Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

in den vergangenen Jahren haben viele Länder rund um den Globus ihre Kapazitäten zur Erzeugung von grünem Strom stark ausgebaut. Besonders erfolgreich noch vor Deutschland waren hier die Briten, die inzwischen 40 % ihres Strombedarf allein aus Windkraft gewinnen. Das Ergebnis: Erstmals seit 1880 haben die Briten 2020 in einem Zeitraum von zwei Monaten kein einziges Kilogramm Kohle zur Stromerzeugung verfeuern müssen. Auf der Insel ist also der Ausstieg aus der Kohlekraft sehr weitgehend in trockenen Tüchern. Spätestens 2024 soll dauerhaft keine einzige Kilowattstunde aus dem fossilen Energieträger gewonnen werden. Wir sagen: Well done, Britain!

Gleichwohl leidet die alternative Stromerzeugung unverändert unter einem zentralen Problem. Sie ist nicht grundlastfähig. Zu Deutsch: Ein Windrad oder eine Solaranlage produziert praktisch immer entweder zu viel oder zu wenig Strom. Die Netzbetreiber stellt diese Tatsache naturgemäß vor Herausforderungen. Die permanente Gewährleistung der richtigen Netzspannung bzw. exakte Austarierung der diversen Zuflüsse ins Netz ist fast schon eine große Kunst.

Es gibt da allerdings einige konstruktive Lösungssätze. Einer davon ist das sog. Peak Shaving. Wenn also das Solarfeld wieder einmal überproduziert, wird der Überschuss in einer stationären Batterie abgeladen. Wenn dann die Sonne untergeht, wird der sog. ESS-Speicher angefahren und entspeichert. ESS steht dabei für Energy Storage System. Gelegentlich finden Sie auch die Abkürzung BSS, also Battery Storage System.

Das Konzept ist im Kern nicht neu. So habe ich schon vor vielen Jahren entsprechend investiert. Damals waren ich allerdings vor der Zeit, denn die Systeme waren nicht nur sehr teuer, sondern auch wenig leistungsfähig. So waren die Speicher der Vergangenheit teils schon nach einer Stunde platt, wenn man richtig an der Batterie gesaugt hat.

Wie Sie wissen, ist der technologische Fortschritt im Batterie-Segment ganz enorm. Aktuelle Lithium-Batterien biete richtig Speichervolumen und lassen sich auch halbwegs rasch wieder aufladen. So stellen die Amerikaner derzeit und auch künftig praktisch neben jeden größeren Solar- oder Windpark eine ESS-Anlage. Optimisten sehen hier sogar die Entstehung eines fast neuen Marktsegmentes, welches in einigen Jahren weltweit ein Volumen von rund 50 Billionen USD aufweisen soll.

Es ist nur logisch, dass auch wir uns unseren Anteil von diesem Kuchen sichern möchten. Wie das funktionieren wird, erfahren Sie in der nächsten Woche, wenn die neue Hauptausgabe am 23. November online geht.

Umicore: Batteriematerialien sind im Überangebot

Der britische Spezialchemie-Unternehmen Johnson Matthey (JM) hat sein Geschäft mit Elektroden-Materialien – unter anderem Graphit – zum Verkauf gestellt. Die Briten werfen das Handtuch, nachdem sich der Konkurrenzdruck in den letzten Quartalen verschärft hat, so ein Sprecher aus dem Unternehmen. Offenbar sehen die Briten im Kampf gegen Marktführer wie Umicore nur wenig Land. In der Folge rutschte die Briten-Aktie prozentual zweistellig ab.

Für unsere Depotposition Umicore hat diese neue Marktentwicklung zwei Dimensionen. Zum Einen: Die Belgier leiden selbst als Marktführer kurzfristig unter dem verschärften Konkurrenzkampf. Folglich entwickelte sich die Umicore-Aktie zuletzt ungünstig für uns. Zum Anderen: Langfristig sollte es den Belgier freilich in die Karten spielen, wenn einige kleinere Anbieter wie JM den Markt verlassen. Konzentration führt letztlich immer zu besseren Preisen für die Unternehmen, die im Markt bleiben.

Folglich stufe ich die Aktie nun wieder auf Kauf herauf. Fassen Sie zu Kursen bis 43 Euro auf Xetra zu, sofern Sie im dem Materialtechniker Umicore noch nicht engagiert sind. Aktuell kostet die Aktie knapp 45 Euro. Sie lassen also den Kurs zunächst noch auf sich zukommen, um dann die Stücke billig abzugreifen.

Beachten Sie abschließend bitte, dass ich den Verkauf der Vestas Wind zum genannten Limit von 31,90 Euro inzwischen durchgeführt habe. Leider konnten wir diesmal keinen Gewinn realisieren und haben die Aktie zu null verlassen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alexander von Parseval