Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

gestern kamen die Mitglieder der OPEC bzw. der OPEC+ virtuell zusammen, um über eine Ausweitung der Ölproduktion zu beraten. Bereits seit Wochen üben Washington und Brüssel Druck auf die arabischen OPEC-Mitglieder wie Saudi-Arabien, Kuwait oder die Emirate aus, damit diese den Ausfall des russischen Öls mindestens kompensiert.

Das Problem: Im Öl-Kartell gilt eine eherne Regel. Wenn der eine nicht mehr produzieren kann, dürfen die anderen Mitglieder nicht einfach dessen Marktanteil übernehmen. Konkret kann derzeit Russland nicht. Aufgrund der westlichen Sanktionen fehlen den Russen Ersatzteile und wohl teilweise auch Kompetenz, um die Produktion aus eigener Kraft kurzfristig hochzufahren. Stattdessen gehen Analysten davon aus, dass die russische Ölproduktion im laufenden Jahr um rund 8 % schrumpfen wird.

Wie im Vorfeld vermutet wird die OPEC+ ihre Fördermengen im Sommer deutlich stärker anheben als in den vergangenen Monaten. Die Mitgliedsstaaten einigten sich die Förderquoten im Juli und August um jeweils 648.000 Barrel pro Tag auszuweiten. Für Juni bleibt es dagegen bei der bereits beschlossenen Erhöhung der Ölförderung um 432.000 Barrel pro Tag.

Das hat dem internationalen Aktienmarkt durchaus geholfen. So legte der DAX wie auch der S&P 500 zur Vorwoche um rund 1,5 % zu. Daneben profitierte der Markt schlichtweg von einer weitgehenden Abwesenheit schlechter Nachrichten. So sind die Marktzinsen zuletzt nicht mehr gestiegen. Offenbar hat der Markt die geldpolitische Wende der US-Notenbank zunächst geschluckt.

In den kommenden Tagen und Wochen werden sich die Investoren dann der Europäische Zentralbank zuwenden. Ab Juli werden die europäischen Währungshüter ebenfalls die Zügel der Geldpolitik erstmals seit vielen Jahren wieder straffen. Derzeit unterstellt die Mehrheit der Investoren, dass die EZB im Vergleich zur US-Notenbank bei der Erhöhung der Leitzinsen ein eher moderates Tempo anschlagen wird.

Tomra nach Aktiensplit stark gesucht – Plus 8 % auf Wochensicht 

Tomra Systems mit Aktiensplit: Wie Sie sicherlich bereits Ihrem Depot entnommen haben, hat der norwegische Spezialist für Recycling- und Sortiersysteme mit Wirkung zum 27. Mai einen Aktiensplit im Verhältnis von 1 zu 2 durchgeführt. Konkret: Hatten Sie zuvor beispielsweise 100 Tomra-Stücke, halten Sie nun 200 Aktien des Unternehmens. Durch diese Maßnahme hat sich der Wert der einzelnen Aktie ungefähr halbiert. An der fundamentalen Bewertung der Aktie oder des Unternehmens ändert ein Aktiensplit also nichts. Gleichwohl helfen solche Maßnahmen kurzfristig dem Kurs einer Aktie, da sie billiger wirkt.

Per saldo rückte die Aktie auf Wochensicht um rund 8 % vor. Hier unterstützte auch ein Analyst der Investmentbank Morgan Stanley, der das Kursziel für die Aktie von umgerechnet 22,50 auf 23,40 Euro angehoben hat.

Wir bleiben zunächst investiert.

VW freut sich über Ende des chinesischen Lockdowns

Die Vorzugsaktie der VW rückte im Wochenvergleich um über 6 % vor. Der Hintergrund: In der wichtigen Wirtschaftsmetropole Shanghai wurden die seit rund 2 Monaten aktiven Lockdown-Maßnahmen nun ganz überwiegend gestrichen. VW erzielt üblicherweise rund die Hälfte seines Umsatzes im Reich der Mitte, und dort bevorzugt in den größeren Städten wie etwa Shanghai. Ferner unterhält man in der Region um Shanghai eine eigene Produktion (Werk Anting), die zuletzt weitgehend ruhte.

Die Männer und Frauen an den VW-Bändern im Werk Anting spucken also wieder in die Hände. Die wieder aufgeschaltete Produktion können die Norddeutschen nun zu besten Preisen am Markt verkaufen. Bleiben Sie unverändert investiert!

Schlumberger steigt in Lithiummarkt ein – Aktie weiter stark

Der US-Ölfelddienstleiter wird sich finanziell an der Erschließung eines Lithiumvorkommens in Kalifornien (Projekt ATLiS) beteiligen. Dazu hat man sich gemeinsam mit einem Partner langfristig an dem nicht börsennotierten Lithiumexplorer EnergySource Minerals beteiligt. Bereits seit dem vergangenen Jahr entwickelt eine Schlumberger-Tochter namens NeoLith Energy ein vergleichbares Projekt im Bundesstaat Nevada.

Die Stoßrichtung des US-Unternehmens ist noch nicht ganz offensichtlich. Möglicherweise wird Schlumberger umfassend in das Segment der Lithiumexploration einsteigen. Wahrscheinlicher ist aber, dass man in Nevada und Kalifornien lediglich Erfahrungen sammelt, um dann den Lithiummarkt als Zulieferer und Ausstatter zu betreten. In welche Richtung auch immer man nun seit Produktportfolio erweitern wird, Lithium ist immer eine gute Idee.

Die Aktie des Ölfelddienstleisters rückte auf Wochensicht wieder einmal erfreulich voran. Innerhalb von etwas über 4 Monaten machte der US-Titel für Ihr Depot eine Performance von rund 36 %. Kurzfristig erscheint mir der US-Öltitel etwas heiß gelaufen. Ich nehme also meine Kaufempfehlung zunächst zurück und rate Ihnen, die Kursgewinne weiter reifen zu lassen.

Chartkommentar: Die Aktie befindet sich seit etwa 2021 in einem starken und klaren Aufwärtstrend, den ich hier grün eingezeichnet habe. Dieser Hausse-Trend hatte sich zuletzt aufgrund des Ukrainekriegs weiter verfestigt und verstärkt. Kurzfristig erscheint mir ein kleiner Rücksetzer in Richtung des Hausse-Trends unvermeidbar. Dann kann ich die Aktie wieder auf Kaufen setzen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alexander von Parseval