Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

es war für uns als Börsianer kein angenehmes Jahr. US-Aktien schneiden so schwach ab wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. Auch außerhalb des Aktienmarktes war letztlich wenig geboten. Die Krypto-Währungen rasten in den Keller, einige sind im Verlauf dieses Jahres sogar gänzlich verschwunden. Selbst eingefleischte Krypto-Anhänger räumen ein, die Branche ist um Jahre zurückgeworfen worden. Andere Investoren sagen sogar: Krypto ist vorbei und wird nicht wieder zurückkehren.

Immerhin Gold brachte zumindest Stabilität in die Depots. Das Edelmetall schaffte auf Dollar-Basis immerhin die schwarze Null. Auf Euro-Basis war zumindest ein kleiner Gewinn von rund 5 % möglich.

Nun heißt es für uns: Mund abwischen und nach vorne schauen. Und in der Tat zeichnen sich dort einige konstruktive Szenarien ab. So verdichten sich die Anzeichen, dass die Partei in Peking von ihrer überzogenen Null-Covid-Politik immer weiter abrücken wird. So ganz überraschend kommt die Lockerung die Quarantäne-Maßnahmen freilich nicht.

Denn die Volkswirtschaft im Reich der Mitte hat schwer gelitten. Der Aktienmarkt hat sich gemessen am MSCI China Index in den vergangenen 24 Monaten ungefähr halbiert. Folglich will man in Peking wieder Maßnahmen für neues Wachstum setzen. Dabei hat die Führung mittlerweile auch verstanden, dass man nicht fortwährend beliebig und willkürlich die Produktion stoppen und die internationalen Lieferketten unterbrechen kann. Einen solchen Wirtschaftspartner braucht niemand.

Das alte Europa probt das Comeback

Bekanntlich kann Europa Software, Digitalisierung oder Chip-Design nicht so wirklich. Das haben wir alle oft beklagt. Gegenwärtig und wahrscheinlich auch im kommenden Jahr muss uns dieses Defizit allerdings weniger grämen. Denn NASDAQ-Aktien stehen definitiv nicht im Fokus der Aktienkäufer.

In diesem Zusammenhang ist es ein bemerkenswerter Befund, dass etwa der DAX heuer nur rund 12 % abgegeben hat. Viele europäische Börsen wie jene von Paris und Madrid haben sich sogar noch etwas besser aus dem schwachen Börsenjahr gezogen.

Dieser Befund gilt: Europäische Aktien haben keine Bäume ausgerissen. Sie wurden allerdings weit weniger verkauft als etwa Amazon, Netflix oder Nvidia. Dieser Trend wird sehr wahrscheinlich 2023 anhalten. Denn die europäischen Wirtschaften basieren auf stabilen und substanz-orientierten Geschäftsmodellen wie eben Pharma, Telekom, Versicherungen oder auch Chemie.

In der Vergangenheit fanden wir diese Branchen mehrheitlich eher langweilig. Folglich sind europäische Aktien ziemlich günstig bewertet. In Zahlen: DAX-Aktien sind im Durchschnitt fast 40 % günstiger bewertet als die Mitglieder des S&P 500. Schon 2022 hat gezeigt, immer mehr Investoren schätzen solche fundamental günstigen Bewertungen.

Die neue Trend zeichnet sich immer schärfer ab. Investoren blicken aktuell nicht so gerne auf das denkbare Potenzial eines Geschäftsmodells in der Zukunft, sondern sie wollen jetzt und in der Gegenwart Substanz sehen. Hauptsache: Vernünftiger Einstiegskurs und viel Substanz. Der Rest, nämlich der Kursanstieg, kommt dann schon von selbst.

Mein Fazit: Ich blicke recht zuversichtlich ins neue Börsenjahr. Die Bewertungen haben sich aller Orten spürbar ermäßigt. Dabei zeichnet sich zumindest Stand heute bislang noch keine wirklich gravierende Rezession ab. Auch die Inflationsraten bewegen sich weltweit allesamt nach unten. Die harte Geldpolitik der Notenbanken greift also und kann deshalb in sehr absehbarer Zukunft sicherlich etwas abgemildert werden.

In den nächsten Monaten werden wir ohne Frage mehr europäische Aktien als in der Vergangenheit kaufen. Diesen neuen Fokus reichern wir wahrscheinlich in der ProPlus-Variante des RENDITE TELEGRAMM mit einer Prise ausgebombtem China an. Das kann eine renditeträchtige Kombination werden.

Rivian meldet OTA-Update der Software – E-Auto-Aktien weiter schwach

Zum Abschluss werfe ich noch einen schnellen Blick ins Trenddepot. Erwartungsgemäß halten sich die Schwankungen zwischen den Jahren in engen Grenzen. 4 Verlierer stehen 5 Kursgewinner gegenüber. Stark entwickelte sich die Aktie der Thermo Fisher, die ohne erkennbare Nachrichten über 3 % vorrückte.

Ganz schwach zeigte sich leider die Aktie des E-Autobauers Rivian, die zur Vorwoche rund 5 % einbüßte. Gestern zeigte die Startup-Aktie eine starke Gegenreaktion, nachdem das Unternehmen „over the air“ (OTA), also per Funk für seine Premium-Modelle eine neue Softwareversion erfolgreich aufgespielt hatte. Solche OTA-Updates kennen wir alle etwa von unserem Smartphone. In der Autobranche sind sie freilich schon noch bemerkenswert, weil immer noch eher neu.

Generell befinden sich die E-Autoaktien durch die Bank in einer ausgeprägten Verkaufswelle. Ich erwarte, dass der Verkaufsdruck allerdings bald nachlässt. Trotzdem nehme ich die Aktie der Rivian kurzfristig von Kaufen auf Halten zurück.

In einigen Stunden dürfen wir endlich das schwierige Börsenjahr 2022 abhaken. Ich bin ganz guter Dinge, 2023 wird deutlich einfacher für uns. In dem Sinn lassen Sie es morgen richtig knallen und krachen! Kommen Sie gut rüber und natürlich bleiben wir alle gesund!  

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Alexander von Parseval