Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

zwischenzeitlich war im Markt die Hoffnung aufgekommen, dass die US-Notenbank Fed die  Zügel der Geldpolitik doch nicht so stark anziehen wird wie es zuletzt den Anschein hatte. Diesen Zahn hat uns die Nr. 2 der Fed, Lael Brainard, nun gezogen. In einer Rede vor dem US-Senat erklärte sie die Bekämpfung der Inflation zur wichtigsten Aufgabe (most important task) der Geldpolitik. Die Worte der Frau wiegen insofern besonders schwer, weil sie noch im letzten Jahr eher eine lockere Geldpolitik befürwortet hatte.

Ms. Brainard bekannte sich abschließend nochmals zum Inflationsziel von 2 %. Damit wird immer offensichtlicher, dass die Fed in den nächsten Quartalen durchgreifen wird, um die Konjunktur abzukühlen.

Ich erwarte, dass auch die EZB 2023 auf den Zug der neuen Geldpolitik aufspringen wird, wenn auch nicht ganz mit der Entschlossenheit der Amerikaner. Hier sehe ich im Markt immer noch den populären Irrtum von der ewig lockeren Geldpolitik, die den Aktienmarkt immer nach oben schleußt.

Vor diesem Hintergrund machten die wichtigen Indizes in Europa und Nordamerika keinen Meter. Man spürt schon, dass viele Investoren nicht mit dieser Entschlossenheit der Zentralbanken gerechnet haben. Langfristig ist dies allerdings genau der richtige Weg. Wir können weder als Verbraucher noch als Börsianer Interesse daran haben, dass eine verfehlte Geldpolitik das System gefährdet.

Das Trenddepot konnte sich von den Marktvorgaben teilweise abkoppeln. Hier glänzten vor allem DIC Asset, VW und auch Franco-Nevada mit schönen Kurszuwächsen. Das letztgenannte Unternehmen profitierte davon, dass sich alle Rohstoffe – Gold, Silber, Öl und Gas – im Portfolio zwischen 1,5 und rund 4,5 % verteuerten. Es war also eine gute Woche für Franco-Nevada.

VW meldet Absatzrückgang – Nr.1 bei E-Autos in Europa 

Der Autobauer VW hat im abgelaufenen Jahr lediglich 8,9 Millionen Einheiten auf die Straßen gebracht und damit den schlechten Wert aus dem Vorjahr (1. Corona-Schock) nochmals um rund 4,5 % unterboten. Sehr stark präsentierten sich die Norddeutschen hingegen als E-Autobauer. So setzte man weltweit 450.000 Vollstromer (+51 %) und 310.000 Hybrid-Fahrzeuge (+61 %) ab. Dabei behaupteten die Wolfsburger ihre Marktführerschaft in Europa. In den USA schaffte man hinter Tesla einen Marktanteil von 7,5 %.

Mittlerweile wissen wir, dass die Autobauer 2021 immer noch spürbar unter den Auswirkungen der Pandemie gelitten haben. Immer wieder mussten die Bänder aufgrund von Nachschubproblemen und auch lokalen Ausbrüchen des Virus tageweise angehalten werden. Erst in dieser Woche hat VW die Bänder im norchinesischen Werk Tianjin angehalten, nachdem dort einige Mitarbeiter positiv getestet worden sind.

Das durchwachsene Nachrichtenbild ist allerdings nicht mehr wirklich kursrelevant, zumal die Nachfrage nach Neufahrzeugen ungebrochen hoch ist. So gehe ich davon aus, dass die meisten wichtigen Autobauer besonders für die zweite Jahreshälfte beste Absatzzahlen melden werden. Im Automarkt ist gegenwärtig sehr viel zurückgestaute Nachfrage. Diesen Befund bestätigt auch die Preisentwicklung im Gebrauchtwagenmarkt. Hier müssen Käufer im Moment für populäre Modelle 20 bis 30 % mehr auf den Tisch legen als noch vor Jahresfrist.

Ich bestätige meine Kaufempfehlung für die Vorzugsaktien der VW.  

DIC Asset: Warburg hebt Kursziel auf 24 Euro an ­– Stattliche Dividendenrendite 

Offenbar kühlt sich der Markt für Büroimmobilien in den deutschen Metropolen allmählich ab. Das lässt sich einer Studie des führenden Immo-Researchhauses Jones Lang Lasalle (JLL) für den Standort Frankfurt entnehmen. So stieg dort der Lehrstand von 6,1 auf 7,7 %. Dabei stellten Immobilien-Entwickler in der Mainmetropole nur noch Neuflächen in Größe von 192.000 Quadratmetern (-14 %) zur Verfügung. Unverändert funktionieren allerdings noch die Premiumlagen. So legten die durchschnittlichen Miete im Bankenviertel um 1 Euro auf 42,50 Euro/qm zu.

So agierte DIC Asset zuletzt: Die Frankfurter haben in den letzten Wochen offenbar ein Objekt in München (Berg am Laim) zu sehr angenehmem Preis abgeschlagen. Dafür packte man in Düsseldorf und Berlin zu und sicherte sich für fremde Rechnung zwei vermietete Objekte. Vermietet sind die Liegenschaften jeweils langjährig einmal das Bundesarchiv und zum anderen das Hauptzollamt. Solche Staatsmieter hat man immer gerne im Haus.

Ferner holte man sich in Gottmadingen bei Konstanz eine ebenfalls vermietete Logistik-Immobilie für einen Bruttopreis von 28 Millionen Euro. Diese Transaktion für den Aktienbestand bringt DIC weitere jährliche Mieteinnahmen in Höhe von 1,4 Millionen Euro.  

Unterdessen hat das Hamburger Analystenhaus Warburg die Aktie erneut zum Kauf empfohlen. In der aktualisierten Studie hat man das Kursziel leicht von 24,65 auf 25 Euro angehoben. Im Schnitt sehen meine 7 Kollegen, die den Immo-Wert derzeit im Blick haben, ein Kursziel von etwas über 20 Euro.

Fazit: Die Abkühlung des Büromarktes in Frankfurt und wahrscheinlich auch anderen deutschen Städten muss uns erst einmal keine größeren Sorgen bereiten. Das wird sich messbar kaum auf das Zahlenwerk 2022 der DIC auswirken. Spannender ist für mich die Fragestellung, ob es den Frankfurtern gelingt, die Mieten im Bestand nun anzuheben. Hier erwarte ich mir schon eine Steigerung ungefähr in Höhe der jährlichen deutschen Inflationsrate. Denn genau für ein Inflationsszenario kauft man Immobilien- bzw. Immobilienaktien.Ich empfehle die DIC-Aktie unverändert zum Kauf. Fassen Sie jetzt zu Kursen bis 15,25 Euro (Kauflimit) zu, sofern Sie noch nicht in der Beton-Aktie investiert sind! Auf Basis dieses Kurses werden Sie dann voraussichtlich eine Dividendenrendite in Höhe von 4,8 % erzielen. Halten Sie den Titel bereits seit meiner Erstempfehlung, werden Sie – gerechnet auf unseren Einstandskurs – eine Rendite in Höhe von 6,5 % erzielen. Die Dividende wird Ende März auf Ihr Konto fließen.

SoftBank hilft lernschwachen Schülern 

Derzeit sorgt in der Startup-Szene das österreichische Unternehmen GoStudent für reichlich Furore. Das Unternehmen bietet Schülern des deutschsprachigen Raums digitalen Nachhilfeunterricht. Dieses Geschäftsmodell brachte zuvor bereits in China milliardenschwere Unternehmen wie etwa New Oriental Education hervor. Hinter GoStudent stehen eine ganz Reihe potenter Tech-Investoren wie SoftBank, Tencent oder auch der Innovation Pool der Deutschen Telekom.

Nun haben die Investoren in einer weiteren Finanzierungsrunde nochmals 300 Millionen Euro nachgeschossen. Stand heute wird das Startup aus Wien bereits mit 3 Milliarden Euro bewertet. Damit wären die Wiener gemessen an der Marktkapitalisierung heute schon bereit für eine Mitgliedschaft im Leitindex ATX.

GoStudent ist zwar für SoftBank nur eine kleine Investition. Diese wird allerdings am Ende den Japanern mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eine prozentual dreistellige Rendite bescheren. Das Geschäftsmodell der GoStudent-Macher liegt im Trend, außerdem sehe ich im deutschsprachigen Raum keine wirklich schlagkräftige Konkurrenz. Im Prinzip können die Österreicher ihre Idee auch jederzeit in den frankophonen europäischen Raum ausdehnen. Auch da sehe ich derzeit nur grüne Wiese.Die Japaner machen es jetzt richtig: Mehr Europa und weniger China. Wir bleiben in der Aktie der SoftBank unverändert investiert.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alexander von Parseval

P.S.:Folgend finden Sie die Ansicht des aktuellen Trenddepots.