Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

in dieser Woche rückten die wichtigen Aktienmärkte nicht mehr voran. Der NASDAQ 100 verlor sogar über 2 %. Der DAX hielt sich zwar wacker, trat per saldo dann aber auch nur auf der Stelle.

Die Belastungsfaktoren: Die Bekämpfung des Covid-Virus schreitet nicht so voran wie gewünscht. Besonders unerfreulich sind die Inzidenzwerte in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Unterdessen wird das Robert Koch-Institut unseren Nachbarn Österreich offenbar wieder größtenteils als Hochrisikogebiet ausweisen. Und dies genau in dem Moment, wo die touristischen Zentren des Landes das Wintergeschäft anfahren werden.

Zudem verdichten sich die Anzeichen weiterhin, dass die neue Inflation zunächst bleiben werden. So melden die USA und auch Deutschland neue Rekordwerte für die nationale Teuerung im Oktober. Das wiederum hat den Goldpreis getrieben und damit indirekt auch die Aktie der Franco-Nevada. Dazu lesen Sie gleich mehr.

In besonderem Maße überzeugte daneben die SoftBank-Aktie, die in den vergangenen Tagen prozentual zweistellig aufrückte. Das Zahlenwerk der Japaner war dabei gar nicht angenehm, wie Sie gleich erfahren werden. Allerdings ist die Aktie derweil fundamental derart unterbewertet, dass sie auch schlechtere Nachrichten „wegsteckt“.

SoftBank legt gigantisches Aktienkaufprogramm auf – Aktie + 11 %

as japanische Beteiligungsunternehmen SoftBank Group musste im abgelaufenen Halbjahr erhebliche Wertberichtungen im Portfolio vornehmen. Unter dem Strich sank der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 17 Milliarden auf 3,3 Milliarden USD ab. Der Nettowert des Portfolios ermäßigte sich gemessen am Vorquartal (Stichtag: 30. Juni) von 244 Milliarden auf 187 Milliarden USD (Stichtag: 30. September). Was waren die Rohrkrepierer im Portfolio?

Vor allem die hoch gewichteten chinesischen Positionen wie Alibaba und Didi enttäuschten. Die Alibaba-Beteiligung etwa verlor auf Jahressicht rund die Hälfte ihres ursprünglichen Wertes und wiegt nun nur noch knapp 30 % im SoftBank-Portfolio. Ferner entwickelte sich die Beteiligung Coupang sehr ungünstig und löste ebenfalls hohen Wertberichtigungsbedarf aus.

Gleichwohl wirkten sich die schwachen Halbjahreszahlen nicht mehr auf den Kurs der SoftBank-Aktie aus. Die vorgenannten Beteiligungen sind nämlich alle börsennotiert. Zu Deutsch: Die Investoren wussten bereits vorher, was kommt und hatten den Sachverhalt folglich bereits eingepreist. Dabei hat man den Sachverhalt ohne Frage im Übermaß eingepreist. So liegt der innere Buchwert der Aktie aktuell bei umgerechnet 93 Euro. Somit notiert die japanische Aktie zurzeit über 40 % unterhalb ihres Buchwertes (Net Asset Value).

Das Unternehmen wird die sehr niedrige Bewertung nun konstruktiv nutzen und kauft zu diesem Zweck eigene Aktien im Wert von bis zu 9 Milliarden USD zurück. Das entspricht ungefähr 15 % der aktuellen Marktkapitalisierung. Für die Neubörsianer unter Ihnen: Dieses Kaufprogramm ist ungewöhnlich großzügig. Also verbesserte sich die SoftBank-Aktie zur Vorwoche um rund 10 %.

Ich empfehle die Aktie unverändert zum Kauf, sofern Sie noch nicht eingestiegen sind. Wenn wir Glück haben, wird der Titel noch im November die Marke von 55 Euro – im Chart rot eingezeichnet – knacken. Das wäre dann gemäß dem Lehrbuch der Charttechnik ein sauberes Kaufsignal. Sind Sie eher vorsichtig, dann warten Sie dieses Signal zunächst ab. Mutige fassen allerdings vertrauensvoll jetzt schon auf Tradegate oder Frankfurt zu Kursen bis 53 Euro zu, sofern Sie bislang noch nicht eingestiegen sind.

Vestas: Aktie für mich zu teuer – Wir verkaufen

Vestas Wind freut sich derzeit durchaus über prall gefüllte Auftragsbücher. Gleichwohl sind die Gewinnmargen im Unternehmen zuletzt gesunken. Zu Deutsch: Man steigert zwar den Umsatz, davon bleibt allerdings aufgrund hoher Rohstoff- sowie massiv gestiegener Transportkosten nur wenig in den Kassen der Dänen hängen.

Vor diesem Hintergrund erscheint mir die aktuelle Bewertung der Aktie nicht gerechtfertigt. So werden die Vestas-Papiere derzeit mit ihrem 71fachen erwarteten Gewinn für 2021 gehandelt. Zum Vergleich: Netflix, das deutlich besser wächst, erreicht lediglich einen KGV-Faktor von 61. So günstig die Perspektive der Windkraft-Branche auch ist, ein KGV von 71 ist für ein Industrie-Unternehmen einfach zu hoch. Ich sehe hier in den nächsten Monaten folglich nur wenig Kurspotenzial.

Ich stelle also die Aktie der Vestas auf Xetra zum Verkauf. Dafür setze ich ein Verkaufslimit von 31,90 Euro. Bereits in der nächsten Hauptausgabe werde ich Ihnen einen Nachfolger präsentieren.

Gold glänzt wieder – Franco-Nevada freut sich

Die Aktie der Franco-Nevada rückte in dieser Woche auf Euro-Basis über 5 % voran, ohne dass aus dem Unternehmen selbst Nachrichten von Substanz bekannt geworden sind. Was treibt die Aktie des Goldminen-Investors an?

Rund um den Globus zieht die Inflation unverändert an. Statistiker meldeten für den Monat Oktober eine Teuerung von 6,2 % für die USA. In der Euro-Zone zogen die Preise im Schnitt um 4,1 % an. Diese Zahlen haben in dieser Woche Gold als Inflationsprofiteur angetrieben. Das Edelmetall verteuerte sich zur Vorwoche um rund 2,5 % und auf Monatssicht um knapp 6 %. Damit steigen derzeit automatisch auch die Gewinne der Royalty-Unternehmen wie etwa Franco-Nevada. Zur Erinnerung: Das Geschäftsmodell der Royalty-Unternehmen stützt sich auf Beteiligungen an Edelmetall-Minen.

Insgesamt erwarte ich, dass Gold in den kommenden Monaten weiterhin zulegen wird, sofern die Notenbanken nicht plötzlich die Zügel der Geldpolitik anziehen werden. Ein solches Szenario sehe ich allerdings besonders für die Euro-Zone überhaupt nicht. Hier sieht man immer noch keine anhaltenden Inflationstendenzen. Ganz im Gegenteil: Für das kommende Jahr prognostiziert die EU-Kommission für das Euro-Währungsgebiet einen Rückgang der Inflation auf rund 2,4 %. Das ist Wunschdenken.

Die Aktie der Franco-Nevada erfüllt ihren Zweck und schützt unser Vermögen vor Inflation. Wir bleiben weiter investiert. Möglicherweise müssen wir zum Komplex Inflation nächstens im Trenddepot nochmals nachlegen.

L&G Clean Energy: Tesla belastet den Index –
Enphase wirkt entgegen

Unter dem Strich rückte unsere Neuanschaffung L&G Clean Energy in dieser Woche kaum voran. Hier belastete ein veritabler Kursrutsch der Tesla-Aktie, die auf Wochensicht über 12 % verlor. Die ebenfalls stark gewichtete Position Enphase Energy wirkte allerdings positiv entgegen und verteuerte sich um rund 4 %. Das US-Unternehmen entwickelt Komplettlösungen zur Gewinnung und Speicherung von Sonnenstrom.

Ebenfalls stark zeigte sich das Indexmitglied Aker Solutions. Streng genommen ist die Aktie des Ingenieur-Unternehmens in diesem Index fehl am Platz, da man über 50 % seines Umsatzes mit der Öl- und Gasbranche erzielt. Allerdings bauen die Norweger ihr Dienstleistungs-Portfolio um und präsentieren sich inzwischen am Markt auch als Planer und Bauer von Offshore-Windparks. Ferner setzen die Norweger stark auf die Abscheidung und Speicherung des Klimagases CO2 (engl. Carbon Capture and Storage). Hier organisiert man am norwegischen Polarkreis mit zahlreichen namhaften Partnern das erste Projekt in industriemäßigem Umfang.

Auf dieses Projekt namens Northern Lights bzw. Longship werde ich nächstens auch ausführlich in Börse am Mittag eingehen. Diese Technologie müssen Sie alle kennen, ganz egal, ob Sie Leser des RENDITE-TELEGRAMM oder der Premium-Chancen sind. Das ist Basiswissen für jeden ambitionierten Börsianer.

Ich rate unverändert zum Clean Energy ETF, sofern Sie noch nicht investiert sind. Ein Kauflimit benötigen Sie diesmal nicht.

Zum Abschluss: Wow! Sie stehen wirklich unter Strom und schreien nach mehr, und zwar nach mehr ETFs. In den letzten 2 Wochen habe ich auf meine kleine Umfrage aus der letzten Hauptausgabe zahlreiche Wortmeldungen aus Ihren Reihen erhalten. Ich fasse kurz zusammen: Sie wünschen mehrheitlich künftig eine stärkere Berücksichtigung von geeigneten ETF-Empfehlungen. Das soll allerdings nicht auf Kosten unserer Einzel-Aktien gehen.

Genau so werde ich es machen: Ich möchte das RENDITE TELEGRAMM für Sie gezielt erweitern. Selbstverständlich werde ich an meiner bewährten Empfehlungspraxis festhalten. Konkret: Auch künftig werden wir in aussichtsreiche Disruptor- und Trendsetter-Aktien investieren. Ich bitte Sie allerdings noch um etwas Geduld. Da auch meine Firma und der Verlag an einigen Personalengpässen leidet. Im Februar oder spätestens März möchte ich aber liefern.

Ich bedanke mich für Ihre zahlreichen konstruktiven und freundlichen Zuschriften. Das motiviert mich, auch künftig weiterhin hart für Sie zu arbeiten. Ich freue mich jetzt schon auf unser neues ETF-Projekt.

Ich wünsche Ihnen allen ein angenehmes Wochenende. Von mir lesen Sie planmäßig wieder am nächsten Freitag.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Alternate text

Alexander von Parseval