Lieber Leser,

da sind uns doch einige Steine vom Herzen gefallen. In den vergangenen Tagen haben diverse Leuchtturm-Unternehmen Geschäftszahlen aus dem abgelaufenen Quartal vorgelegt. Und das Zahlenwerk war gut. So überzeugten unter anderem die US-Banken Wells Fargo und Bank of America. Hierzulande wurden die Zahlen des Software-Unternehmens SAP mit Wohlwollen aufgenommen.

Nun haben wir die Hoffnung, dass trotz einiger Belastungsfaktoren wie Inflation, teure Energiepreise oder Chipmangel die Unternehmen zuletzt mehrheitlich gutes Geld verdient haben. Gleichwohl gieße ich schon noch etwas Wasser in den Wein: Bislang haben eher klassische Dienstleister berichtet, die etwa von den erhöhten Rohstoffpreisen nicht direkt betroffen sind. Unklar ist zur Stunde noch, wie sich die Unternehmen des produzierenden Gewerbes im letzten Quartal verkauft haben.

Trotzdem: Der Pessimismus der Investoren in den vergangenen Wochen war sehr wahrscheinlich etwas übertrieben. Und so startete der Aktienmarkt in dieser Woche eine kleine Erholungsrally. Der DAX rückte um fast 2 % vor, während der NASDAQ 100 bislang rund 1,5 % machte.

Autobranche:

Produktionsausfälle geringer als erwartet 

Autoaktien waren in den vergangenen Wochen nicht sonderlich gefragt, da man am Markt aufgrund des anhaltenden Chipmangels mit erheblichen Produktionsausfällen gerechnet hatte. Nun belegen Zahlen des Massenherstellers Toyota, dass die Sorgen nicht ganz begründet waren. So blieben die Japaner im August und September gemessen an den produzierten Einheiten zwar 10 bis 15 % unter den eigenen Planungen. Die Investoren hatten allerdings mit Ausfällen von bis zu 40 % gerechnet.

So nahm der Markt auch die schwachen Absatzzahlen der VW-Tochter Porsche mit Gelassenheit auf. Der Sportwagenhersteller meldete für das 3. Quartal einen Absatzrückgang in Höhe von knapp 15 %. Allerdings versicherte die Unternehmensführung gleichzeitig, die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Die Fahrzeuge, die man gegenwärtig nicht ausliefern kann, werden also im kommenden Jahr von den Bändern rollen. Ich wiederhole meine Einschätzung, die ich an dieser Stelle schon mehrmals verbreitet habe: Nordamerikaner und auch Europäer sitzen mehrheitlich auf eher älteren Fahrzeugen und müssen ihre Pkw-Flotten in den kommenden 2 bis 3 Jahren wieder frisch machen. Das ist eine gute Voraussetzung, um mit Autoaktien wie VW gutes Geld zu verdienen. Hinzukommt, dass Autoaktien mit zu den billigsten Titeln der Standard-Indizes wie dem DAX oder dem S&P 500 gehören.

Folglich stufe ich die Vorzugsaktie der VW wieder auf Kaufen herauf. Fassen Sie zu Kursen bis 200 Euro zu.

Starkes Umsatzwachstum:

SAP schließt offene Flanke in der Cloud

Auf den ersten Blick lesen sich die SAP-Quartalszahlen nicht sonderlich spektakulär. Man steigerte den Umsatz zum Vorjahr lediglich um 4,6 %, während das Betriebsergebnis sogar um 15 % auf 1,25 Milliarden Euro schrumpfte. Dennoch hielt die Zahlenpräsentation in einem Detail eine veritable positive Überraschung für uns bereit.

So hat SAP im Quartal mit der relativ frisch eingeführten Cloudversion des S/4 Hana-Systems einen Umsatz in Höhe von 276 Millionen Euro erzielt. Das ist zunächst noch nicht viel, entspricht allerdings einem satten Umsatzwachstum von 50 %. Ein kurzer Rückblick: Die Deutschen hatten sich ausgerechnet bei der Übertragung der Kernanwendung in die Cloud viel Zeit genommen. Damit hatte man gegenüber wichtigen Konkurrenten wie Oracle, Salesforce oder Microsoft die Tür geöffnet. Vor allem US-Analysten sahen SAP schließlich nicht mehr als Trendsetter im Markt für Unternehmenssoftware.

Diese Sorge ist nun vom Tisch, sodass die Aktie auf Wochensicht fast 6 % anzog. Der Quartalsbericht zeigt, erstens waren die SAP-Kunden geduldig und sind nicht spontan zur Konkurrenz abgewandert. Zweitens hat man nun die offene Flanke gegenüber der Konkurrenz geschlossen. Gut gemacht, SAP!

Bleiben Sie investiert und planen Sie mit der Aktie der SAP langfristig!  

Chartkommentar: Im Chartbild erkennen Sie am linken Rand den letzten Kurssturz der SAP-Aktie. Ursache waren damals die Zweifel der Analysten an der Cloud-Strategie des Unternehmens. Ich habe damals meine Recherche aufgenommen und schließlich nach einer Kursstabilisierung Ende Januar 2021 gekauft. Mittlerweile hat die Aktie einen stabilen Aufwärtstrend ausgebildet, den ich in der Grafik grün eingezeichnet habe.  

SoftBank:

Britische Beteiligung THG liegt unter Feuer der Short-Seller

In dieser Woche ist an der Börse London die Aktie des eCommerce-Spezialisten THG PLC kollabiert. Insgesamt verlor die Aktie, die auch im Portfolio der SoftBank liegt, rund ein Drittel ihres ursprünglichen Wertes. Zuvor hatte der Gründer des britischen Startups erklärt, dass sich zuletzt Short-Seller in der Aktie eingedeckt hatten. Anschließend sackte der Kurs des THG-Papiers fast augenblicklich massiv ab.

SoftBank hat sich bei den Briten mit rund 730 Millionen USD engagiert und hält eine Option auf eine weitere Aufstockung des Anteils. Nun schalten sich die Japaner ein und werden vor allem auf eine Professionalisierung der Außendarstellung dringen. Der Hinweis auf den Angriff der Short-Seller war nicht unbedingt erforderlich.

Solche Fehlschläge gehören zum Geschäftsmodell eines Wagniskapitalgebers (Venture Capital). Aufgrund des breit aufgestellten Portfolios der SoftBank dürfte sich der Effekt des Kurssturzes der THG-Aktie auf das Zahlenwerk der SoftBank in sehr engen Grenzen halten. Die japanische Aktie präsentierte sich auf Wochensicht folglich stabil bei rund 48 Euro.

Ich bestätige meine Kaufempfehlung für die Aktie der SoftBank und belasse das Kauflimit unverändert bei 44 Euro.    

Zum Abschluss: Die Berichtsaison nimmt nun Tempo auf. Allein in der kommenden Woche werden Schwergewichte wie Tesla, PayPal, Netflix oder Procter & Gamble ihre Bücher für die Investoren öffnen. Drücken Sie die Daumen, dass die US-Unternehmen anständig berichten! Denn dann dürften wir noch einen recht angenehmen Jahresausklang an der Börse erleben.   

Von mir „hören“ Sie planmäßig wieder am nächsten Freitag, den 22. Oktober. Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alternate text

Alexander von Parseval