Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

der DAX ist auf Wochensicht spürbar abgeknickt und liegt per saldo fast 7 % unter Wasser. Das Trenddepot hingegen bleibt unbeeindruckt und liefert Rendite. Natürlich ist unsere Depotversicherung (DAX-Short) in diesem Augenblick Gold wert. Der ETF verteuerte sich um rund 12 % und damit für uns bereits eine „Entschädigung“ in Höhe von fast 18 % geschafft. Hier kann ich zur Stunde noch nicht prognostizieren, wann wir den Gewinn abrufen werden. Heute empfehle ich den Lyxor Daily ShortDAX x2 letztmalig zum Kauf, sofern Sie Ihr Depot noch nicht entsprechend abgesichert haben. Dazu später mehr in meinem Ausblick.

Unsere Gold-Öl-Kombination Franco Nevada steht in dieser Marktsituation ebenfalls wie eine Eins. Fast 6 % machte die Kanada-Aktie im Vergleich zur Vorwoche. Das ist vielleicht unmoralisch, aber für unsere Depots in diesen schwierigen Tagen hilfreich. Franco-Nevada ist ein klassischer „Kriegsgewinnler“. Folglich geht die Aktie seit Anfang Februar steil, wie der folgende Kurzfrist-Chart zeigt.

Außerdem zieht gegenwärtig der L&G Clean Energy ETF (+5,8 %). Der Zusammenhang ist einsichtig: Wir werden unsere energiepolitische Abhängigkeit von Russland reduzieren. Dabei können die sauberen Energien wie Wind und Sonne helfen.

Erwartungsgemäß stark zeigen sich daneben die Dividenden-Aristokraten des SPDR-ETFs (+5,6 %). Dieses Fondskonstrukt versammelt bekanntlich die härtesten Unternehmen des US-Kurszettels, deren Geschäftsmodell wirklich krisengestählt ist. Für die Neuleser unter Ihnen: Dividenden-Aristokraten erhöhen seit mindestens 25 Jahre die Dividende, und zwar jährlich. Wer hier nur einmal versagt, wird aus dem ETF entfernt und muss sich wieder für 25 Jahre für eine Neuaufnahme in den Aristokraten-Index anstellen.

Von der Aktie des Ölfelddienstleisters Schlumberger hätte ich mir vor dem Hintergrund der anhaltenden Ölpreis-Hausse mehr erwartet. Der US-Titel rückt nur unbedeutend vor. Trotzdem rate ich hier unverändert zu Kursen bis 38,50 USD oder umgerechnet 35 Euro zum Kauf.

Leider hat uns der Krieg auch einen veritablen Rohrkrepierer beschert, nämlich die VW-Aktie. Mittlerweile stehen die VW-Werke Kaluga und Nischni Nowgorod still. Ich gehe davon aus, dass diese Standorte auch nicht so bald wieder angefahren werden, sodass die dortigen Vermögenswerte nächstens in der Bilanz abzuschreiben sind. Außerdem wird man auch keine Fahrzeuge aus dem Ausland in den russischen Markt einführen. Nach dem Kollaps des Rubel haben die meisten Russen auch gar nicht mehr die Kaufkraft, ein Fahrzeug aus westlicher Produktion zu erwerben.

Unter dem Strich ist das Russland-Geschäft für die Wolfsburger nicht ganz entscheidend. Hinzukommt allerdings, dass einige Zulieferer in Russland und auch der Ukraine ansässig sind. Hier fehlen also nun Bauteile für einige Modelle. Gleichwohl ist ein Verkauf der Aktie auf dem gegenwärtigen Kursniveau nicht empfehlenswert. Hier müssen nun die Zähne aufeinanderbeißen und den Kursrücksetzer aussitzen. Wir bleiben also weiter dabei.  

Zum Schluss noch ein Wort zur DIC Asset: Die Immo-Aktie konnte sich zuletzt den schwachen Vorgaben vom Markt teilweise entziehen. So liegt der konservative Nebenwert auf Sicht von 3 Monaten rund 10 % vor dem Gesamtmarkt (DAX). Heute muss die Aktie allerdings einstecken und ist dabei knapp unter die Marke von 14 Euro abgetaucht. Technisch betrachtet ist diese Marke nicht ganz unwichtig. Gleichwohl plane ich hier keinen Verkauf. Nächstens dürfte auch die satte Dividende von 0,75 Euro je Anteilsschein dem Aktienkurs helfen. Die Dividende steht Ihnen bereits Ende März in Form der klassischen Bardividende oder in Aktienform zur Verfügung. Aufgrund der komplexen Marktbedingungen stufe ich die Aktie vorübergehend auf Halten ab.

Ein Ausblick: Wann kommt die Wende?  

Als Börsianer wissen wir, dass eine Korrektur immer dann abgeschlossen wird, wenn großer Pessimismus oder noch besser Panik vorherrscht. Wie weit ist der Markt in dieser Entwicklung?

Die einschlägigen Stimmungsbarometer wie der VDAX oder VIX zeigen gegenwärtig hohe Nervosität an. Phasenweise haben wir auch schon ausgedehnte Panikverkäufe gesehen, etwa in den DAX-Werten VW, Adidas oder BASF.

Gleichwohl sehe ich den Wendepunkt oder Hochpunkt des Pessimismus noch nicht ganz gekommen. Zum Vergleich: Im März 2020 war das Panikniveau gemessen am VDAX (Volatilität) ungefähr doppelt so hoch wie jetzt. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Auswirkungen des Ukrainekonfliktes auf die Weltwirtschaft nicht von der Dimension sind wie die Corona-Pandemie. Letztlich gilt: Russland und Ukraine sind weltwirtschaftlich betrachtet Peripherie. Die entscheidende Wertschöpfung findet anderweitig statt.   

So werde ich in der kommenden Woche den Lyxor-Short auf Halten zurückstufen. Ich gehe davon aus, dass der Aktienmarkt nächstens seinen Tiefpunkt erreichen wird. Anschließend starten wir mit Nachkäufen in Bestandspositionen. Zur nächsten Hauptausgabe werde ich sehr wahrscheinlich für Sie dann eine Neuempfehlung haben.  

Wie in diesen Tagen üblich gehören meine letzten Worte den Männern und Frauen in der Ukraine. Das Land wird nächstens einen Antrag auf Aufnahme in die EU stellen. Die EU-Mitglieder sind aufgefordert, diesen Antrag positiv zu bescheiden. Die üblichen Aufnahmekriterien für den Bewerber sind in diesem Fall auszusetzen. Die jüngsten Ereignisse zeigen freilich, dass die Lage der Verteidiger praktisch aussichtslos ist. So kann der EU-Beitritt der Ukraine erst in 5, 10 oder sogar 20 Jahren wirksam vollzogen werden. Eine lange Zeit! Trotzdem: Wir alle können uns die Ukraine nur als freies, demokratisches und europäisches Land vorstellen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alexander von Parseval