Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

die Öl- und Gas-Branche erlebt derzeit eine ungewöhnliche Marktverzerrung. So hat sich der Preis etwa für europäisches Brent-Öl seit dem Märzschock 2020 mehr als vervierfacht. Im gleichen Zeitraum haben die Förderer weltweit allerdings ziemlich genau 100 Bohrstellen geschlossen (-5 %).

Das Marktgesetz „Steigende Preise bewirken steigende Produktion“ ist hier völlig außer Kraft gesetzt worden. Dafür gibt es einige gute Gründe, die ich Ihnen in der bevorstehenden Hauptausgabe des RENDITE TELEGRAMM erläutern werde.

Dabei werde ich Ihnen allerdings auch erläutern, dass diese Marktverzerrung nicht von Dauer sein wird. Ganz im Gegenteil: In den nächsten Monaten werden rund um den Globus neue Löcher aufgebohrt bzw. zuletzt still gelegte Produktion wieder angefahren.

Anders formuliert: Es wird Zeit für die Aktie eines Ölfelddienstleisters. Die Dienstleister von Big Oil warten auf milliardenschwere Neuaufträge zu Land und zu Wasser. Die Aktien dieser Unternehmen, die bislang noch ziemlich im Keller liegen, stehen vor einer Neubewertung. Am nächsten Dienstag (25. Januar) machen wir Nägel mit Köpfen.     

SAP liefert solide und holt im Cloud-Geschäft weiter auf 

Auf den ersten Blick waren die jüngsten Quartalszahlen der Walldorfer Softwareschmiede SAP nicht sonderlich aufregend. So steigerte man den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 6 % auf knapp 8 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn pro Aktie verbesserte sich um 10 % auf 1,86 Euro.

Gleichwohl sind die Investoren mit dem Zahlenwerk der Deutschen grundsätzlich zufrieden. Denn man holt man nun mächtig im Cloud-Segment auf, in dem man den Umsatz um 28 % auf 2,6 Milliarden Euro ausweiten konnte. Damit verschieben sich in der Umsatz- und Gewinnrechnung die Gewichte. Anders formuliert: Die gemietete Cloud-Software wird im Umsatzmix für die Walldorfer immer wichtiger und verdrängt das bisher dominierende server-basierten Geschäftsmodell. Damit steigert SAP langfristig das Umsatzpotenzial seines Geschäftsmodells.

Der kleine Schwachpunkt: Unternehmenskunden nutzen als Basis entweder die Cloud oder eben den Server. Die Branche leidet momentan an einer gewissen Kannibalisierung. Denn ein Unternehmenskunde, der in die Cloud geht, wird nicht im gleichen Moment noch eine Lizenz für die Serversoftware erwerben. In der Software-Branche wandert folglich zurzeit der Umsatz von der linken in die rechte Tasche.

Die SAP-Aktie präsentiert sich derzeit stabil und konnte sich der jüngsten Branchenkorrektur entziehen. Wir bleiben zunächst unverändert investiert.

VW: Logistik entspannt sich – Kleinwagen e-Up kann wieder bestellt werden  

Der Autobauer VW wird nun wieder das Stromer-Modell des Kleinwagens Up anbieten. Ende 2020 hatten die Wolfsburger keine Bestellungen mehr für den Verkaufsschlager angenommen, nachdem die Lieferzeiten jedes vertretbare Maß überschritten hatten. Ursächlich für die ungewöhnliche Maßnahme waren die gestörten Lieferketten im Unternehmen.

Der Vorgang hat zwei Dimensionen: Zum einen entspannt sich offensichtlich die Versorgungslage in Wolfsburg. Ferner belegt die Maßnahme, wie stark die Nachfrage derzeit im deutschen und ganz generell europäischen Automarkt ist. VW wird sich nun daran machen, den Bestellungsrückstau bzw. das stark angewachsene Auftragsbuch abzuarbeiten.

Unterdessen wurde bekannt, dass VW in den kommenden Jahren in den Zulieferermarkt einsteigen wird. Zu diesem Zweck wird man mit der Bosch GmbH ein Gemeinschaftsunternehmen gründen. Dieses Unternehmen wird Produktionssysteme für Batteriezell-Hersteller entwickeln. Technikvorstand Thomas Schmall sieht in der Schaffung einer europäischen Lieferkette für die E-Mobilität eine „historische Chance in der Wirtschaftsgeschichte“.

Dieses Bosch-VW-Unternehmen liegt stark im Trend der Zeit. Viele Autobauer planen künftig, nicht mehr ausschließlich für die eigene Palette zu entwickeln und zu bauen, sondern auch als Technologie-Partner oder Zulieferer die direkte Konkurrenz zu beliefern. So bietet etwa der US-Autobauer General Motors die Entwicklungen seiner E-Plattform Ultium in der gesamten Branche an. Ich sehe die historische Dimension dieses strategischen Ansatzes noch nicht so ganz klar. Denn am Ende gilt: Niemand kauft gerne bei der direkten Konkurrenz ein.

Wichtiger für uns ist, dass das Momentum der Auto-Aktien zurzeit günstig ist. So rückte der sog. Auto-DAX, der die Aktien der großen deutschen Autobauer und Zulieferer erfasst, auf Monatssicht um über 9 % vor. Die VW-Aktie verbesserte sich in diesem Zeitraum vergleichbar.   Ich bestätige meine Kaufempfehlung für die Vorzugsaktie der VW. Um es rund zu machen: Die Aktien der Daimler oder BMW sind auch mindestens eine gute Halteempfehlung wert. Die Branche blickt zu Recht optimistisch in die nähere Zukunft.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alexander von Parseval

P.S.:Folgend finden Sie die Ansicht des aktuellen Trenddepots.