Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

diese Börsenwoche war nicht sehr angenehm für uns. So verloren deutsche Aktien gemessen am DAX rund 2,5 %, während der NASDAQ 100 rund 4 % absackte. Das Trenddepot konnte sich dem allgemeinen Verkaufsdruck teilweise entziehen. So verbuchten VW und Umicore gegen den Trend kleinere Gewinne. Stabil zeigte sich DIC Asset sowie der ETF auf die US-Dividendenaristokraten. Titel wie Jenoptik oder SAP hingegen gaben zur Vorwoche spürbar ab.

Ich muss nun keine Zeit damit verschwenden, diese Kursrückgänge im Detail zu erklären. Tatsächlich liegen kaum Unternehmensnachrichten von Substanz vor. Es ist der schwache Gesamtmarkt, der die Einzeltitel niederdrückt. Was sind die Störer?

Die Energiepreise treiben derzeit massiv aufwärts und heizen damit die Inflation aller Orten an. Besonders angespannt ist offenbar der Gasmarkt. Auf Monatssicht verteuerte sich der Rohstoff am Weltmarkt um rund 90 %. Generell befinden sich verschiedene Segmente momentan nicht im Gleichgewicht. Dafür ist Gas ein Beleg, aber auch die anhaltenden Lieferprobleme etwa in der Auto- oder Baubranche.

Dieser Sachverhalt leitet uns gleich zum nächsten Störer. Die US-Notenbank Fed hatte bislang den Preisschub als temporäres Ereignis beschrieben. Mittlerweile glaubt man an diese Einschätzung selbst nicht mehr so richtig. Deshalb müssen wir als Börsianer wohl im Dezember in einen sauren Apfel beißen. Dann werden die Währungshüter sehr wahrscheinlich den Geldhahn etwas enger drehen, um die Inflation zu bekämpfen.

Diese Perspektive ist naturgemäß kein Doping für die internationalen Börsen. Außerdem kann diese geldpolitische Straffung auf eine Zeitenwende hindeuten. Die langen Jahre des ultrabilligen Geldes sind möglicherweise erst einmal vorüber. Diesen Sachverhalt preist der Markt nun allmählich durch niedrigere Kurse und auch günstigere Bewertungen ein.   

Wann sehen wir wieder klar? Wann wird der Aktienmarkt wieder Tritt fassen? Ich habe die begründete Hoffnung, dass die US-Notenbank für uns im November Klarheit schaffen wird und dann eben eine erste Straffung der Geldpolitik ankündigen wird. Wahrscheinlich wird Jerome Powell dabei einen Art Stufenplan ankündigen, in welchem Umfang und in welchem Tempo er das Anleihenkaufprogramm von derzeit 120 Milliarden USD pro Monat zurückfahren wird. Vielleicht wird es dann nochmals kurzzeitig scheppern im Markt. Generell gilt aber: Börsianer brauchen nicht immer eine perfekte Nachrichtenlage, aber eben Klarheit. Fazit: Gegenwärtig gehe ich davon aus, dass es in den kommenden Wochen zunächst schwierig und volatil bleiben wird. Im Dezember sehe ich die Aktien dann im Rahmen einer Jahresendrally allerdings wieder deutlich stabiler.

Wir machen bei Linde knapp 50 % Gewinn fest

Kurzfristig ist es nun für uns sinnvoll, etwas Geld und Risiko aus unseren Depots zu nehmen. Deshalb habe ich mich entschieden, die Aktie der Linde zunächst zu verkaufen. Warum gerade diese Position? Die Auswahl dieser Aktie ist halbwegs willkürlich. Die Qualität des Gase-Spezialisten steht außer jeder Frage. Diese Qualität hat sich allerdings in einer entsprechenden Kursbewegung niedergeschlagen. So ist der Titel auf Jahressicht dem DAX vorausgelaufen. Diese Besserentwicklung (Out-Performance) wird die Gase-Aktie nicht unbedingt halten.

Für Linde kann zudem ungünstig wirken, dass die Aktie in vielen wichtigen Indizes – wie DAX, S&P 500 oder auch MSCI World – vertreten ist. Wenn also ETF-Anleger ihre Positionen reduzieren, gerät das Papier gleich von mehreren Seiten unter Beschuss. In Korrekturphasen wirken solche mehrfachen Indexmitgliedschaften nur selten positiv auf den Kurs.

Lange Rede kurzer Sinn: Mit Linde haben Sie inclusive Dividenden rund 50 % verdient. Holen Sie sich jetzt dieses Geld und sorgen Sie mit einer Erhöhung der Barmittel für eine bessere Stabilität in Ihrem Depot. Verkaufen Sie die Aktie der Linde nun ohne Limit (bestens) an einem gängigen deutschen Börsenplatz oder an der Börse New York.

Die Frage: Sind weitere Gewinnmitnahmen geboten? 

Diese Frage drängt sich auf: Kann es für Sie sinnvoll sein, weitere Positionen des Trenddepots zu veräußern? Ich antworte differenziert. Möglicherweise sind Sie in der aktuellen Marktlage etwas angespannt. Dann kann es durchaus für Sie geboten sein, etwa in der Position Jenoptik zusätzlich Kasse zu machen. Die Aktie ist in den vergangenen 3 Monaten um 27 % gestiegen. Hier wird es also möglicherweise in den kommenden Tagen Gewinnmitnahmen geben, da hier diverse Anleger auf schönen Gewinnen sitzen.

Agieren Sie entsprechend, können Sie dann die Aktie in einigen Wochen wieder zurückholen, sobald ich sie auf Kaufen hochsetze. Freilich haben Sie keine Gewähr, dass sich ein solcher Zwischenverkauf für Sie wirklich rechnet. Denn in der Praxis holt man am Ende oftmals den Titel teurer zurück, als man ihn zuvor verkauft hat.

Generell gehe ich Stand heute von einer Zwischenkorrektur aus, die den übergeordneten Hausse-Trend nicht nachhaltig brechen wird. Deshalb rate ich zurzeit nur zu punktuellen Verkäufen.   

Kauforder für SoftBank bleibt aktiv 

Die zuletzt von mir empfohlene Aktie der SoftBank konnte sich in den vergangenen Tagen den schwachen Marktvorgaben teilweise entziehen. Folglich wurde das von mir genannte Kauflimit von 44 Euro noch nicht erreicht. Dennoch rate ich Ihnen, das Limit im Markt zu belassen. Mein Kalkül hier: Ich gehe davon aus, dass das gesetzte Abstauberlimit dann greift, wenn die Zwischenkorrektur allmählich ausläuft. In diesem Szenario hätten wir dann die Aktie der Technologie-Holding recht günstig unten abgefischt.

Ich wiederhole meine Kaufempfehlung für die Aktie der SoftBank. Fassen Sie zu Kursen ab 44 Euro (Kauflimit) oder unterhalb zu! Geeignete Handelsplätze sind Tradegate, Frankfurt und natürlich die Heimatbörse Tokio.   

Ich entlasse Sie nun in Ihr wohlverdientes Wochenende. Dazu meine besten Wünsche!

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

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Alexander von Parseval