Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

in dieser Woche tendierten die wichtigen Aktienmärkte mehrheitlich seitwärts. Der DAX pendelt zur Stunde um die Nulllinie, während der NASDAQ 100 bislang 1,5 % im Minus notiert. Dabei legte die deutsche Industrieproduktion im Oktober unerwartet stark um 2,8 % zu. Hier waren die Analysten aufgrund der anhaltenden Mangelversorgung und der gestörten Lieferketten pessimistischer.

Diese schöne Nachricht wurde allerdings aus den USA quasi postwendend einkassiert. Dort stellten in der vergangenen Woche nur 184.000 Menschen erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe. Seit 1969 war diese Zahl niemals niedriger. Im Grunde ist ein starker Arbeitsmarkt keine schlechte Nachricht. Im gegenwärtigen Marktumfeld freilich schon, zumal der US-Boom mit einer zunehmend ausgreifenden Inflation einhergeht.

So stiegen die Preise im November um 6,8 % und damit so stark wie seit 1982 nicht mehr. Mittlerweile liegt die Teuerung in den USA im 8. Monat in Folge über dem Inflationsziel der US-Notenbank Fed.

Nun befürchten die Marktteilnehmer, dass die US-Währungshüter die Zügel der Geldpolitik stärker anziehen muss als zuletzt kommuniziert. In der bevorstehenden Hauptausgabe des RENDITE TELEGRAMM werde ich mich ausführlich mit den neuen Inflationsgefahren befassen. Grundsätzlich gilt: Dauerhaft erhöhte Inflation wirkt sich nicht günstig auf den Aktienmarkt aus.

VW legt Führungsstreit bei – Aktie legt spürbar zu

Der VW-Aufsichtsrat hat im Machtkampf zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess und den Arbeitnehmervertretern erfolgreich vermittelt. Offiziell werden dem österreichischen Top-Manager zwar wieder einige Kompetenzen entzogen. Trotzdem: Er bleibt weiterhin der Macher des Konzernumbaus in Wolfsburg. Die Investoren schätzen diese Botschaft und haben die Auto-Aktie auf Wochensicht um rund 10 % hoch gekauft.

Unterdessen musste das Unternehmen beim Absatz einen erheblichen Rücksetzer hinnehmen. So produzierte man nur noch 616.000 Einheiten im November. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Rückgang von satten 31 %. Lediglich die Sportwagenmarke Porsche konnte den Vorjahresabsatz gemessen an der Anzahl der Einheiten bestätigen. Im laufenden Jahr lieferten die Norddeutschen bislang 8,17 Millionen Fahrzeuge aus (-1,7 %).

Der Dezember soll allerdings deutlich stärker werden. Hier will man unter günstigen Bedingungen ungeachtet der zahlreichen Feiertage rund 800.000 Einheiten von den Bändern rollen lassen. Das ist ein Anzeichen für eine erste Entspannung der Lieferketten bei VW.

In der Hauptausgabe werde ich untersuchen, wie der Autobauer in einem anhaltenden Inflationsumfeld abschneiden wird. Halten Sie an der Aktie zunächst fest.

Kann Umicore keine E-Mobilität?

Bereits seit Tagen entwickelt sich die Aktie der Umicore sehr ungünstig. Der Hintergrund: Bislang galt die Sparte „Energy & Surface Technology“ als großer Wachstumsbringer im Umicore-Portfolio. Vereinfacht gesprochen sind hier die Aktivitäten der Belgier rund um die E-Batterie angesiedelt. Dort produziert man unter anderem Kathodenmaterial etwa für die koreanischen Batteriezellenhersteller Samsung SDI und LG Chem. Offenbar ist der Markt für Kathodenmaterial kurzfristig übersättigt, nachdem diverse Nachfrager Bestellungen reduziert oder verschoben haben.

Deshalb hat die Unternehmensführung nun die Gewinnschätzungen für 2022 und 2023 zurückgenommen. Stand heute soll der Umicore-Gewinn im nächsten Jahr um rund 10 % schrumpfen, bevor er 2023 wieder leicht zulegen wird. Gleichwohl werden die Belgier an ihren elektro-mobilen Aktivitäten festhalten und diese sogar ausbauen.

So wird man ein Gemeinschaftsunternehmen mit VW gründen, dass ab 2025 die geplante VW-Batterieproduktion am Standort Salzgitter mit Kathodenmaterial versorgen wird. 2030 soll das Unternehmen Material für über 2 Millionen E-Fahrzeuge aus dem VW-Konzern produzieren.

Fazit: Die Belgier können derzeit die hohen Markterwartungen an die Sparte Energy & Surface Technology nicht erfüllen. Ursächlich hierfür ist eine generell schwache Nachfrage aus der Autobranche sowie gewisse Überkapazitäten bei Kathodenmaterial. Das eine bedingt naturgemäß das andere. Eine rasche Erholung der zuletzt gebeutelten Aktie ist unwahrscheinlich, da das Momentum für den Titel erst einmal kaputt ist. Hier rechne ich zunächst mit weiteren kleineren Verlusten, bevor langfristig orientierte Investoren das jetzt schon recht günstig bewertete Papier wieder aufnehmen werden.

Ungeachtet des bisherigen Buchverlustes rate ich Ihnen an der Aktie der Umicore festzuhalten.Hier ist das letzte Worte noch nicht gesprochen.

Gleich am kommenden Dienstag (14. Dezember) lesen Sie in der Hauptausgabe des RENDITE TELEGRAMM wieder von mir. Dabei werfe ich einen Blick in die Glaskugel und wage eine erste Prognose für das Börsenjahr 2022. Daneben unterziehe ich das Trenddepot einem Stresstest. Ich will wissen, welche unserer Positionen sind inflationsfest und welche müssen wir möglicherweise absichern oder verkaufen. Seien Sie gespannt!

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alexander von Parseval