährlich trifft sich die geldpolitische Elite vor dem großartigen Panorama der Teton Mountains in Jackson Hole (Wyoming) zum gepflegten Gedankenaustausch. Heuer war es für die diversen Notenbanker und Finanzminister nicht ganz so nett. Die Veranstaltung wurde nämlich nur digital abgehalten. Die Börsianer interessierten sich dabei vor allem für die Ideen und Gedanken des obersten US-Währungshüters Jerome Powell.

Wie üblich äußerte sich der Präsident der Federal Reserve wenig konkret. Er bestätigte einmal mehr, dass sich die US-Konjunktur und der Arbeitsmarkt zuletzt günstig entwickelt hat. Daher wird man noch in diesem Jahr das aktuelle Anleihenkaufprogramm (120 Milliarden USD/Monat) wohl abschmelzen. Eine Zinserhöhung hingegen sieht der einflussreichste Geldpolitiker der Welt auf absehbare Zeit nicht.

So schoben die Aktienmärkte bereits in der vergangenen Woche weiter an und konnten die Gewinne in dieser Woche gut behaupten. Im Trenddepot profitierten vor allem die Titel der Jenoptik sowie der Verisk Analytics von der positiven Grundstimmung. Lediglich die Titel des Internetdienstleisters Akamai traten auf der Stelle.

Meine Kurzfrist-Prognose: Es ist verdächtig ruhig am Markt. Ich erwarte in den kommenden September-Wochen keine nennenswerten Zuwächse mehr. Vor allem Profis wollen momentan nicht richtig in den Markt und halten sich mit größeren Orders spürbar zurück. Unterdessen stellt sich allmählich die Frage, wer Jerome Powell im Amt beerben wird. Die Amtszeit des Fed-Chefs läuft nämlich im Februar aus. Möglicherweise wird sein Mandat verlängert, da der ehemalige Trump-Favorit durchaus Unterstützung auch aus dem demokratischen Lager genießt. Eine Alternative wäre die Fed-Gouverneurin Lael Brainard, die vor allem aus dem progressiven Spektrum der Demokraten gefordert wird.

Ich werde mich sicherheitshalber nächstens einmal mit der Dame vertraut machen. Generell halte ich es allerdings für unwahrscheinlich, dass diese Personalie eine grundsätzlich andere Geldpolitik einläuten wird.  

Franco-Nevada profitiert von US-Geldpolitik –

Gold wieder über 1.800 USD  

Im August sackte die Goldnotierung zeitweise spürbar unter die Marke von 1.800 USD ab. Die Einlassungen des Fed-Präsidenten haben dem Edelmetall nun allerdings wieder Schwung verliehen. Gleichzeitig schwächelte auch der US-Dollar im internationalen Devisenhandel. Hier gilt immer eine Faustformel: Schwächelt der Dollar, legt Gold zu. Im Gefolge war die Aktie der Franco-Nevada auch wieder gefragt. Der Titel verteuerte sich auf Wochensicht um knapp 3 %.

Chartkommentar: Gold hat bei rund 1.700 USD eine belastbare Unterstützung – hier grün markiert – ausgebildet. Ein Absinken unter diese Marke ist gegenwärtig schlechterdings unvorstellbar. Zudem ist das Edelmetall aus der seit Mitte 2020 laufenden Korrektur (rote Linie) mittlerweile herausgewachsen. Der Chart „riecht“ noch nicht unbedingt nach einer neuen spektakulären Gold-Hausse. Für Franco-Nevada sind allerdings stabile Goldpreise bereits völlig ausreichend.

Ich rate hier unverändert zum Kauf zu Kursen bis 150 USD, sofern Sie bislang noch nicht investiert sind. Solange die westlichen Notenbanken an ihrer bisherigen lockeren Geldpolitik festhalten, werden solche Royalty-Aktien immer gefragt sein 

Vontobel-Zertifikat: Wir holen uns über 90 % Buchgewinn 

Ich werde nun das Vontobel-Zertifikat auf den Solactive Artificial Intelligence-Index veräußern. Mit der Entwicklung des Wertpapiers bin ich sehr zufrieden. Unter dem Strich hat das Vehikel etwas über 90 % geschafft und dabei auch den März-Schock 2020 rasch verdaut. Dabei sorgte die breite Streuung des Zertifikats für ein relativ gleichmäßige Performance-Entwicklung.

Ist das Thema Künstliche Intelligenz nun nicht mehr aussichtsreich für uns als Börsianer? Grundsätzlich schon. Ich möchte allerdings nächstens im Trenddepot einen etwas anderen Schwerpunkt setzen, um die Performance weiterhin hochzuhalten.  

Sie veräußern das Wertpapier ohne Limit (bestens) über Frankfurt oder Stuttgart. Die Vontobel-Bank stellt an beiden Börsenplätze regelmäßige faire Ankauf- oder Verkaufskurse.  


Chinesen bringen neues Monster-Windrad – Vestas wird kontern  

Der chinesische Windanlagenbauer MingYang Smart Energy stellt ein neues Windrad der Superlative in Dienst. Das neue Modell MySE 16.0 wird dabei rund 118 Meter in den Himmel greifen. Die Rotorblätter verfügen über einen Durchmesser von 242 Meter. Das entspricht ungefähr der Länge von zwei Fußballfeldern. Das MingYang-Windrad wird ein Areal von 46.000 Quadratmetern abdecken, aus dem es quasi den Wind heraussaugt.

Unter optimalen Bedingungen soll das Windrad bis zu 80.000 Megawatt-Stunden Strom erzeugen. Damit lassen sich rund 20.000 Haushalte versorgen. Somit verfügt MingYang ab jetzt über das leistungsstärkste Windrad und wird den bisherigen Rekordhalter General Electric distanzieren.

Wie geht Vestas mit dieser Herausforderung um? Die Dänen werden 2024 für den deutschen Energieversorger EnBW ein vergleichbares Monster-Windrad in Dienst stellen. Zwar erreicht das Vestas-Windrad nur eine Spanne von etwas über 230 Metern und bearbeitet lediglich eine Einzugsfläche von knapp 43.000 Quadratmetern. Im Praxisbetrieb dürften die beiden Windräder allerdings nahezu identische Ergebnisse bringen.

Fazit: Vestas gehört derzeit gemeinsam mit General Electric und Xinjiang Goldwind zu den Marktführern. Technologisch sind die Dänen offensichtlich ebenfalls auf der Höhe der Zeit und beherrschen auch die Klasse der Monster-Windräder. MingYang gehört zu den Herausforderer-Unternehmen der Branche. Das Modell MySE 16.0 ist für die Chinesen ein schöner Prestigeerfolg. Nun gilt es allerdings, dieses Gerät auch erfolgreich zu verkaufen. Ein entsprechender Abschluss steht noch aus.

Ich bestätige meine Kaufempfehlung für die Aktie der Vestas Wind. Kaufen Sie zu Kursen bis 34 Euro, sofern Sie noch nicht engagiert sind.

Hinweis in eigener Sache:

Nächsten Freitag entfällt die Wochenausgabe 

Ich befinde mich derzeit im Urlaub in Trogir (Dalmatien), also sofern sich ein Börsianer jemals im Urlaub befindet. Richtigerweise heißt es wohl: Ich arbeite derzeit aus meinem Beach Office. Am nächsten Freitag (10. September) trete ich die Rückreise nach Deutschland an. Daher entfällt an diesem Tag die ansonsten übliche Wochenausgabe. Von mir lesen Sie dann spätestens wieder am 17. September.

Sollte es zwischenzeitlich zu unerwünschten Marktereignissen oder Kursbewegungen kommen, werde ich mich bei Ihnen per Sondermail melden.

Ich verabschiede mich für heute von Ihnen und wünsche Ihnen ein angenehmes und sonniges Wochenende.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alternate text

Alexander von Parseval

Börsianer freuen sich