Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die Berichtsaison läuft nun auf vollen Touren. Jeden Tag berichten viele dutzende von Unternehmen aus dem abgelaufenen Quartal. Dabei ist nicht alles Gold, was die Unternehmen uns erzählen. So enttäuschte hierzulande überraschend die Varta-Aktie. Auch im Trenddepot versagte mit der Vestas Wind eine Position. Dazu später mehr.

Gleichwohl, das Gesamtbild ist intakt, und so notieren die viele wichtige Aktien-Indizes auf Rekordniveaus. Der DAX etwa rückte auf Wochensicht um rund 2,5 % voran und schaut derzeit knapp über die Marke von 16.000 Zählern. In den USA ziehen die Technologie-Werte wieder. Der NASDAQ 100 machte sogar 3,5 %.

Erfahren Sie jetzt, wie wichtige Positionen des Trenddepots im vergangenen Quartal abgeschnitten haben.

Franco-Nevada liefert punktgenau – Ölbeteiligungen immer wichtiger 

Der kanadische Spezialfinanzierer für Minen – und Energieprojekte, Franco-Nevada, hat im abgelaufenen Quartal die Erwartungen der Analysten praktisch punktgenau erfüllt. Man steigerte den Gewinn pro Aktie um knapp 10 % auf 0,87 USD. Der Umsatz verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13 %. Einer besseren Gewinnentwicklung standen zuletzt vor allem die Edelmetalle entgegen. Besonders Palladium war im Berichtszeitraum sehr schwach. Aber auch die für Franco-Nevada wichtigste Notierung, der Goldpreis stagniert zurzeit.

Das Gesamtbild: Die Kanadier steuern ungeachtet des nicht ganz perfekten Marktumfeldes auf ein neues Rekordjahr zu. Bislang hat man in den ersten drei Quartalen einen Umsatz von 972 Millionen USD erwirtschaftet und damit 36 % mehr als im Vorjahr. Netto hat man bislang 509 Millionen USD (+44 %) eingenommen. Dabei entwickelte sich besonders die Energiesparte im Portfolio der Kanadier günstig. Hier finden Sie diverse Beteiligungen an Öl- und Gasprojekten.

Diese Projekte werden absehbar im Portfolio des Investors immer wichtiger. Zum Jahresende dürfte diese Sparte für knapp 20 % des Konzernumsatzes stehen. Es war völlig richtig, dass wir damals nicht auf einen reinen Edelmetall- Finanzierer gesetzt haben, sondern auf Franco-Nevada, die vor einigen Jahren erstmals Beteiligungen im Energiesektor in ihr Portfolio aufgenommen haben.

Wir halten an der Aktie der Franco-Nevada zunächst fest. Ich sehe zwar für die Edelmetalle nicht unbedingt die nächste Hausse voraus. Die Energie-Beteiligungen dürften allerdings auch in den kommenden Quartalen für Schwung und Dynamik sorgen.

Vestas meldet immer mehr Umsatz und immer weniger Gewinn 

Der dänische Windanlagenbauer Vestas hat im abgelaufenen Quartal einen Rekordumsatz in Höhe von 5,5 Milliarden Euro erzielt. Gleichzeitig sank allerdings der operative Gewinn von 412 auf 325 Millionen Euro. Die operative Gewinnmarge verringerte sich damit erheblich von 8,6 auf 5,9 %. Was ist die Ursache dieses Missverhältnisses zwischen steigendem Umsatz und fallendem Gewinn?

Sie ahnen es bereits. Derzeit zieht Vestas zwar regelmäßig neue Aufträge an Land. So sitzt man auf einem gewaltigen Auftragsbestand in Höhe von 47,3 Milliarden Euro. Das ist grob gesprochen Arbeit für gute 4 Jahre. Auf der anderen Seite beißen immer noch die gestiegenen Preise für Vorprodukte und Rohstoffe in die Gewinnmarge der Dänen. Zu Deutsch: Die Dänen sind zwar sehr fleißig, verdienen allerdings mit ihrer Arbeit momentan nicht sonderlich viel.

Kurzfristig wird sich an diesem Sachverhalt auch nicht viel ändern. So hat die Unternehmensführung die operative Gewinnprognose für das laufende Jahr reduziert. Aus dieser Prognose kann man indirekt entnehmen, dass die Gewinnmarge von aktuell 5,9 % unter ungünstigen Marktbedingungen sogar zumindest vorübergehend unter 4 % absinken kann.

Zur Vermeidung von Missverständnissen: Vestas kommt derzeit voran. So wird man im laufenden Quartal den Nettogewinn vielleicht sogar von aktuell 0,12 auf 0,23 Euro je Aktie fast verdoppeln. Wo ist also das Problem? Der Markt hatte schlichtweg vor dem Hintergrund der Klimadiskussion zum Jahresende mit ganz anderen Euro-Beträgen pro Aktie kalkuliert. Anders formuliert: Vestas kann die Erwartungen des Marktes nur sehr eingeschränkt erfüllen.

Die Aktie wird derzeit stark abverkauft und hat auf Wochensicht rund 20 % ihres ursprünglichen Wertes verloren. Das ist jetzt natürlich eine Panikreaktion, sodass ein Verkauf jetzt nicht mehr sinnvoll ist. Ich warte nun eine Zwischenerholung ab. Anschließend werden wir dann wahrscheinlich auch verkaufen. Ich sehe mittelfristig nur moderates Kurspotenzial für die Dänen-Aktie.

 

Akamai übertrifft Analystenerwartungen ­– Internetsicherheit boomt 

Das US-Unternehmen Akamai betreut Webseiten (Hosting) für gewerbliche Kunden und sorgt dafür, dass diese Seiten stabil und schnell funktionieren. Dabei rückt der Aspekt der Sicherheit für die Kunden der Akamai zunehmend in den Vordergrund. Allein im in den ersten 9 Monaten des vergangenen Jahres soll die Anzahl der sog. Ransomware-Angriffe auf Unternehmen um 138 % gestiegen sein. Kurz zur Erläuterung: Bei einer solchen Attacke werden Teile der Unternehmensseite von Unbefugten verschlüsselt. Anschließend wird das Unternehmen aufgefordert einen Geldbetrag zu bezahlen, damit die Seite bzw. die Daten wieder freigegeben werden.  

Akamai ist hier natürlich für seine Unternehmenskunden der erste Ansprechpartner. Zuletzt hat man durch die Übernahme einer israelischen Softwareschmiede namens Guardicore in diesem Segment nochmals die eigene Expertise ausgebaut. Das schlägt sich nun auch verstärkt in den Geschäftszahlen des Internet-Dienstleisters nieder.

So steigerte man den Gewinn pro Aktie um 11 % auf 1,45 USD. Dabei hat man die Erwartungen des Marktes leicht übertroffen. Der Umsatz legte im 3. Quartal um 9 % auf 860 Millionen USD zu. Aufgrund der starken Gewinnentwicklung wird Akamai nochmals eigene Aktien am Markt zurückkaufen. Je nach kurzfristiger Kursentwicklung wird man ab dem 1. Januar 2022 eigene Aktien im Wert von 1,8 Milliarden USD zurückkaufen.

Akamai wandelt sich vom klassischen Hosting-Unternehmen zunehmend zum Spezialisten für Internetsicherheit. Diese Sparte steht im Unternehmen nach den aktuellen Zahlen bereits für 40 % des Umsatzes. Diese Perspektive mögen die Investoren. Per saldo rückte der konservative Wachstumstitel auf Wochensicht um über 5 % voran.

Bleiben Sie investiert und lassen Sie die Kursgewinne weiter reifen!

 

Verisk wie immer verlässlich – AIR-Anwendung im Fokus 

Der Spezialist für datengestützte Risikoanalyse, Verisk, hat im abgelaufenen Quartal die Erwartungen des Marktes voll umfänglich erfüllt. Man erzielte einen Umsatz in Höhe von knapp 760 Millionen USD. Das entspricht – immer gerechnet auf das Vorjahresquartal – einem Zuwachs von 8 %. Der bereinigte Gewinn legte um 9 % auf 1,44 USD je Aktie zu. Das freut vor allem konservative Anleger: 85 % des Umsatzes der Verisk beruhen auf Abomodellen bzw. mehrjährigen Vertragsvereinbarungen.

Auch in Glasgow (Klimagipfel COP26) ist das Geschäftsmodell der Verisk zurzeit ein Thema. Das US-Unternehmen verfügt nämlich über eine Anwendung namens AIR Worldwide. Ganz platt gesprochen. Das ist eine Art langfristiger Wetterdienst, der Ihnen z.B. sagt, ob Sie eine Ackerfläche auch in 10 Jahren noch nutzen können. Zahlreiche Unternehmen vor allem aus den Branchen Agrar, Assekuranz und Vermögensverwaltung nutzen die Ergebnisse von AIR. Daneben zählt Verisk auch öffentliche Organisationen – wie z. B. die NASA – oder Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) zu ihren Kunden. AIR liefert langfristige Klimaprognosen für 110 Länder.

Die Belastbarkeit des Geschäftsmodells spiegelt sich auch eindrücklich in der Kursentwicklung der Aktie wider. Vergleichen Sie hierzu bitte den beigefügten Chart! Wenn Sie einmal eine Aktie suchen, die eigentlich praktisch immer steigt, dann werden Sie hier fündig.

 

Kurzfristig muss ich Sie allerdings leicht bremsen. Zuletzt markierte die Aktie ein neues Rekordhoch. Da muss man jetzt nicht unbedingt kaufen. Beim nächsten Wackler der Aktie werde ich Sie allerdings sofort entsprechend informieren.

 

Neuaufnahme: SoftBank und Clean Energy-ETF ab jetzt im Trenddepot 

Bitte beachten Sie, dass in der vergangenen Woche die Kaufempfehlung SoftBank in das Trenddepot gerutscht ist. Ferner führe ich dort nun auch den zuletzt empfohlenen Clean Energy ETF aus dem Hause L&G. In diesem ETF befinden sich auch die Aktien der Vestas, Nordex und Siemens Gamesa. Diese drei Positionen sorgten – wie bereits dargelegt – in den letzten Tagen für Gegenwind im Index. Das Vehikel hat die Rücksetzer der drei Wind-Aktien allerdings voll umfänglich aufgefangen.

Sowohl die Aktie der SoftBank wie auch den L&G Clean Energy ETF empfehle ich weiterhin zum Kauf, sofern Sie noch nicht engagiert sind. Die genauen Einstandskurse, die ich zugrunde gelegt habe, entnehmen Sie der folgenden Depotübersicht.

Ich wünsche Ihnen allen ein angenehmes Wochenende. Von mir lesen Sie planmäßig wieder am nächsten Freitag.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

 

Alternate text

 

Alexander von Parseval